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Medizin

Pestizide: Längere Exposition am Arbeitsplatz erhöht COPD-Risiko

Mittwoch, 9. Februar 2022

/nimito, stock.adobe.com

London – Menschen, die beruflich mit Pestiziden hantieren, haben einer Studie in Thorax (2022; DOI: 10.1136/thoraxjnl-2020-216523) zufolge ein erhöhtes Risiko, eine chronisch obstruktive Lungenerkran­kung (COPD) zu entwickeln.

Die COPD gehört zu den häufigsten schweren Erkrankungen, und unter den häufigsten Todesursachen ist es die einzige, deren Prävalenz zunimmt, auch wenn der wichtigste bekannte Risikofaktor, das Tabak­rauchen, zurückgeht.

Obwohl immer weniger Menschen in Berufen arbeiten, in denen sie ungeschützt hohen Konzentrationen von Stäuben oder Metallen ausgesetzt sind, schätzen Arbeitsmediziner, dass 14 % aller COPD-Erkran­kun­gen auf eine berufliche Exposition zurückzuführen sind. Die einzelnen Auslöser lassen sich nur schwer ermitteln, da Menschen heute einer Vielzahl von Chemikalien im Beruf aber auch in der Freizeit ausge­setzt sind.

Die bevölkerungsbasierte UK Biobank-Studie könnte hier etwas Licht ins Dunkel bringen. Die etwa eine halbe Million Teilnehmer im Alter von durchschnittlich 56 Jahren waren nämlich gebeten worden, den OSCAR-Fragebogen („Occupations Self-Coding Automatic Recording“) zu ihren früheren Beschäftigungen auszufüllen. Außerdem wurde eine Spirometrie durchgeführt, anhand deren Ergebnissen sich eine COPD feststellen lässt.

Sara de Matteis vom Imperial College London und Mitarbeiter konnten die Daten von 116.375 Teilneh­mern, die den OSCAR-Fragebogen ausgefüllt hatten, mit den Ergebnissen der Spirometrie von 94.551 dieser Teilnehmer vergleichen. In einer früheren Analyse im European Respiratory Journal (2019; DOI: 10.1183/13993003.00186-2019) hatte das Team herausgefunden, dass insgesamt 6 Berufsgruppen ein erhöhtes COPD-Risiko haben.

Dies waren 1. „Bildhauer, Maler, Graveure, Kunstrestaurateure“, 2. „Gärtner, Erdarbeiter und Parkwächter“, 3. „Beschäftigte in der Produktion von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakver­arbeitung“, 4. „Kunststoff­verarbeiter, Gießer“, 5. „Beschäftigte in Landwirtschaft und Fische­reiberufen, anderweitig nicht genannt“ und 6. „Lagerarbeiter und Stapler“.

Da wenigstens 2 dieser Gruppen beruflich mit Pestiziden in Kontakt geraten und das Risiko in der Land­wirtschaft besonders hoch ist, hat de Matteis den Einfluss dieser Substanzen jetzt in einer weiteren Analyse untersucht. Dies geschah mit Hilfe einer „Job Exposure Matrix“ (JEM), die die Exposition verschie­dener Berufe zu bestimmten Schadstoffen mit 0 (keine Exposition), 1 (niedrig) oder 2 (hoch) bewertet.

Unter den 12 verschiedenen Schadstoffen, darunter auch Stäube und Mineralstäube, konnte de Matteis nur für die Pestizide ein erhöhtes COPD-Risiko ermitteln. Personen, die am Arbeitsplatz Pestiziden ausgesetzt waren, erkrankten insgesamt zu 13 % häufiger an einer COPD.

Die Prävalenzrate von 1,13 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,28 signifikant. Bei einem hohen kumulativen Risiko, etwa durch eine langjährige Tätigkeit in einem exponierten Beruf, stieg die Prävalenzrate auf 1,32 (1,12-1,56), also ein um 32 % erhöhtes Risiko. Dies deutet auf eine Dosis-Wirkungsbeziehung hin, die in epidemiologischen Studien ein Hinweis auf eine Kausalität ist, die sich aber nicht zweifelsfrei belegen lässt.

Die Auslösung einer COPD durch Pestizide erscheint de Matteis jedoch biologisch plausibel, da viele Pestizide, etwa die Organophosphate, das Enzym Cholinesterase hemmen. Der resultierende cholinerge Effekt steigert die Sekretion in den Atemwegen und kann sie über eine Bronchokonstriktion verengen. Hinzu kommt noch eine vermehrte Entzündungsreaktion mit der Aktivierung von Makrophagen in den Atemwegen.

Interessant ist, dass die Studie keine Assoziation für eine berufliche Exposition mit Stäuben und Metall­stäuben finden konnte, die zu den klassischen Schadstoffen für die Lungen zählen. De Matteis führt dies darauf zurück, dass in England nur noch wenige Menschen in den exponierten Berufen arbeiten und die Beschäftigten dort vielleicht weniger Interesse hatten, sich an der freiwilligen UK Bioband-Studie zu beteiligen. © rme/aerzteblatt.de

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