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Medizin

COVID-19: Viele Patienten leiden auch ein Jahr nach der Klinikentlassung unter Symptomen

Mittwoch, 26. Januar 2022

/Paolese, stock.adobe.com

London und Nijmegen – Für viele Patienten mit einer schweren COVID-19-Erkrankung ist die Gesund­heits­­krise mit der Entlassung aus dem Krankenhaus noch nicht vorüber. Eine Analyse von elektronischen Krankenakten in PLoS Medicine (2022; DOI: 10.1371/journal.pmed.1003871) zeigt, dass das Risiko auf eine erneute Hospitalisierung oder einen Todesfall im 1. Jahr nach der Entlassung aus der Klinik deutlich erhöht ist. Nach einer Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2022; DOI: 10.1001/jama.2022.0040) leiden vor allem Intensivpatienten unter Folgeschäden.

Von der Influenza ist bekannt, dass viele Patienten sich nach einer Hospitalisierung nur langsam erholen und in den Folgemonaten anfällig für andere Erkrankungen sind. Krishnan Bhaskaran von der London School of Hygiene & Tropical Medicine und Mitarbeiter haben jetzt die Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesundheit im 1. Jahr nach der Entlassung aus der Klinik untersucht.

Sie werteten dazu die Daten von OpenSAFELY aus, das Zugriff auf etwa 40 % der elektronischen Kran­ken­akten der englischen Bevölkerung hat. Darunter waren etwa 25.000 Patienten, die 2020 wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden und 1 Woche nach der Entlassung noch am Leben waren.

Die Epidemiologen verglichen die Daten einmal mit einer 5-mal größeren Gruppe von Erwachsenen gleichen Alters und Geschlechts, die nicht an COVID-19 erkrankt waren. Eine 2. Gruppe bestand aus etwa 16.000 Patienten, die in den Jahren 2017 bis 2019 wegen einer schweren Grippe im Krankenhaus behandelt worden waren.

Ergebnis: Die COVID-19-Patienten hatten im 1. Jahr nach der Entlassung aus der Klinik ein 2-fach erhöh­tes Risiko, erneut im Krankenhaus behandelt zu werden oder zu sterben. Bhaskaran ermittelt eine adjus­tierte Hazard Ratio aHR von 2,22, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,14 bis 2,30 signifi­kant war. Dabei wurde berücksichtigt, dass COVID-19-Patienten häufiger Begleiterkrankungen haben, überge­wichtig oder adipös sind und zu ethnischen Minderheiten gehören, in denen das Erkrankungsrisiko höher ist.

Das Sterberisiko gegenüber den gesunden Kontrollen war beinahe um den Faktor 5 erhöht (aHR 4,82; 4,48-5,19). Das Sterberisiko war auch gegenüber den Grippekranken erhöht (aHR 1,74; 1,61 bis 1,88). Der Endpunkt Hospitalisierung oder Tod trat bei COVID-19-Patienten etwas seltener auf als bei Grippe­patienten (aHR 0,95; 0,91-0,98).

Unter den Folgekrankheiten, die eine Hospitalisierung erforderlich machten oder zum Tod führten, waren Infektionen der unteren Atemwege (aHR im Vergleich zu Gesunden 8,47; 7,66-9,37), andere Atemwegser­kran­kungen (aHR 4,28; 3,70-4,95) und mentale oder kognitive Erkrankungen (aHR 3,84; 2,97-4,96). Zu Letzteren gehören auch Demenzen, zu denen es nach COVID-19 deutlich häufiger kommt als nach einer Influenza (aHR 2,32; 1,48-3,64).

Besonders schwer fällt die Erholung Patienten, die wegen COVID-19 auf einer Intensivstation behandelt wurden. In einer Umfrage, die Hidde Heesakkers und Mitarbeiter von der Radboud Universität in Nijmegen im Rahmen der MONITOR-IC-Studie an 11 Kliniken in den Niederlanden durchgeführt haben, berichteten nicht weniger als 74,3 % der Patienten auch 1 Jahr nach der Entlassung noch über körper­liche Symptome. Über psychische Beschwerden klagten 26,2 % und 16,2 % hatten kognitive Probleme.

Die häufigsten somatischen Symptome waren ein geschwächter körperlicher Zustand (38,9 %), Gelenk­steif­heit (26,3 %), Gelenkschmerzen (25,5 %), Muskelschwäche (24,8 %) und Muskelschmerzen (21,3 %) vor Luftnot (20,8 %) und Empfindungsstörungen an den Gliedmaßen (20,6 %).

Unter den psychischen Auswirkungen standen Angstzustände (17,9 %) und Depressionen (18,3 %) im Vordergrund. Insgesamt 9,8 % litten 1 Jahr nach der Entlassung unter Symptomen einer posttraumati­schen Belastungsstörung. Im „Cognitive Failure Questionnaire-14“ lagen 16,2 % über einem Grenzwert, der kognitive Störungen anzeigt. © rme/aerzteblatt.de

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