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Politik

Schlechte Datenlage zum möglichen Nutzen der Feldenkrais-Methode

Donnerstag, 27. Januar 2022

/picture alliance, Christin Klose

Köln – Die Datenlage zum möglichen Nutzen der Feldenkrais-Methode bei eingeschränkter Beweglich­keit ist unzureichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe unter der Federführung der Medizi­ni­schen Hochschule Hannover (MHH).

Das Wissenschaftlerteam untersucht im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Ge­sundheitswesen (IQWiG), ob die Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit helfen kann.

Wegen der schlechten Evidenzlage konnte die Expertengruppe nur für Parkinsonpatienten sowie für Menschen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich eine Nutzenaussage ableiten. Hier findet sich laut ihrer Recherche jeweils ein Anhaltspunkt für einen Nutzen der Feldenkrais-Methode im Vergleich zur betreffenden Vergleichstherapie. Die Wissenschaftler fordern daher weitere Forschung zu der Methode.

Die Feldenkrais-Methode will durch eine bewusstere Körperwahrnehmung die Koordination von Bewe­gungsabläufen optimieren. Sie geht auf den Physiker und Neurophysiologen Moshé Feldenkrais zurück. Da die Feldenkrais-Methode formal nicht als Heilmittel gelistet ist, übernehmen die Kran­ken­kassen die Behandlungskosten nur in Ausnahmefällen.

Die Arbeitsgruppe fand sechs randomisierte kontrollierte Studien zum Nutzen der Methode für fünf unterschiedliche Indikationen. Alle Studien weisen laut den Wissenschaftlern ein hohes Verzerrungspo­ten­zial auf.

Anhaltspunkte für einen höheren Nutzen konnten sie nur bei zwei Indikationen ermitteln: Bei Betroffe­nen mit Morbus Parkinson sehen sie einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Felden­krais-Me­thode gegenüber Bildungsprogrammen in Form von Vorträgen, also gegenüber einer passiven Strategie. Dies betrifft die Verbesserung der Beweglichkeit und der gesundheitsbezogenen Lebensquali­tät am Therapieende.

Die Evidenzlage bei Betroffenen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich ist im Vergleich mit aktiven Strategien laut der Arbeitsgruppe uneinheitlich. Gegenüber einem Training mit Übungen für die Rumpfstabilität gibt es in einer Studie einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode am Ende der fünfwöchigen Therapie wegen besserer Beweglichkeit und besserer gesundheits­bezo­gener Lebensqualität.

Gegenüber der Teilnahme an einer mehrmonatigen Rückenschule gibt es in einer weiteren Studie zwar einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode hinsichtlich Schmerzverringe­rung, aber gleichzeitig einen Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen dieser Methode in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Die Analyse erfolgte im Rahmen des „Themencheck Medizin“. Sie geht auf den Vorschlag einer Bürgerin zurück. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Rückenschmerzen oft mit Medikamenten behandelt wer­den, manchmal sogar Operationen empfohlen werden.

Vor diesem Hintergrund fragte sie das IQWiG, ob Feldenkrais eine Methode sein könnte, die gegeben­enfalls eine medikamentöse oder operative Therapie überflüssig machen könnte. Das IQWiG bittet um Rückmeldungen zu dem jetzt vorliegenden vorläufigen Health Technology Assess­ment (HTA) bis zum 23. Februar. © hil/aerzteblatt.de

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