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Zwei Jahre Corona und mehr Neuinfektionen als je zuvor

Donnerstag, 27. Januar 2022

/Ralf Geithe, stock.adobe.com

Berlin – Exakt zwei Jahre nach dem ersten bestätigten Coronafall in Deutschland befindet sich die Zahl der Neuinfektionen auf einem neuen Hoch. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden nach Angaben von heute Morgen binnen eines Tages 203.136 Neuinfektionen übermittelt, so viele wie nie zuvor.

Die Sieben-Tages-Inzidenz, also die Ansteckungen je 100.000 Einwohner und Woche, kletterte auf den Rekordwert von 1.017,4. Am 27. Januar 2020 war bei einem Mann aus Bayern erstmals das Coronavirus hierzulande bestätigt wurden. Seitdem wurden mehr als neun Millionen Infektionen registriert, mehr als 117.000 starben an oder unter Beteiligung einer Infektion.

Seit Ende Dezember 2020 werden Impfungen gegen das Coronavirus vorgenommen. Gut drei Viertel der Bevölkerung haben mindestens eine Dosis erhalten, geringfügig weniger haben den vollständigen Grund­schutz und gut die Hälfte eine Auffrischungsimpfung.

Die hochinfektiöse Omikron-Variante, die aber meist zu milderen Krankheitsverläufen führt, hat in den vergangenen Wochen die Infektionszahlen explodieren lassen. Das führt nun auch zu Personaleng­pässen in der medizinischen Versorgung.

„Je stärker die Inzidenzen steigen, desto mehr Praxen werden auch vorübergehend krankheitsbedingt schließen müssen“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, betonte in den Funke-Zei­tungen ebenfalls, medizinisches Personal könne knapp werden. „Die Quarantäne wird zum Problem werden in den kommenden Wochen“, sagte Gassen.

Heftig debattiert wird, ob es eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland geben soll. Im Bundestag berie­ten dazu gestern die Abgeordneten in einer „Orientierungsdebatte“ frei von Fraktionszwängen.

Bundes­gesundheitsminister Karl Lauterbach verteidigte die Impfpflicht gestern Abend im ZDF-„heute journal“ und betonte, es handele sich um eine ethische Debatte. Deshalb sprach Lauterbach im Parla­ment auch nicht als Minister, sondern als Abgeordneter. Ein Impfregister hält Lauterbach nicht für nötig und hinderlich, da eine Einführung zu lange dauern würde.

Dagegen fordert der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) die Einführung eines solches Regis­ters. „Um eine allgemeine Impfpflicht wirkungsvoll umsetzen zu können, braucht es daher eine belast­bare und einfach nutzbare Datenbasis“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem Redaktions­netzwerk Deutschland (RND).

„Der einfachste und beste Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist ein nationales Impfregister, in dem die In­formationen zum Coronaimpfstatus und zu weiteren Impfungen gespeichert werden“, betonte Lands­berg.

Lauterbach hielt dem im ZDF entgegen, die Kontrolle eines Impfnachweises könne am Arbeitsplatz oder bei der Nutzung bestimmter Verkehrsmittel erbracht werden oder auch bei Arztbesuchen. Es könnte auch einfach sporadische Kontrollen geben wie in Österreich.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans räumte ein, dass viele Menschen nach zwei Jahren Ein­schränkungen „pandemiemüde“ seien. „Dass die Kritik an einzelnen Maßnahmen oder der Corona­strate­gie als Ganzem zunimmt, ist deshalb auch völlig nachvollziehbar und damit müssen die poli­tischen Ent­scheidungsträger auch leben: Denn es gab und gibt in dieser Situation auch nie die eine perfekte Lösung, die für niemanden Nachteile hat“, sagte Hans der Rheinischen Post.

Insgesamt sei es aber recht gut gelungen, „die persönliche Freiheit jedes einzelnen und die berechtigten Interessen der Wirtschaft mit dem Schutz unserer Gesundheit in der Coronapandemie umsichtig in Ein­klang zu bringen“.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil gestand ebenfalls zu: „Natürlich sind viele Men­schen nach zwei Jahren Pandemie auch erschöpft.“ Der SPD-Politiker fügte aber in der Rheinischen Post mit Blick auf sein Bundesland hinzu: „Dennoch erleben wir nach wie vor viel Zustimmung für unseren vorsichtigen und zugleich verhältnismäßigen Kurs in Niedersachsen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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