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Medizin

Laborstudie: Virustatika anders als Antikörperpräparate bei Omikron vermutlich weiter wirksam

Donnerstag, 27. Januar 2022

/Corona Borealis, stock.adobe.com

Tokio – Laborstudien japanischer Virologen bestätigen, dass die meisten Antikörperpräparate die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 nicht neutralisieren können. Die getesteten Virustatika könnten nach den im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMc2119407) publizierten Ergebnissen jedoch weiter wirksam bleiben.

Viren können sich im Prinzip durch eine einzelne Mutation dem Zugriff von Antikörpern entziehen, wenn die Mutation die Oberflächenstruktur (Antigenität) des Virus an der Stelle verändert, an der der Antikör­per bindet. Die Hersteller der zur Prävention und Therapie von COVID-19 zugelassenen Präparate sind sich der Gefahr bewusst. Einige bieten deshalb „Cocktails“ aus 2 Antikörpern an in der Hoffnung, dass nicht beide durch Mutationen wirkungslos werden.

Gegen Omikron hat diese Vorsichtsmaßnahme nicht gewirkt. Bereits im Dezember war klar, dass Bamlanivimab/Etesevimab von Lilly und Casirivimab/Imdevimab von Regeneron bei Omikron nicht „greifen“, was eine klinische Wirksamkeit sehr unwahrscheinlich macht. Die US-Arzneimittelagentur (FDA) hat bereits die Konsequenzen gezogen und beide Mittel faktisch vom Markt genommen.

Die jetzt von einem Team um Yoshihiro Kawaoka von der Universität Tokio vorgestellten Ergebnisse eines Neutralisationstests (FRNT) bestätigen dies. Bei 3 der 4 Antikörper wurde auch mit einer Konzentration von über 50.000 ng/ml keine Neutralisierung erzielt, bei Casirivimab lag der FRNT50 bei über 14.000 ng/ml, was ebenfalls weit über den therapeutisch erzielbaren Titern liegt.

Andere Antikörper könnten weiterhin wirksam sein. Den niedrigsten FRNT50, sprich die beste Aussicht auf eine Wirksamkeit, erzielte Sotrovimab als einzelner Antikörper mit 373 ng/ml. Das ist deutlich mehr (und deshalb ungünstiger) als gegenüber dem Wildtyp und auch gegen Delta.

Die in Europa noch nicht zugelassenen Cilgavimab und Tixagevimab sind mit einer FRNT50 von 443 ng/ml und fast 1300 ng/ml schon eher von einem Wirkungsverlust bedroht. Bei der Kombination der bei­den Antikörper, die Astrazeneca als Evusheld einführen will, wurden 255 ng/ml benötigt, um die Infek­tion der Zellen um die Hälfte zu reduzieren. Das ist weniger als für Sotrovimab. Ob es für eine Wirkung reicht, bleibt abzuwarten. Die Ergebnisse von Laborstudien lassen sich nicht 1 zu 1 auf die Klinik über­tragen.

Wesentlich günstiger waren die Ergebnisse zu den Virustatika GS-441524 (aktive Form von Remdesivir), EIDD-1931 (aktive Form von Molnupiravir) und PF-00835231 (aktive Form von Lufotrelvir). Auch hier können Mutationen schnell zum Wirkungsverlust führen, wenn sie die Angriffspunkte auf der RNA-Poly­me­rase (Remdesivir, Molnupiravir) oder der Protease (Lufotrelvir) so verändern, dass die Wirkstoffe ihr Ziel nicht mehr finden.

Bei Omikron gibt es Mutationen in den Genen für die beiden Enzyme. Sie scheinen jedoch die Wirksam­keit nicht herabzusetzen. Kawaoka ermittelte eine für GS-441524 eine FRNT50 von 1,28 ng/ml, für EIDD-1931 betrug sie 0,43 ng/ml und für PF-00835231 12,71 ng/ml. Dies sollte ausreichen, Omikron zu stop­pen, wobei der häufige Einsatz der Virustatika natürlich die Gefahr birgt, dass sich resistente Mutanten bilden. © rme/aerzteblatt.de

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