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Psychotherapie kann Depressionen bei Kindern und Jugendlichen lindern

Dienstag, 1. Februar 2022

/Nailia Schwarz, stock.adobe.com

Köln – Kognitive Verhaltenstherapie und interpersonelle Psychotherapie können Depressionen bei Kin­dern und Jugendlichen wirksam bekämpfen. Sie schneiden beim Vergleich mit der Gabe von Antidepres­siva nicht schlechter ab. Das berichtet ein Wissenschaftlerteam der Donau-Universität Krems im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Etwa eins von 100 Kindern und fünf von 100 Jugendlichen leiden an einer depressiven Störung. Typische Symptome sind – wie bei Erwachsenen auch – eine gedrückte Stimmung, fehlender Antrieb, geringes Selbstwertgefühl oder auch Interessenverlust und Freudlosigkeit.

Die Symptome können aber je nach Alter auch durch andere Symptome oder Begleiterkrankungen über­lagert oder fehlinterpretiert werden. Eine Bürgerin hatte im Rahmen des Themencheck Medizin beim IQWiG nachgefragt, ob man bereits bei ersten depressiven Symptomen bei Kindern und Jugendlichen eine psychotherapeutische Behandlung beginnen sollte.

Die Arbeitsgruppe konnte 13 systematische Übersichtsarbeiten mit Daten aus 150 Primärstudien in den vorliegenden Bericht einschließen. Die Wissenschaftler identifizierten Studien zu drei Formen der Psy­cho­­therapie: kognitive Verhaltenstherapie, interpersonelle Psychotherapie und psychodynamische Psy­chotherapie. Der Bericht vergleicht diese Psychotherapieformen mit inaktiven Kontrollen, mit einer Anti­depressivatherapie sowie als Add-on zur Verordnung von Antidepressiva.

Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie lernen die Betroffenen, belastende Denkmuster zu erkennen und zu verändern. Der Bericht der Arbeitsgruppe zeigt, dass die kognitive Verhaltenstherapie depressive Symp­tome bei Kindern und Jugendlichen lindern kann.

Einige Studien deuten darauf hin, dass sie auch als Add-on zur Einnahme von Antidepressiva Vorteile haben kann. So gelang es dadurch den Betroffenen in einer Studie langfristig, Schule und soziale Akti­vitäten besser zu bewältigen. Ein Vergleich der kognitiven Verhaltenstherapie mit einer alleinigen Ver­ord­nung von Antidepressiva liefert keine Hinweise darauf, dass eine dieser Behandlungen Depressionen besser lindert als die andere.

Bei einer interpersonellen Psychotherapie liegt der Schwerpunkt auf zwischenmenschlichen Belastun­gen und Konflikten. Die interpersonelle Psychotherapie kann dazu beitragen, dass sich depressive Beschwer­den bei Kindern und Jugendlichen bessern. Die Studien sprechen zudem dafür, dass die Betroffenen durch die Therapie Schule und soziale Aktivi­täten wieder besser bewältigen können.

Einige Studien verglichen die interpersonelle Psychotherapie mit der Einnahme von Antidepressiva. Diese zeigten keine Hinweise darauf, dass eine dieser Behandlun­gen Depressionen besser lindert als die andere. Die Studienlage zur psychodynamischen Psychotherapie sei nicht ausreichend, um eine abschlie­ßende Aussage zur Wirksamkeit zu treffen, so das Wissenschaf­tler­team.

Zum Vergleich der drei identifizierten Formen der Psychotherapie mit nicht medikamentösen Verfahren wie Sport oder Entspannungsübungen, die als alleiniger Therapieansatz meist nur bei leichten Depres­sionen empfohlen werden, gab es laut den Wissenschaftlern keine Studien.

Nicht beantworten konnte die Arbeitsgruppe die Frage, wie gut die untersuchten Psychotherapien bei verschiedenen Schweregraden der Depression oder in den unterschiedlichen Altersgruppen wirken, da in den eingeschlossenen systematischen Übersichten die erhobenen Daten nicht nach Alter oder Schwere­grad der Depression analysiert wurden.

Beim Themencheck Medizin gehen die Fragestellungen der Berichte auf Vorschläge aus der Bevölke­rung zurück. Das IQWiG sammelt diese und wählt pro Jahr bis zu fünf Themen aus. Das Institut verfasst die HTA-Berichte nicht selbst, sondern beauftragt externe Sachverständige mit deren Erstellung. © hil/aerzteblatt.de

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