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Medizin

Organtrans­plantation: US-Zentren akzeptieren Nieren von gestorbenen COVID-19-Patienten

Mittwoch, 2. Februar 2022

/picture alliance, Waltraud Grubitzsch

Baltimore – Angesichts der hohen Zahl von Coronainfektionen und dem anhaltenden Organmangel ak­zep­tieren US-Kliniken zunehmend auch Menschen als Spender, die an COVID-19 gestorben sind.

Im American Journal of Transplantation (2022; DOI: 10.1111/ajt.16956) berichten Mediziner, wie sie eine Infektion bei einer Hochrisikoorganspende ausgeschlossen haben.

Die ansonsten für ihr Alter sehr gesunde Organspenderin war im Alter von Anfang 30 an einer schweren COVID-19-Pneumonie erkrankt. Wegen eines akuten Lungenversagens war eine extrakorporale Mem­bran­­oxygenierung (ECMO) durchgeführt worden, um sie am Leben zu halten. Die Patientin entwickelte jedoch eine hypoxische Hirnverletzung. Nachdem ein Hirntod festgestellt worden war, wurde sie zur Or­gan­spen­de freigegeben. Da die Nierenfunktion mit einem Serumkreatinin von 0,7 mg/dl normal war, wurde eine Nierentransplantation anvisiert. Der Empfänger sollte ein 55 Jahre alter Mann sein, der seit 5 Jahren we­gen eines Nierenversagens in Hämodialysebehandlung war.

Um eine Übertragung von SARS-CoV-2 zu vermeiden, die angesichts der notwendigen Immunsuppression lebensgefährlich sein könnte, führte das Team um den Nephrologen Hamid Rabb von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore mehrere Tests durch. Zunächst wurde bei der noch lebenden Organspenderin eine Nierenbiopsie veranlasst. In der Gewebeprobe wurde mit In-situ-Hybridisierung und einer quantitativen Polymerasekettenreaktion (PCR) nach Virusgenen gesucht. Nach der Organent­nahme wurde auch die Aorta untersucht, da Blutgefäße den ACE2-Rezeptor in großer Menge exprimieren. Als auch dieser Test negativ ausfiel, wurde eine Niere transplantiert.

Die Transplantation, die bereits im Frühjahr letzten Jahres stattfand, ist laut Rabb geglückt. Nach einer anfänglichen Phase einer verzögerten Transplantatfunktion, die eine Hämodialyse erforderlich machte, habe der Empfänger seit über 9 Monaten eine hervorragende Nierenfunktion, berichtet der Nephrologe. Der letzte Kreatininwert habe 1,3 mg/dl betragen.

Zu einer Infektion mit SARS-CoV-2 sei es nicht gekommen. Die PCR-Tests an den Nasenabstrichen seien nach 20, 30 und 90 Tagen jeweils negativ ausgefallen.

Die Transplantation ist offenbar kein Einzelfall. Die US-Transplantationsmediziner hatten bereits 2020 über das Für und Wider von Spenderorganen von COVID-19-Patienten diskutiert. Viele Zentren transplan­tieren die Organe mit Ausnahme der Lungen, sofern sich die Spender vor ihrem Tod von COVID-19 erholt hatten.

© rme/aerzteblatt.de

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