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Politik

Krankenhäuser veröffentlichen Zahl der COVID-19-Patienten

Mittwoch, 9. Februar 2022

/picture alliance, BELGA, Dirk Waem

Berlin – Ab morgen will die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) im Internet die Belegungsdaten von COVID-19-Patienten in den deutschen Krankenhäusern veröffentlichen. Das erklärte der Vorstands­vorsitzende der DKG, Gerald Gaß, heute vor Journalisten.

Die Daten erhält das DKG aus den einzelnen Bundesländern, wo sie wiederum auf unterschiedliche Weise erhoben werden. Während die Daten aus Baden-Württemberg zum Beispiel aus dem Resource Board des Landesinnenministeriums stammen, kommen die hessischen Daten von der Plattform IVENA. In Thüringen werden sie von der Landeskrankenhausgesellschaft zusammengeführt.

„Die Daten zeigen die Anzahl der COVID-19-Patienten in den Krankenhäusern vom Vortag sowie die Ver­teilung der Patienten auf die Intensiv- und die Normalstationen“, erklärte Gaß.

Am 7. Februar lagen demnach 16.842 COVID-19-Patientinnen und Patienten in den deutschen Kranken­häusern – 22,6 Prozent mehr als in der Vorwoche. 14.509 von ihnen lagen auf einer Normalstation, eine Steigerung um 25,9 Prozent. Und 2.333 lagen auf einer Intensivstation, 5,7 Prozent mehr als in der Vor­woche.

Fallzahlsteigerungen auf den Normalstationen

„Derzeit haben wir nennenswerte Steigerungen, die sich vor allem auf den Normalstationen abspielen“, erklärte Gaß. Die Zahl der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen schwanke hingegen seit 14 Tagen zwischen 2.200 und 2.300.

„Wir rechnen nicht damit, dass die Steigerung der Intensivbelegungen in den kommenden Wochen noch dynamischer werden wird“, sagte Gaß. „Wir rechnen damit, dass die Zahlen im Verlauf von Februar und März wieder nennenswert zurückgehen.“

Die Belegungsdaten werden zudem nach Bundesländern aufgeschlüsselt. „Dabei sieht man die starken unterschiedlichen Dynamiken in den Ländern“, sagte Gaß. „Zuerst war Bremen von der Omikron-Welle stark betroffen. Mittlerweile sind die Zahlen dort deutlich nach unten gegangen.“ So habe es in Bremen aktuell einen Anstieg der Anzahl aller COVID-19-Patienten im Krankenhaus um 3,4 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gegeben. In Niedersachsen lag dieser Wert bei 48,9 Prozent.

Kritik an aktuellem Meldeweg

Gaß wies darauf hin, dass sich diese Zahlen von der Hospitalisierungsrate unterscheide, die das Robert- Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. „Die Daten des RKI beinhalten, wie viele COVID-19-Patienten in den vergangenen sieben Tagen neu in ein Krankenhaus aufgenommen wurden. Diese Zahl wird dann ins Verhältnis zu 100.000 Einwohnern gesetzt.“

Dabei müssten Ärzte die entsprechenden Daten manuell in den Krankenhäusern erfassen und manuell an das Gesundheitsamt weiterleiten – per Fax oder per E-Mail. In den Gesundheitsämtern müssten die Daten erneut in eine Maske eingetragen werden, die dann an das RKI übermittelt wird. „Dieser Meldeweg ist extrem aufwändig und er führt mehrfach zu Verzögerungen“, kritisierte Gaß.

Daten automatisiert erheben

Der DKG-Präsident schlug vor diesem Hintergrund eine neue Art der Datenerhebung vor. „Zahlreiche Daten werden heute schon von den Krankenhäusern in ihrem Krankenhausinformationssystem, dem KIS, erfasst und zum Teil automatisiert an die Krankenkassen ausgeleitet – zum Beispiel die Aufnahmedia­gno­sen, die Behandlungsdaten und die Abrechnungsdaten.“ Auf diese Weise könnten künftig auch Daten zur Coronapandemie zur Verfügung gestellt werden.

„Wir wären technologisch dazu in der Lage, aus dem KIS wesentliche Behandlungsdaten tagesaktuell abzurufen, in einem Datenpool zusammenzuführen und dann der Öffentlichkeit, der Krankenhauspla­nung oder dem RKI zur Verfügung zu stellen“, sagte Gaß. „Dafür brauchen wir aber den gesetzlichen Auf­trag.“ Im Koalitionsvertrag ist ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz vorgesehen. Das wäre der Ort, um der DKG einen entsprechenden Auftrag zu erteilen, meinte Gaß.

Regierung setzt auf DEMIS

Die Bundesregierung befürworte hingegen das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS), über das ab Mitte März die Daten an das RKI übermittelt werden sollen.

„Auch hier müssen die Daten jedoch manuell in das System eingegeben werden“, kritisierte Gaß. „Wir brauchen aber einen Meldeweg, bei dem die Daten automatisiert aus dem KIS herausgeleitet werden.“ Positiv getestete COVID-19-Patienten, die bislang nicht standardmäßig im KIS vermerkt werden, könnten dabei künftig mittels eines Codes aufgenommen werden.

„Ob ein Patient mit oder wegen Corona ins Krankenhaus aufgenommen wird, ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen“, erklärte Gaß in diesem Zusammenhang. „Bei bestimmten Erkrankungen, wie bei einem Beinbruch, ist klar, dass der Patient nicht wegen Corona im Krankenhaus ist.“ Diese Patienten würden auch heute schon nicht ans RKI gemeldet.

„Bei Patienten mit internistischen Erkrankungen ist aber zunächst nicht klar, ob diese durch die Corona­infektion hervorgerufen wurden“, so Gaß. „Hier handelt es sich um einen Graubereich. Wir schlagen vor, einige Krankenhäuser zu identifizieren, die die Frage klären, ob die Patienten mit oder wegen Corona im Krankenhaus liegen.“ Die entsprechenden Daten könnten dann hochgerechnet werden.“ © fos/aerzteblatt.de

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