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Corona und Psyche: Kinder und Jugendliche weiterhin psychisch belastet

Mittwoch, 9. Februar 2022

/Mariakray, stock.adobe.com

Hamburg – Trotz geöffneter Schulen und zugänglicher Freizeitangebote ist die Zahl der Kinder und Ju­gendlichen, die sich durch die Coronapandemie psychisch belastet fühlen, weiterhin hoch. Zwar haben sich das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen leicht verbessert, jedoch leiden noch immer mehr unter psychischen Auffälligkeiten als vor der Pande­mie.

Erneut sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien besonders betroffen. Das ist das Ergebnis der dritten Befragungsrunde der COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universi­täts­klinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) (DOI: 10.2139/ssrn.4024489).

„Die Zahlen sind im Vergleich zu präpandemischen Daten zwar immer noch hoch, wir wissen aber auch, dass nicht alle Kinder, die belastet sind, mit einer Angststörung oder Depression reagieren. Die meisten werden die Krise vermutlich gut überstehen. Das gilt vor allem für jene aus stabilen Familienverhält­nis­sen“, sagte Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Forschungsdirektorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Man merke in der dritten Befragung aber auch, dass das Ende der strikten Kontaktbeschränkungen, die Öffnung der Schulen sowie der Sport- und Freizeitangebote zum psychischen Wohlbefinden und zur Steigerung der Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen beigetragen hätten.

Grundsätzlich wiesen der Studie zufolge etwas weniger Kinder Ängstlichkeit und depressive Symptome auf als bei den ersten beiden Befragungen. Es waren aber immer noch etwa zehn Prozentpunkte mehr als vor der Pandemie. Trotz dieser leichten Verbesserungen fühlen sich immer noch acht von zehn Kin­dern und Jugendlichen durch die Coronapandemie belastet.

Das Belastungserleben hatte im Pandemieverlauf zunächst zugenommen und sich nun in der dritten Be­fragung auf hohem Niveau stabilisiert. Dies äußert sich Ravens-Sieverer zufolge auch darin, dass psy­cho­somatische Stresssymptome wie Gereiztheit, Einschlafprobleme und Niedergeschlagenheit im Ver­gleich zu vor der Pandemie weiterhin deutlich häufiger auftreten und Kopf- und Bauchschmerzen sogar noch einmal leicht zugenommen haben.

Etwas verbessert hat sich nach der Studie hingegen das Gesundheitsverhalten im Verlauf der Pandemie. Etwa jedes fünfte Kind isst zwar noch mehr Süßigkeiten als vor der Pandemie. Dafür ist der Medienkon­sum etwas zurückgegangen und die Kinder und Jugendlichen machen wieder mehr Sport als bei den ersten beiden Befragungen.

In der dritten Befragung berichten die Kinder und Jugendlichen über weniger Streit in der Familie, über weniger schulische Probleme und ein besseres Verhältnis zu ihren Freundinnen und Freunden im Ver­gleich zu den Befragungen davor. Trotz überwiegend geöffneter Schulen erlebt rund die Hälfte der Kin­der und Jugendlichen Schule und Lernen weiterhin als anstrengender im Vergleich zu vor Corona.

Rund 80 Prozent der Eltern fühlt sich weiterhin durch die Pandemie belastet. Dennoch haben die Eltern signalisiert, den Alltag besser organisiert zu bekommen und geben auch insgesamt weniger depressive Symptome an.

Die COPSY-Studie ist dem UKE zufolge die erste bevölkerungsbasierte Längsschnittstudie bundesweit und gehört auch international zu den wenigen Längsschnittstudien. © PB/aerzteblatt.de

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