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Medizin

Ebola: Viren können nach Antikörperbehandlung im Gehirn persistieren

Donnerstag, 10. Februar 2022

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren (Filoviridae) in 10.000-facher Vergrößerung. /picture alliance, Hans R. Gelderblom, RKI

Bethesda/Maryland – Die erfolgreiche Behandlung von Ebolainfektionen mit monoklonalen Antikörpern, die bei der letzten Epidemie im Kongo die Zahl der Todesfälle begrenzt hat, könnte den Boden für weite­re Epidemien bereiten.

US-Forscher zeigen in Experimenten an Makaken, dass sich die Viren bei jedem 5. Tier im Gehirn fest­setzen. Bei einigen kam es später zu einem Rückfall der Erkrankung. Ein Ansteckungsrisiko konnte in einer Studie in Science Translational Medicine (2022; DOI: 10.1126/scitranslmed.abi5229) jedoch nicht sicher nachgewiesen werden.

Die Ebolaepidemien in Afrika wurden lange auf einen wiederholten „Spillover“ der Viren von Tieren auf den Menschen zurückgeführt. Im letzen Jahr stellte sich jedoch heraus, dass ein Ausbruch in Guinea von Ebolaviren verursacht wurde, die eine auffallende genetische Nähe zu den Viren hatten, die 6 Jahre zuvor an gleicher Stelle die bisher größte Ebolaepidemie ausgelöst hatten. Die Forscher vermuteten, dass ein Langzeitausscheider für den erneuten Ausbruch verantwortlich war.

Bekannt ist auch, dass Ebolaviren in immunprivilegierten Organen überleben können. Dazu gehören einmal die Testes. In der großen westafrikanischen Epidemie von 2013/16 waren mehrmals Fälle auf­getreten, in denen Männer, die Ebola überlebt hatten, das Virus sexuell übertragen hatten. Ein weiteres immunprivilegiertes Organ ist das Gehirn, in dessen „Außenstelle“ Auge Ebolaviren ebenfalls nachge­wiesen wurden.

Im letzten Jahr berichteten US-Forscher über einen jungen Mann, der trotz Impfung an Ebola erkrankt war, aber dank einer frühzeitigen Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper überlebte. Er erlitt 6 Monate später einen Rückfall und steckte vor seinem Tod noch 91 Personen an (New England Journal of Medicine, 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2024670).

Im Oktober 2016 war eine Krankenschwester, die sich 2014 in Sierra Leone mit dem Ebolavirus infiziert hatte, nach ihrer Genesung und Rückkehr nach Schottland ein 2. Mal an Ebola erkrankt. Die Ärzte hatten damals die Virus-RNA im Liquor nachgewiesen und eine Enzephalitis diagnostiziert (Lancet, 2016; DOI: 10.1016/S0140-6736(16)30386-5).

Diese Fälle haben US-Forscher veranlasst, die Möglichkeit einer persistierenden Infektion nach einer Antikörperbehandlung an Makaken zu untersuchen. Das Team um Xiankun Zeng von einem Forschungs­institut der US-Armee in Fort Detrick/Maryland untersuchte 36 Tiere, die in früheren Studien eine Ebola­infektion dank der Gabe von Antikörperpräparaten überlebt hatten. Im Hirngewebe von 7 Tieren (19,4 %) fanden sie Gene und Proteine des Ebolavirus, die auf eine persistierende Infektion hinwiesen. In einem Präparat waren die fadenförmigen Viren unter dem Elektronenmikroskop sichtbar.

Die Viren scheinen vor allem in den Hirnventrikeln und dort im Plexus choroideus ein Reservoir gefun­den zu haben, wo sie vor dem Angriff der Antikörper sicher waren. Die Forscher vermuten, dass die Viren in Makrophagen „versteckt“ die zahlreichen Blutgefäße infiziert hatten. Der Plexus choroideus könnte als Virusreservoir zum Ausgangspunkt eines Rezidivs werden. Tatsächlich kam es bei 2 Tieren nach 30 und 39 Tagen zu einer erneuten dieses Mal tödlichen Erkrankung.

Die Viruskonzentration im Blut blieb bei den beiden Tieren unter beziehungsweise in der Nähe der Nach­weisgrenze, so dass offen bleibt, ob die Tiere tatsächlich vor ihrem Tod ansteckend gewesen waren. Für Zeng zeigen die Ergebnisse jedoch, dass die Möglichkeit einer Übertragung von Ebolaviren durch Gene­se­ne nach einer Antikörperbehandlung ein mögliches Risiko ist, das bei der Nachsorge der Patienten bedacht werden muss. © rme/aerzteblatt.de

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