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Besseres Frühwarnsystem vor Arzneimittel­engpässen angemahnt

Montag, 14. Februar 2022

/Gina Sanders, stock.adobe.com

Berlin – Seit Anfang des Jahres ist der Wirkstoff Tamoxifen zur Behandlung von Brustkrebspatientinnen nur eingeschränkt lieferbar. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) fordert daher jetzt ein besseres Früh­warnsystem zur Abwendung von Versorgungsengpässen bei Arzneimitteln.

„Auch in der Vergangenheit waren Krebsbetroffene immer wieder mit Lieferengpässen konfrontiert, etwa bei Chemotherapeutika“, sagte Johannes Bruns, General­sekre­tär der Deutschen Krebsgesellschaft. Ein bes­seres Frühwarnsystem und entsprechende Mög­lich­keiten, ein drohendes Versorgungsdefizit rechtzei­tig abzuwenden, seien dringend erforderlich.

Dazu ist es aus Sicht der Krebsgesellschaft unter anderem nötig, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen besseren Überblick darüber erhält, wo Arzneimittelhersteller von we­nigen Zulieferern oder Stand­orten abhängig seien.

„Arzneimittel sind keine einfachen Konsumgüter, sondern besondere Güter für die medizinische Versor­gung. Wir benötigen ein System, mit dem wir vorausschauend planen und schnell reagieren können“, sagte Bruns.

Tamoxifen gehört zur Gruppe der Antiöstrogene. Der Wirkstoff blockiert die Bindung von Östrogenen an die entsprechenden Rezeptoren der Krebszellen. Das Mittel kommt vor allem bei Brustkrebspatientinnen mit einem hormonabhängig wachsenden Tumor zum Einsatz.

„Tamoxifen ist für Brustkrebsbetroffene mit einem hormonrezeptor-positiven Tumor ein fester Bestand­teil der Therapie und wird meist über Jahre eingenommen“, erklärte Jens-Uwe Blohmer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie der DKG und Direktor der Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum der Charité.

Vom Lieferengpass sei aktuell vor allem die Dosierung von 20 Milligramm betroffen. Wenn möglich könne die Dosierung durch die zweimalige Einnahme von 10-Milligramm-Tabletten ersetzt werden. In jedem Fall sollten die Patientinnen mit der behandelnden Onkologin oder dem behandelnden Onkolo­gen Rücksprache halten, so Blohmer.

„Es müssen kurzfristig alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um den Lieferengpass bei Ta­mo­xifen zu beenden und einen Versorgungsengpass zu verhindern. Die Zahl der betroffenen Patientinnen ist hoch“, heißt es in einer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie der DKG. Die Autorengruppe diskutiert darin auch Behandlungsalternativen.

Hintergrund des Engpasses bei Tamoxifen ist nach Angaben des Verbandes Pro Generika, dass Zulieferer die Produktion eingestellt hätten, weil dies für sie nicht mehr wirtschaftlich gewesen sei. Demnach liegt der Preis, den die Arzneimittelhersteller von den Krankenkassen für eine 100er-Packung Tamoxifen er­hal­ten, bei 8,80 Euro. Zu diesem Preis sei eine wirtschaftliche Produktion ohne Verluste kaum mehr mög­lich „und eine resiliente Lieferkette schon gar nicht“, sagte Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika.

Bei lebenswichtigen Arzneimitteln, für deren Produktion es lediglich eine Handvoll Unternehmen und Zulieferer gebe, müssten „Preisdrücker wie Preismoratorium, Festbeträge und Rabattverträge rechtzeitig ausgesetzt werden“, forderte er. © hil/aerzteblatt.de

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