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Ärzteschaft

Niedergelassene verzeichnen Mehrbelastung

Mittwoch, 16. Februar 2022

/fizkes, stock.adobe.com

Berlin – Die niedergelassenen Ärzte verzeichnen durch das Auftreten der SARS-CoV-2-Variante Omikron derzeit eine Mehrbelastung. Das ist ein Ergebnis einer Blitzumfrage zu den Folgen der Impfkampagne in den Arztpraxen, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat.

Demnach gaben 71 Prozent der teilnehmenden Haus- und Facharztpraxen in Deutschland eine erhöhte Arbeitsbelastung an. Unter den Hausärzten sagten das 84 Prozent, bei den Fachärzen gut die Hälfte. Als Gründe wurden insbesondere ein höherer Kommunikationsbedarf durch die COVID-19-Schutzmaßnah­men, ein gestiegenes Coronatestaufkommen sowie der krankheitsbedingte Ausfall von Praxispersonal angegeben.

Der Umfrage zufolge bieten 57 Prozent weiterhin besondere COVID-19-Impfsprechstunden an. Dieser Anteil ist zurückgegangen. 88 Prozent berichten von einer nachlassenden Nachfrage der Patienten und 28 Prozent von mangelnder Impfstoffverfügbarkeit als Ursachen für reduzierte Impfsprechstunden.

Die Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern wird von den Befragten als unverändert schlecht ange­sehen. Im Durchschnitt wurde die Schulnote Vier vergeben. Etwa 40 Prozent der Teilnehmenden haben eine Fünf oder Sechs vergeben.

Trotz der überdurchschnittlich häufigen Immunitätsnachweise erwarten die Praxen Einschränkungen für den Praxisbetrieb infolge der einrichtungsbezogenen Coronaimpflicht. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, dass Störungen im Praxisalltag oder gar Versorgungseinschränkungen für die Patienten zu erwar­­ten seien. Im hausärztlichen Bereich erwarten 17 Prozent starke Einschränkungen, bei den Fach­ärz­ten sind es 25 Prozent und im psychotherapeutischen Bereich 28 Prozent.

Mit ihrem Impfeinsatz in den Praxen selbst erfüllen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte eine wichtige gesellschaftliche Vorbildfunktion: 94 Prozent verfügen der Umfrage zufolge über einen aktu­ellen Immunitätsnachweis (95 Prozent im hausärztlichen und 93 Prozent im fachärztlichen Bereich). Bei den Psychotherapeuten beträgt die Quote 81 Prozent.

Auch bei den nicht ärztlichen Praxismitarbeitenden liegt mit fast 93 Prozent in Hausarzt- und 90 Prozent in Facharztpraxen ebenfalls überdurchschnittlich häufig ein Immunitätsnachweis vor. Beim Immunitäts­nachweis bestehen regionale Unterschiede. In Sachsen und Thüringen berichten die Befragten die nie­drigsten Quoten, in Nordrhein-Westfalen die höchsten.

„Ich kenne eine Praxis, in der der Arzt und vier seiner Mitarbeiterinnen nicht geimpft sind. Diese Praxis ginge ab dem 15. März zunächst komplett vom Netz“, sagte Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Welt. Die Patienten würden dann nicht mehr versorgt, denn es gebe keine Personalreserve. Dieses Problem würde auch in Pflegeheimen und Kranken­häusern spürbar werden.

„Die ohnehin angespannte Lage in den Arzt- und Psychotherapiepraxen spitzt sich durch die Omikron-Welle weiter bedenklich zu“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Die Arbeitsbelas­tung in den Praxen sei seit Monaten hoch, der Betriebsablauf auf Kante genäht.

Neben den enorm hohen Beanspruchungen seit der Delta-Variante und durch die Impfkampagne 2021 müssten sich die Praxen nun mit zusätzlichen Arbeitsausfällen von Praxispersonal und einer erschwer­ten Kommunikation mit Patienten sowie Gesundheitsämtern auseinandersetzen.

Viele der Befragten bekräftigen dem Zi zufolge darüber hinaus in Freitextantworten, dass eine Wert­schät­zung der Politik, insbesondere in Form eines finanziellen Bonus für die Mitarbeitenden, vermisst wird.

„Unsere Blitzumfrage zeigt zudem, dass auch in den Praxen nicht mit vollständigen Immunitätsnach­wei­sen für alle Beschäftigten zu rechnen ist“, betonte von Stillfried. Eine rigorose Umsetzung der einrich­tungs­bezogenen Impf­pflicht zum 15. März 2022 werde zu teils erheblichen Einschränkungen in den Praxisabläufen und der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung führen.

An der Umfrage haben sich datenbereinigt rund 11.200 Ärzte und Psychotherapeuten beteiligt. Die Ergebnisse der Erhebung sind nicht repräsentativ. © may/dpa/aerzteblatt.de

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