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Ärzteschaft

Stärkere Ambulantisierung angeregt

Freitag, 18. Februar 2022

/GrafKoks, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat eine stärkere Verbindung der beiden Sektoren des deutschen Gesundheitswesens angeregt.

„Das deutsche Gesundheitssystem ist in Europa relativ einmalig in Bezug auf seine komplette Trennung zwischen der ambulanten Versorgung und der stationären Versorgung in Krankenhäusern“, erklärte der Vorsitzende der DGIM, Markus M. Lerch, gestern anlässlich der Jahrespressekonferenz der DGIM.

„Die Ver­mutung, dass dies erhebliche Effizienzeinbußen im deutschen Gesundheitssystem nach sich zieht, wird durch die Tatsache gestützt, dass pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland zwei- bis dreimal so viele Ärzte tätig sind wie in vergleichbaren Ländern.“

Darüber hinaus bestehe der Anspruch, eine flächendeckende Versorgung sowohl mit niedergelassenen Praxen als auch mit vorgehaltenen Krankenhäusern sicherzustellen, was die Gesundheitspolitik trotz der hohen Zahl von 1.900 Krankenhäusern in Deutschland nicht mehr gewährleisten könne.

Alternative Lösungen, in denen ambulante integrierte Gesundheitszentren oder intersektorale Gesund­heitszentren die ambulante Leistung erbringen, aber gleichzeitig Pflegeleistungen auch ohne perma­nen­te Arztanwesenheit erbracht werden können, seien in anderen Ländern längst der Standard, scheiter­ten in Deutschland aber regelmäßig daran, dass sich die Interessenvertreter der unterschiedlichen Budgets für Praxen und Krankenhäuser nie auf eine entsprechende Beteiligung aus den jeweiligen Budgets einigen könnten.

Mehr Krankenhäuser für ambulante Leistungen zulassen

„Kommt es in den nächsten Jahren nicht zu einer Integration über die Sektorengrenze hinweg, so wird die Schere zwischen den Ansprüchen an die Versorgungssicherheit und den finanzierbaren Budgets immer größer werden“, prognostizierte Lerch.

„Die konsequente Ambulantisierung von zurzeit stationär erbrachten Leistungen erfordert zwei Änderun­gen: die Zulassung von Krankenhäusern für ambulante Eingriffe mit höheren Erstattungsbeträgen für diese Eingriffe, um die Vorhaltungen für die höheren Risiken, die höhere Komplexität und die erforder­liche Nachüberwachung sicherzustellen, und die Umwandlung nicht wirtschaftlicher Krankenhäuser in intersektorale Versorgungszentren, die diese Leistungen erbringen können, die Versorgung in der Fläche sicherstellen und für ambulant tätige Ärzte attraktive Arbeitsbedingungen schaffen.“

Der Generalsekretär der DGIM, Georg Ertl, nannte in diesem Zusammenhang die Versorgung von alten Patienten, die an einer chronischen Herzinsuffizienz leiden. In der Behandlung sei oft eine interdiszipli­näre Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen und in unterschiedlichen Einrichtungen gefragt.

„Oft tritt die chronische Herzinsuffizienz mit Folge- oder Begleiterkrankungen auf, etwa Bluthochdruck oder Diabetes mellitus“, erklärte Ertl. Von der Erstdiagnose in der Hausarztpraxis über den niedergelas­senen Kardiologen bis hin zum Herzchirurgen begegneten Patienten mit Herzinsuffizienz oft mehreren Ärzten.

Sektorentrennung verursacht gerade in ländlichen Regionen Probleme

„Ein Problem mit den Sektorengrenzen sind unter anderem die restriktiven Vorgaben zum Datenaus­tausch zwischen Arztpraxen und Krankenhäusern“, so Ertl. So könne ein niedergelassener Facharzt Be­hand­lungsdaten nicht direkt in digitaler Form an seine Kollegen im Krankenhaus schicken.

„Das kann zu Mehrfachuntersuchungen führen, die für unsere Patienten belastend sind und vermeidbare Kosten verur­sachen“, betonte Ertl. „Ein Grund dafür ist, dass ambulante Leistungen über den einheitlichen Bewer­tungs­maßstab, stationäre Leistungen jedoch über das DRG-System abgerechnet werden.“

Gerade in ländlichen Regionen mit geringer Haus- und Facharzt-Dichte bereite die strikte Trennung der Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen Probleme. „Dort könnten kleinere Kranken­häuser die Infrastruktur für ambulante Leistungen bieten, also Haus- und Facharztpraxen beherbergen, andererseits könnten sich in der Praxis tätige Ärzte an der stationären Grundversorgung beteiligen“, so Ertl.

Eine Alternative zum aktuellen Vergütungssystem könnten beispielsweise Regionalbudgets sein, aus denen die Leistungen sowohl der Niedergelassenen als auch der Krankenhäuser einer Region finanziert werden. „Um eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung überall in Deutschland zu gewährleisten, brauchen wir dringend Finanzierungsmodelle, die eine Integration ambulanter und stationärer Versor­gung ohne ökonomische Grenzen erlauben“, resümierte Ertl. © fos/aerzteblatt.de

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