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Medizin

Hunger und Sättigung beeinflussen das Körperschema

Donnerstag, 24. Februar 2022

/deagreez, stock.adobe.com

Bochum – Hunger- oder Sättigungsgefühle führen unbewusst zu angepassten Interaktionen des Körpers mit der Umgebung und haben somit einen Einfluss auf das jeweilige Körperempfinden.

Es gibt verschiedene Konzepte und Definitionen über die Körperwahrnehmung. Häufig wird zwischen dem bewussten Körperbild und dem Körperschema unterschieden.

Das Körperbild beschreibt unter andere kognitive und emotionale Beurteilungen des eigenen Körpers. Das Körperschema umfasst das sensomotorische Verhalten und ist verantwortlich für automatisch ausge­führte Bewegungen bei der unbewussten Interaktion des Körpers mit der Umgebung. Im Zusam­menspiel mit der Umwelt beeinflussen visuell-räumliche Aspekte und die eigene Wahrnehmung das Körpersche­ma.

Bisher sind Studien über die Auswirkungen von somatischen Faktoren wie Sättigung oder Hunger auf die Körperwahrnehmung rar. Daher untersuchten Wissenschaftler von der LWL-Universitätsklinik für Psy­chosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum den Einfluss des Sättigungs­grads auf das Körperschema (Scientific Reports, 2022; DOI: 10.1038/s41598-022-06331-3).

Beim Körperschema spielt allerdings das Unterbewusstsein eine entscheidende Rolle, betonen die Stu­dienautoren. Daher wurden die 32 weiblichen Studienteilnehmer unter einem anderen Vorwand zu den Versuchen eingeladen. Die Frauen mussten an 2 verschiedenen Tagen durch eine Versuchstür gehen.

Beim 1. Mal durften sie mindestens 12 Stunden lang vorher nichts gegessen haben, und beim 2. Mal mussten sie gesättigt am Versuchstag erscheinen. Um das Körperschema zu messen, wurde eine türähn­liche, veränderbare Blende verwendet und jeweils das kritische Öffnungs-zu-Schulter-Verhältnis (critical aperture-to-shoulder-ratio, cA/S) unter beiden Voraussetzungen verglichen.

Die Bochumer Forscher fanden eine signifikant höhere cA/S unter Sättigung als im Vergleich zu Hunger, was darauf hindeutet, dass die Teilnehmer unter Sättigung ihre Schultern stärker eindrehten, um die Tür zu passieren als mit Hungergefühlen und so unbewusst ihre Körpergröße als größer schätzen. Hungrig fühlten sich die Teilnehmerinnen dagegen schmaler und liefen auch bei schmaleren Türbreiten gerade­wegs hindurch. Dies deutet darauf hin, dass Sättigung oder Hunger das Körperschema modulieren kann, so das Fazit.

Die Studienautoren heben hervor, dass bereits ein mäßig bewertetes Hunger- oder Sättigungsgefühl zu angepassten Interaktionen des Körpers mit der Umgebung und folglich auch zu einer Anpassung des Körperschemas führten.

Die Daten aus dieser kleinen Kohorte deuten darauf hin, dass neben der visuell-räumlichen und der propriozeptiven Wahrnehmung auch somatische Informationen für das Körperschema relevant sein können.

„Unsere Forschungsarbeit liefert erste Ergebnisse darüber, dass Hunger und Sättigung einen aktiven Einfluss auf das Körperschema bzw. auf das unbewusste Körpergefühl haben“, so die Einschätzung des Seniorstudienautors Prof. Dr. Martin Diers von der LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum. „Dieses Ergebnis hat Auswirkung auf künftige Thera­pien von Essstörungen, bei denen neben dem Körperbild auch das Körperschema und im speziellen das individuelle Sättigungsgefühl für die Ausbildung eines gesunden Körperbewusstseins in den Blick ge­nom­men werden muss.“ © cw/aerzteblatt.de

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