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Ausland

Wildpoliofall in Afrika alarmiert WHO

Freitag, 18. Februar 2022

Ein Kind erhält einen Impfstoff gegen Polio. In Afrika hat der Binnenstaat Malawi den ersten Polioausbruch auf dem Kontinent seit mehreren Jahren gemeldet./picture alliance, XinHua, Nicholas Kajoba

Johannesburg – Der erste Wildpoliofall in Afrika seit mehreren Jahren schreckt die Gesundheitsbe­hörden im Binnenstaat Malawi auf. Entdeckt wurden die Wildpolio-Viren vom Typ 1 bei einem Kind in der Haupt­stadt Lilongwe, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO gestern am späten Abend mitteilte.

Es handle sich dabei um den ersten Wildpolioausbruch auf dem Kontinent seit 2016. Laboruntersuch­un­gen hätten ergeben, dass das Virus offenbar aus der pakistanischen Sindh-Provinz eingeschleppt wurde. „Da es sich um einen aus Pakistan eingeschleppten Fall handelt, berührt diese Entdeckung nicht Afrikas Status als Region, die frei von Wildpolio ist“, schreibt die WHO.

Afrika hatte das offizielle WHO-Statut als poliofreier Kontinent im August 2020 erhalten, nachdem min­des­tens vier Jahre lang kein derartiger Fall mehr festgestellt wurde. Die Organisation werde die ört­lichen Gesundheitsbehörden des Staates im Südosten Afrikas dabei unterstützen, dass der Fall isoliert bleibe und sich nicht verbreite, betonte die WHO.

Denn das Risiko gilt als hoch, dass diese alte Plage den durch die Coronapandemie schon geschwächten Kontinent erneut an die Grenzen seiner Kapazitäten führen könnte. „Solange Wildpolio irgendwo auf der Welt existiert, besteht für jedes Land das Risiko eines Viren-Imports“, sagte WHO-Regionaldirektorin Matshidiso Moeti.

Bis auf Afghanistan und Pakistan haben alle Länder der Welt bisher die Wildpolio-Viren besiegt. In Pakis­tan war zuletzt die Hoffnung gestiegen, Kinderlähmung auszurotten. Ende Januar hatten die Behörden bekanntgegeben, dass binnen einen Jahres kein neuer Poliofall registriert worden sei.

Der Meilenstein markierte einen großen Erfolg im Kampf Pakistans gegen die Krankheit. Im Jahr 2020 wurden 84 Fälle und im Jahr 2019 noch fast 150 verzeichnet. Die WHO hatte zuletzt die Fortschritte Pakistans begrüßt, aber davor gewarnt, dass eine vollständige Ausrottung noch dauere.

Offizielle in dem Land mit 220 Millionen Einwohnern führen die jüngsten Erfolge auf eine geänderte Impfstrategie zurück. Man habe zuletzt mehr auf Kinder in jenen Gebieten des Landes abgezielt, in denen Eltern den Impfstoff ablehnten. Von militanten Islamisten werden immer wieder unwahre Gerüchte gestreut, die Impfungen würden Kinder unfruchtbar machen. Aber auch Bewegungsbeschrän­kungen während der Coronaviruspandemie und eine bessere Hygiene hätten zu den Erfolgen beige­tragen.

In Afghanistan wurde in diesem Jahr laut Global Polio Eradication Initiative bisher ein Poliofall mit dem Wildtyp registriert. 2021 waren es vier, und somit laut Unicef die niedrigste je registrierte Zahl an Polio­fällen in dem Land. Zuletzt konnten in Afghanistan auch wieder mehr Polioimpfungen durchgeführt werden, da Impfteams nun auch in früher unzugänglichen Gebieten tätig sein können.

Vor dem Fall der Regierung und der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban im Sommer 2021 hatten die Taliban aus Sorge, die Impfhelfer spionierten für die Regierung oder den Westen, diese nicht in die von ihnen kontrollierte Gebiete gelassen. Mit den landesweiten Impfkampagnen im Novem­ber und Dezember sind laut Unicef 2,6 Millionen Kinder erstmals seit drei Jahren gegen Polio geimpft worden.

In Afrika war der letzte Wildpoliofall laut WHO 2016 in Nigeria registriert worden. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch in Afrika vereinzelte Fälle einer abgeschwächten Form des Polios, des soge­nannten Impfpolios. Denn die Polioimpfung selbst kann in Einzelfällen eine sogenannte Impfpolio­myelitis auslösen.

Im ostafrikanischen Land Uganda etwa wurden im vergangenen August in Proben aus zwei Kläranlagen der Hauptstadt Kampala solche Viren nachgewiesen. Es habe genetische Übereinstimmungen mit einem bereits im Sudan aufgetretenen Virus gegegeben, berichteten die örtlichen Behörden. © dpa/aerzteblatt.de

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