NewsMedizinStudie: mRNA könnte Knochenheilung beschleunigen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: mRNA könnte Knochenheilung beschleunigen

Freitag, 18. Februar 2022

/bluebackimage, stock.adobe.com

Maastricht – Die Einsatzgebiete von mRNA-Molekülen gehen weit über Impfungen hinaus. Forscher zeigen in Science Advances (2022; DOI: 10.1126/sciadv.abl6242), wie mit speziellen mRNA-Medika­menten Knochenverletzungen geheilt werden könnten.

Die Boten-RNA (mRNA) bestimmt, welche Proteine in einer Zelle gebildet werden. Medikamente, die synthetische mRNA-Moleküle in die Zelle transportieren, können den Zellstoffwechsel deshalb neu ausrichten. Bei den mRNA-Impfstoffen werden die Zellen dazu gebracht, bestimmte Virusproteine zu bilden, die das Immunsystem zu einer Abwehrreaktion veranlassen. Die gleiche Technik kann jedoch auch genutzt werden, um Zellen zur Bildung von Proteinen zu veranlassen, die eine therapeutische Wirkung haben.

Ein Team um Elizabeth Balmayor von der Universität Maastricht hat untersucht, ob Knochenzellen durch mRNA zur Bildung des Wachstumsfaktors BMP2 („bone morphogenetic protein 2“) bewegt werden kön­nen. Vor einigen Jahren wurden mit rhBMP-2 und rhBMP-7 bereits Arzneimittel eingeführt, die rekom­binante Versionen des Proteins enthalten. Die Wirksamkeit hat jedoch nicht alle Experten über­zeugt und rhBMP-7 wurde bereits wieder vom Markt genommen.

Ein Problem besteht aus Sicht von Balmayor darin, dass große Mengen des Proteins benötigt werden, um einen Effekt zu erzielen, was bei gentechnisch hergestellten Medikamenten mit hohen Kosten verbun­den ist. Die Herstellung von mRNA ist vergleichsweise kostengünstig, auch weil die körpereigenen Zellen die Herstellung übernehmen. Außerdem erfolgt die Produktion dort, wo dies auch natürlicher­weise geschieht.

Der Nachteil der mRNA-Moleküle besteht darin, dass sie im Körper relativ rasch von Enzymen abgebaut werden. Um sie für die Heilung von Knochenläsionen zu verwenden, mussten die Forscher sie chemisch modifizieren („cm“), damit sie vor der Zersetzung durch die Enzyme geschützt waren.

In einer präklinischen Studie wurden die cmRNA bei Ratten eingesetzt, bei denen die Forscher einen Teil des Oberschenkelknochens entfernt hatten. Der Defekt wurde mit einem Schwamm gefüllt, der mit cmRNA getränkt war.

In derselben Weise werden Knochendefekte auch mit rhBMP-2 und rhBMP-7 behandelt. Die Forscher können zeigen, dass die cmRNA von den Knochenzellen aufgenommen wird. Die Zellen begannen mit der Produktion von BMP-2. Bereits nach 4 Wochen hatte sich eine stabile Knochenbrücke gebildet. Die Knochenbildung erfolgte laut Balmayor direkt und nicht wie bei den rekombinanten Proteinen über eine Kallusbildung. Dies könnte zu einer schnelleren Heilung des Knochens führen, der dann früher belastbar wäre.

Ob die Behandlung auch beim Menschen wirksam wäre, müsste noch in klinischen Studien gezeigt werden. Zunächst dürften weitere tierexperimentelle Studien notwendig werden. Eine wichtige Frage ist die Sicherheit, da die cmRNA am falschen Ort ein Tumorwachstum auslösen könnte. BMP-2 kann das Krebswachstum fördern.

Die Forscher fanden zwar keine Hinweise, dass die cmRNA außerhalb des Knochens von Zellen aufge­nommen wird. Die Frage dürfte aber nicht abschließend geklärt sein. Die Studie zeigt, dass mRNA-Therapeutika Ärzten in Zukunft auch außerhalb von Impfstoffen begegnen könnten. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER