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Ärzteschaft

Zunehmende Bedeutung von JAK-Inhibitoren in der Dermatologie

Freitag, 18. Februar 2022

/shurkin_son, stock.adobe.com

Berlin – JAK-Inhibitoren zeigen auch bei Vitiligo und Alopecia areata einen therapeutisch bedeutsamen Nutzen. Das hat Michael Hertl, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Uni­ver­sitätskli­ni­kum Marburg/UKGM und Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), zur Eröffnung der virtuellen Tagung „Dermatologie Kompakt & Praxisnah“ betont.

Neben erfolgreich eingeführten antikörperbasierten Biologikatherapien (komplexe Struktur mit einer hohen Molekülmasse, „big molecules“), haben sich in den vergangenen Jahren JAK-Inhibitoren als soge­nannte „small molecules“ ebenfalls in der Dermatologie etabliert.

JAK-Inhibitoren (Januskinaseninhibitoren) hemmen STAT-Proteine und unterbrechen so deren und die Signalkaskade. „Der JAK-STAT-Signalweg ist ein wesentlicher Schlüssel bei der Behandlung immunolo­gischer und chronisch-entzündlichen Erkrankungen“, erklärte Hertl. JAK-Inhibitoren hemmen mehrere Signalwege und somit mehrere entzündungsfördernde Zytokine zugleich.

Eine zielgerichtete Therapie unter JAK-Inhibition greift genau dort in die Entzündungskaskade ein, die im Wesentlichen zur Symptomlast beiträgt, beispielsweise auch bei Hauterkrankungen mit starkem Juckreiz, betonte Hertl.

JAK-Inhibitoren sind bereits etablierte Optionen bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis und mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD). Derzeit sind mehrere Substanzen aus dieser Klasse als System­therapien verfügbar und es werden noch mehr hinzukommen. „Aussichtsreich ist diese Substanzklasse aber auch bei anderen entzündlichen Hautkrankheiten wie beispielsweise bei Alopecia areata und Viti­ligo,“ nannte Hertl.

In der Forschungspipeline zu Vitiligo wird derzeit eine topische Formulierung (Phase-2, DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30609-7) untersucht. Bei der Behandlung der autoimmun verursachten Vitiligo (n=157) verbesserte eine JAK 1/2-Hemmercreme bei circa 50 Prozent der Patienten gegenüber drei Pro­zent bei Placebo die erkrankte Gesichtshaut.Die Behandlung über 52 Wochen mit der Creme war mit einer erheblichen Repigmentierung von Vitiligoläsionen verbunden.

„Das sind vielversprechende Ergebnisse, die nahelegen, dass diese Creme eine wirksame Therapieoption für Patientinnen und Patienten mit Vitiligo sein könnte“, schlussfolgerte Hertl. Die Zulassung wird voraus­sichtlich im nächsten Jahr erwartet, so die Einschätzung von Hertl.

In einer Phase-2a-Studie (DOI: 10.1016/j.jaad.2021.03.050) zur Wirksamkeit von JAK-Hemmern Patienten mit Alopecia areata (n=142, mind. 50 prozentiger Haarausfall) war eine Behandlung über 24 Wochen effek­tiv und gut verträglich: Im Vergleich zur Placebogruppe hatten die Teilnehmenden der Verumgruppe einen Haarausfall von 20 Prozent oder weniger.

Zu den Nebenwirkungen unter JAK-Hemmer wurden unter anderem Infektionen der Atemwege, Harn­wegs­infektionen, Magendarmbeschwerden und Akne beobachtet.

„Wenn eine Infektion akut ist, soll die Therapie mit JAK-Inhibitoren natürlich pausiert werden“, so der Rat von Hertl. Das sei aber durch die orale Applikation und kurze Halbwertzeit der Medikamente sehr gut möglich, ergänzte der DDG-Präsident. © cw/aerzteblatt.de

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