NewsMedizinStudien: Fleischarme Diät senkt Krebsrisiko, vor Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen schützt nur Rohkost
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studien: Fleischarme Diät senkt Krebsrisiko, vor Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen schützt nur Rohkost

Montag, 14. März 2022

/Alesia Berlezova, stock.adobe.com

Oxford – Vegetarier und Pesco-Vegetarier erkranken seltener an Krebs. Dies kam in einer Auswertung der UK Biobank-Studie in BMC Medicine (2022; DOI: 10.1186/s12916-022-02256-w) heraus. Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich einer weiteren Analyse in den Frontiers in Nutrition (2022; DOI: 10.3389/fnut.2022.831470) zufolge nur senken, wenn das Gemüse roh verzehrt wird.

Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Todesursachen. Viele Erkrankungen lassen sich durch eine gesunde Lebensweise vermeiden. Bekannte Beispiele sind der Verzicht auf das Rauchen, der nicht nur vor Lungenkrebs schützt, oder die Vermeidung einer Adipositas, die kardiometabolischen Erkrankungen vorbeugen kann. Die Zusammenhänge sind in beiden Fällen gut belegt.

Der Einfluss der Ernährung auf das Erkrankungsrisiko lässt sich dagegen nur schwer beurteilen, da es eine große Vielfalt an Nahrungsmitteln gibt und die Ernährung häufig Teil eines bestimmten Lebensstils ist, der auch andere modifizierbare Risikofaktoren beeinflusst. So sind Vegetarier häufig schlanker als Fleischesser und sie sind möglicherweise auch in anderen Bereichen gesundheitsbewusster.

Die Ergebnisse aus prospektiven Beobachtungsstudien, die Patienten über eine längere Zeit begleiten, sind deshalb mit Vorsicht zu beurteilen, zumal der Einfluss der Ernährung, der in früheren Studien gefunden wurde, eher gering war.

Epidemiologen greifen derzeit gerne auf die UK Biobank-Studie zurück, an der zwischen 2006 und 2010 mehr als eine halbe Million Briten teilgenommen hatten. Die Forscher können die damaligen Angaben zur Ernährung mit späteren Krankheiten in Beziehung setzen, die in den elektronischen Krankenakten des National Health Service dokumentiert werden. Die große Teilnehmerzahl ermöglicht detaillierte Analysen.

Forscher der Universität Oxford haben in 2 Studien den Einfluss eines Fleischverzichts auf die beiden Krankheitskomplexe untersucht. Cody Watling und Mitarbeiter haben die Daten von 472.377 Teilneh­mern ausgewertet, von denen in einer Nachbeobachtungszeit von 11,4 Jahren 54.961 neu an Krebs erkrankt sind, darunter waren 5.882 kolorektale Karzinome, 7.537 postmenopausale Mammakarzinome und 9.501 Prostatakarzinome.

Im Vergleich zu normalen Fleischessern erkrankten Teilnehmer, die angegeben hatten, pro Woche weni­ger als 5 Portionen rotes Fleisch oder Geflügel zu verzehren, zu 2 % seltener an Krebs. Pesco-Vegetarier waren zu 10 % seltener und Vegetarier sogar zu 14 % seltener an Krebs erkrankt. Das bedeutet, dass auf 1.000 Vegetarier im Zeitraum von 10 Jahren 13 weniger Krebserkrankungen kamen. Dies war ein kleiner aber signifikanter Vorteil.

An einem postmenopausalen Mammakarzinom erkrankten Vegetarier sogar zu 18 % seltener als normale Fleischesser. Zusätzliche Analysen zeigten jedoch, dass der größte Teil dieser Risikominderung darauf zurückzuführen war, dass Vegetarier im Vergleich zu normalen Fleischessern einen niedrigeren Body-Mass-Index haben.

Das Prostatakarzinom trat sowohl bei Vegetariern (minus 31 %) als auch bei Pesco-Vegetariern (minus 20 %) seltener auf als bei normalen Fleischessern. Dies entspricht 11 beziehungsweise 7 Diagnosen weni­ger pro 1.000 Personen über 10 Jahre im Vergleich zu normalen Fleischessern.

An einem Darmkrebs erkrankten Männer, die seltener Fleisch aßen, zu 11 % seltener. Für Pesco-Vegeta­rier ermittelt Watling einen Rückgang um 31 % und für Vegetarier um 43 %. Für Frauen wurde dagegen keine signifikante protektive Assoziation gefunden.

Die geringe Zahl von Krebserkrankungen lässt sich nach einer Analyse nicht auf Unterschiede beim Tes­tos­teron und beim insulinähnlichen Wachstumsfaktor-1 (IGF-1) zurückführen, zwei Hormonen, die mit Krebs in Verbindung gebracht werden. Vegetarier haben der Studie zufolge häufiger eine niedrige IGF-1-Konzentration im Blut.

Beim Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte es nach einer Analyse von Qi Feng vom Nuffield Department of Population Health in Oxford darauf ankommen, ob das Gemüse roh oder in einem gekochten Zustand verzehrt wird. Der Epidemiologe wertete die Daten von 399.586 Teilnehmern aus, die zu Beginn der Studie noch ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren. In den folgenden 12 Jahren erlitten 18.052 einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, an dem 4.406 starben.

Die Teilnehmer mit dem häufigsten Verzehr von Rohgemüse erkrankten zu 12 % seltener an einem Herz­infarkt und zu 8 % seltener an einem Schlaganfall, wobei die Assoziation mit dem Schlaganfall nicht signi­fikant war. Das Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen war um 15 % und das Gesamtsterbe­risiko um 18 % vermindert.

Für den Verzehr von gekochtem Gemüse fand Feng keine signifikante Assoziation. In der Analyse zeigte sich allerdings, dass ein Großteil der Assoziation (zu 82 % bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu 87 % beim Sterberisiko) auf andere Unterschiede zurückzuführen waren, so dass die Ergebnisse auch aus Sicht von Feng nicht schlüssig sind und weitere Untersuchungen erforderlich seien.

Eine Schwäche der UK Biobank-Studie wie auch vieler anderer prospektiver Beobachtungsstudien ist, dass die Ernährungsgewohnheiten nur ein einziges Mal erfragt wurden. Die Forscher müssen sich dabei auf die Angaben der Befragten verlassen. Da es in Großbritannien nur wenige Vegetarier gibt, sind die 95-%-Konfidenzintervalle sehr weit und die ermittelten Hazard Ratios nicht immer signifikant. Am Ende bleibt immer möglich, dass nicht berücksichtigte Begleitfaktoren des Lebensstils außer dem Essen das verminderte Risiko erklären. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER