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Medizin

Bronchiolitis: Behandlung mit Azithromycin kann spätere Asthmaerkrankung nicht verhindern

Dienstag, 1. März 2022

/H_Ko, stock.adobe.com

St.Louis/Missouri – Eine Behandlung mit dem Makrolidantibiotikum Azithromycin, das aufgrund seiner antientzündlichen Wirkung die Lungenfunktion von Patienten mit zystischer Fibrose verbessern kann, hat in einer randomisierten Studie Kleinkinder nach einer schweren Bronchiolitis nicht vor späteren Wheezingattacken geschützt. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Academy of Allergy, Asthma & Immunology vorgestellt und in NEJM Evidence (2022; DOI: 10.1056/EVIDoa2100069) publiziert.

Praktisch alle Kinder machen in den ersten Lebensjahren eine Infektion mit dem respiratorischen Synzytial (RS)-Virus durch. Bei den meisten verlaufen die Atemwegserkrankungen ohne Komplikationen. Einige Kinder müssen jedoch wegen einer schweren Bronchiolitis im Krankenhaus behandelt werden. Frühere Studien hatten gezeigt, dass drei Viertel dieser Kinder später mehrere Episoden von asthmaar­tigen Wheezingattacken erleiden und die Hälfte bis zum Alter von 7 Jahren an Asthma erkrankt.

Mediziner vermuten, dass die schwere Infektion mit dem RS-Virus eine chronische Entzündungsreaktion in der Schleimhaut triggert. Ein Hinweis sind erhöhte Konzentrationen von Interleukin 8 auf den Schleimhäuten. Alle Versuche, die Kinder durch eine präventive Behandlung mit inhalativen oder auch systemischen Glukokortikoiden oder durch Montelukast vor späteren Wheezing- und Asthmaanfällen zu schützen, sind gescheitert.

Mediziner des St. Louis Children’s Hospital in St.Louis/Missouri haben in den letzten Jahren eine andere Strategie versucht, die sich bei Kindern mit zystischer Fibrose bewährt hat. Auch dort kommt es zu einer chronischen Entzündungsreaktion in den Atemwegen, die sich durch eine Langzeitbehandlung mit dem Antibiotikum Azithromycin abschwächen lässt. Azithromycin hat bei der zystischen Fibrose den zusätz­lichen Vorteil, dass es die Patienten vor Infektionen schützt, zu denen es aufgrund des verminderten Abtransports der Schleimhautsekrete kommt. Diese Gefahr besteht nach einer Bronchiolitis nicht.

In einer randomisierten Studie wurden am St. Louis Children’s Hospital 200 ansonsten gesunde Kinder im Anschluss an eine schwere durch das RS-Virus ausgelöste Bronchiolitis über 14 Tage mit Azithromycin oder Placebo behandelt. Die Behandlung wurde in der ersten Woche mit einer Dosis von 10 mg/kg Körpergewicht begonnen, die in der zweiten Woche auf die Hälfte reduziert wurde.

Wie Avraham Beigelman und Mitarbeiter berichten, kam es zu dem erwarteten Rückgang der Entzün­dungs­reaktion in den Atemwegen. Die Interleukin 8-Konzentration im Nasensekret sank auf 64,9 pg/nl gegenüber 225,1 pg/nl in der Placebogruppe.

Die erhoffte Langzeitwirkung blieb allerdings aus. In der Azithromycin-Gruppe erlitten in den folgenden 2 bis 4 Jahren 47 % der Kinder mindestens 3 Wheezingattacken, was auf ein hohes Asthmarisiko hinweist. In der Placebogruppe erreichten nur 36 % der Kinder diesen primären Endpunkt der Studie. Die Behandlung mit dem Antibiotikum könnte demnach mehr Schaden angerichtet haben als sie genutzt hat. Beigelman ermittelt eine Hazard Ratio von 1,45, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,92 bis 2,29 das Signifikanzniveau allerdings verfehlte.

Viele Kinder hatten – wohl zur Behandlung der in diesem Alter häufigen Atemwegsinfektionen – neben Azithromycin noch andere Antibiotika erhalten. Wurde die Analyse auf Kinder beschränkt, die nur mit Azithromycin behandelt wurden, stieg die Hazard Ratio auf 1,79 und war jetzt mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,03 bis 3,10 signifikant.

Die eher schädliche Wirkung von Azithromycin mit einem Anstieg des Asthmarisikos könnte nach Ansicht von Beigelman auf einer Störung des Darmmikrobioms beruhen. Der Forscher verweist auf Tierversuche, in denen eine längerfristige Antibiotikabehandlung oder eine keimfreie Aufzucht (die die Entwicklung einer gesunden Darmflora verhindert) das spätere Asthmarisiko der Tiere erhöht hat. © rme/aerzteblatt.de

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