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Medizin

Mammografie: Neue Modellberechnung kommt zu weniger Überdiagnosen

Freitag, 18. März 2022

/Evgeniy Kalinovskiy, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – Etwa jeder 7. Brustkrebs, der bei einer Mammografie entdeckt wird, würde unbehandelt nicht zum Tod der Frau führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in den Annals of Internal Medicine (2022; DOI: 10.7326/M21-3577), die auf den Daten des US-amerikanischen „Breast Cancer Surveillance Consortium“ beruht.

Es gilt als erwiesen, dass nicht jeder Krebs, der bei der Mammografie entdeckt wird, unbehandelt zum Tod führen würde. Zum einen gibt es Tumore, die sich spontan zurückbilden (oder von der körperei­genen Immunabwehr beseitigt werden), zum anderen besteht die Möglichkeit, dass einige Frauen während der „sojourn time“ vor dem Auftreten der ersten Krebssymptome aus anderen Gründen sterben.

Wie hoch der Anteil der Überdiagnosen ist, lässt sich nur schwer ermitteln. Es gibt grundsätzlich 2 Methoden. Die Exzess-Inzidenz-Methode vergleicht empirisch die Häufigkeit von Brustkrebserkran­kungen bei gescreenten und nicht-gescreenten Frauen. Sie kommt in der Regel zu einem höheren Anteil von Überdiagnosen als die Lead-Time-Methoden, die mit mathematischen Mitteln versuchen, den natürlichen Verlauf der Erkrankung abzubilden und daraus den Anteil der Überdiagnosen zu berechnen.

Diese Berechnungen stehen und fallen mit der Qualität der zugrunde liegenden Daten. Das „Breast Cancer Surveillance Consortium“, zu dem sich 8 US-Mammografie-Register zusammengeschlossen haben, gilt als hochwertig, weil sich das weitere Schicksal der Frauen mit dem Krebsregister SEER abgleichen lässt.

Ein Team um Marc Ryser von der Duke University in Durham/North Carolina hat die Daten von 35.986 Frauen ausgewertet, die an 82.677 Mammografien teilnahmen und von denen 718 an einem Mamma­kar­zinom erkrankt sind. Die Forscher verglichen die Sterberate mit einer anderen Kohorte von Frauen des Geburtsjahrgangs 1971.

Ergebnis: Bei einem alle 2 Jahre durchgeführten Screeningprogramm im Alter von 50 bis 74 Jahren würden nach den Berechnungen schätzungsweise 15,4 % aller im Screening entdeckten Krebsfälle überdiagnostiziert, wobei das 95-%-Unsicherheitsintervall von 9,4 % bis 26,5 % reicht. Von den überdiagnostizierten Tumoren würden 6,1 % (0,2 % bis 20,1 %) auf indolente Tumore entfallen, die niemals zu einer symptomatischen Krebserkrankung führen würden. Bei den übrigen 9,3 % (5,5 % bis 13,5 %) der Tumore würden die Frauen vor der klinischen Diagnose an einer nicht verwandten Ursache sterben.

Ein Nachteil der Lead-Time-Methoden ist, dass die Berechnungen für Außenstehende nur schwer nach­vollziehbar sind. Das Ergebnis fällt aber in etwa in die Mitte früherer Schätzungen. Bei einer Häufigkeit von etwa 7 von 1.000 Frauen, bei denen bei einer Mammografie ein Tumor entdeckt wird, müsste bei einem Anteil der Überdiagnosen von 1/7 etwa 1 von 1.000 Frauen damit rechnen, dass bei ihr ein Tumor entdeckt wird, der eigentlich nicht entfernt werden müsste (was sich aber vor der Operation nicht beurteilen ließe).

Die Angst vor einer Überdiagnose sollte deshalb nach Ansicht der Editorialistin Katrina Armstrong vom Massachusetts General Hospital in Boston keine Frau davon abhalten, an der Mammografie teilzuneh­men.

In den USA werden etwa 60 % der 280.000 Brustkrebserkrankungen durch eine Mammografie entdeckt. Wenn die Berechnungen von Ryser zutreffen, könnte es jährlich zu 25.000 Überdiagnosen kommen, die die Frauen durch Komplikationen belasten und mit nicht unerheblichen Kosten für das Gesundheitswesen verbunden sind. © rme/aerzteblatt.de

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