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Vermischtes

Gängige Händedesinfektions­mittel inaktiveren Hepatitis-E-Virus oft nicht

Donnerstag, 3. März 2022

/picture alliance, Eibner-Pressefoto

Bochum/Hannover – Viele Händedesinfektionsmittel können das Hepatitis-E-Virus nicht vollständig inaktivieren. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Twincore, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im Journal of Hepatology (DOI:10.1016/j.jhep.2022.01.006).

Das Hepatitis-E-Virus kann eine schwerwiegende Leberentzündung hervorrufen und ist weltweit die häufigste Ursache einer akuten virusvermittelten Hepatitis. In Deutschland und Europa hat das Virus sein natürliches Reservoir in Schweinen. Von den Tieren kann die Infektion auf den Menschen übergehen. In tropischen Regionen der Welt kommt es über verunreinigtes Wasser zu Infektionen mit teils größeren Ausbrüchen.

„Manche dieser Ansteckungen ließen sich durch die richtigen Hygienemaßnahmen möglicherweise verhindern“, erläutert Patrick Behrendt, Arzt in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH und Leiter der Nachwuchsforschergruppe „Translationale Virologie“ am Twincore. Er ist gemeinsam mit Martina Friesland Erstautor der Studie. Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe um Eike Steinmann, Leiter der Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie an der RUB, haben sie untersucht, ob gängige Händedesinfektionsmittel das Virus unschädlich machen können.

Normalerweise kommt das Virus unbehüllt vor und ist wie alle unbehüllten Viren sehr widerstandsfähig gegen chemische Einflüsse. Im Blut von Patienten zirkulieren allerdings auch solche Viruspartikel, die von einer Lipidhülle umgeben sind. Die Wissenschaftler verwendeten bei den Prüfungen beide Formen des Virus.

„Wir haben die Wirkung der Alkohole Ethanol und Propanol, sowohl einzeln als auch in den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Mischverhältnissen und außerdem kommerzielle Händedesinfektionsmittel getestet“, erläutert Steinmann.

Obwohl einige der geprüften Desinfektionsmittel für die Inaktivierung von behüllten und unbehüllten Viren zertifiziert waren, waren sie gegen das Hepatitis-E-Virus nicht ausreichend wirksam. „Die alkoholischen Komponenten lösen zwar die Lipidhülle auf, aber die entstehenden nackten Viren sind immer noch infektiös“, erläutert Behrendt. Wirksam war hingegen ein Produkt, das neben Alkohol auch Phosphorsäure enthält.

„Wir konnten zeigen, dass das Hepatitis-E-Virus den meisten gängigen Händedesinfektionsmitteln widerstehen kann. Wir hoffen, dass diese Erkenntnisse zukünftig in Betracht gezogen werden, wenn Hygienemaßnahmen im Umgang mit kontaminierten Fleischprodukten und Virus-Ausbrüchen empfohlen werden“, sagte Behrendt. © hil/aerzteblatt.de

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