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Medizin

USA: Niedrigere Überlebens­chancen bei Patienten mit Herz-Kreis­lauf-Stillstand und COVID-19

Freitag, 4. März 2022

/deepagopi2011, stock.adobe.com

Iowa City – Patienten, die 2020 in einem US-Krankenhaus einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten und an COVID-19 erkrankt waren, hatten niedrigere Überlebenschancen und wurden oft später defibrilliert als Patienten, die ebenfalls eine Asystolie, aber keine Coronainfektion hatten. Darauf weist ein Research Letter in JAMA Network Open hin (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.0752).

Schon früh in der Coronapandemie seien geringe Überlebensraten von unter 3% bei Patienten mit COVID-19, die im Krankenhaus einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten, berichtet worden, schreiben die Autoren um Saket Girotra von der Division of Cardiovascular Medicine am University of Iowa Carver College of Medicine in Iowa City.

Diese Daten führten zu einer Diskussion darüber, ob Patienten mit COVID-19 generell nicht reanimiert werden sollten. „Aber diese Ergebnisse stammten aus kleinen Krankenhäusern, die zu Beginn der Pande­mie überwältigt waren“, so die Autoren.

Girotra und seine Kollegen untersuchten in einer Registerstudie die Outcomes von 24.915 Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand aus 286 US-Krankenhäusern. Die Patienten waren im Schnitt 64,7 Jahre alt, 39,5% von ihnen waren Frauen. Bei 5.916 Patienten (23,7%) bestand der Verdacht auf oder eine bestä­tigte Infektion mit SARS-CoV-2.

Patienten mit COVID-19 seien jünger gewesen, außerdem häufiger männlich und schwarz, heißt es in dem Bericht. Sie hatten außerdem häufiger einen initial nicht-schockbaren Rhythmus, eine Pneumonie, eine Lungeninsuffizienz oder eine Sepsis aufgewiesen und waren zum Zeitpunkt des Herz-Kreislauf-Stillstands mechanisch beatmet oder mit Vasopressoren behandelt worden.

Schlechtere Überlebenschancen bestätigt

Auch in dieser großen Registerstudie waren die Überlebenschancen mit COVID-19 schlechter als ohne die Infektion: Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand überlebten von den Patienten ohne COVID-19-Infektion 23,5% bis zur Entlassung, während es bei den Patienten mit COVID-19-Infektion nur 11,9% waren (aRR 0,65 [95-%-KI 0,60-0,71]; p<0,001).

Bei Patienten mit COVID-19 kam es außerdem seltener zu einer Rückkehr zu einem Spontankreislauf als bei Patienten ohne COVID-19 (53,7 vs. 63,6%; aRR 0,86 [95-%-KI 0,83-0,90]; p<0,001).

Was in der Studie ebenfalls zu beobachten war: Bei COVID-19-Patienten kam es mit höherer Wahrschein­lichkeit zu einer verzögerten Defibrillation (27,7 vs. 36,6%; RR 1,30 [95-%-KI 1,09-1,55]; p=0,003), während sich bei der Behandlung mit Adrenalin keine Unterschiede zeigten.

In dieser Registerstudie hatte etwa 1 von 4 Patienten in 2020 eine vermutete oder bestätigte SARS-CoV-2-Infektion. „Diese Beobachtung unterstreicht den erheblichen Effekt, den die Pandemie auf die Reanimation im Krankenhaus hat“, schreiben die Autoren.

Subgruppen bestätigen negative Assoziation

Selbst nach Berücksichtigung wesentlicher Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne COVID-19 sei die Erkrankung mit einer um ein Drittel niedrigeren Überlebensrate assoziiert gewesen. Hinzu kam eine um 30% höhere Rate an Verzögerungen bei der Defibrillation bei schockbarem Herz-Kreislauf-Stillstand.

Allerdings bestand die Assoziation zwischen COVID-19 und schlechterem Überleben gleichermaßen bei Patienten mit neurochirurgischen Diagnosen, Intensivpatienten und Patienten, die frühzeitig defibrilliert und mit Adrenalin behandelt wurden.

COVID-19 kein Kriterium für Reanimationsverzicht

Die Verzögerungen bei der Reanimation, speziell der Defibrillation, könnten somit zwar zu der niedri­geren Überlebensrate beigetragen haben. Doch die negative Assoziation mit COVID-19 war über Subgruppen hinweg konsistent und umfasste auch Patienten mit zeitnaher Defibrillation und Adrena­linbehandlung.

Die Autoren um Girotra betonen: „Die Überlebenschancen nach Herz-Kreislauf-Stillstand bei Patienten mit COVID-19 waren in unserer Studie nicht so gering wie in früheren Studien. Wir sind deshalb über­zeugt davon, dass die COVID-19-Erkrankung alleine nicht als Kriterium dafür herangezogen werden sollte, hospitalisierte Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand nicht zu reanimieren.“ © nec/aerzteblatt.de

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