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Medizin

Multimorbidität: Adipositas erhöht Risiko auf 21 Erkrankungen

Montag, 28. März 2022

/Kurhan, stock.adobe.com

Helsinki – Adipöse Menschen haben im Alter ein erhöhtes Risiko auf eine Vielzahl von Erkrankungen, wobei nach der Analyse aus 3 Langzeitstudien in Lancet Diabetes & Endocrinology (2022; DOI: 10.1016/ S2213-8587(22)00033-X) häufig mehrere Krankheiten gleichzeitig auftreten.

Dass eine Adipositas die Morbidität und Mortalität im Alter erhöht, ist bekannt. Die weltweit etwa 650 Millionen Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher verlieren 3 bis 8 krankheits­freie Lebensjahre. Das Risiko auf einen vorzeitigen Tod ist um etwa 30 % erhöht.

Mika Kivimäki vom University College London und Mitarbeiter können jetzt zeigen, dass es bei vielen adipösen Menschen nicht bei einer einzelnen Erkrankung bleibt. Die Forscher haben zunächst die Daten von 2 finnischen Langzeitstudien („Health and Social Support Study“ und „Finnish Public Sector Study“) ausgewertet, in denen zwischen 1998 und 2013 insgesamt 114.657 Erwachsene im Alter von 16 bis 78 Jahren befragt wurden.

Der BMI wurde dann mit den späteren Erkrankungen in Beziehung gesetzt, die im nationalen Klinikre­gister erfasst wurden. Die Ergebnisse wurden später an der UK Biobank-Studie überprüft, an der zwischen 2006 und 2010 eine halbe Million Briten teilnahmen. Auch hier zeigte sich, dass übergewich­tige und vor allem adipöse Menschen später häufiger an mehreren chronischen Krankheiten litten.

Am deutlichsten wurde dies in den finnischen Studien. Im Alter von 75 Jahren litten 53,3 % der adipösen Erwachsenen an mindestens 2 Erkrankungen, die mit einer Adipositas in Verbindung gebracht werden. Bei den normalgewichtigen Finnen waren es nur 8,3 %. Bei 8,3 % der adipösen Menschen, aber nur 1,0 % der Normalgewichtigen lagen 4 oder mehr Krankheiten vor.

Kivimäki ermittelt eine Hazard Ratio von 5,17 für die einfache Multimorbidität (2 Krankheiten) und von 12,39 für die komplexe Multimorbidität (4 oder mehr Krankheiten). Die attributablen Risiken („population attributable fractions“, PAF) betrugen 34,4 % und 55,2 %. Dies bedeutet, dass 1/3 aller einfachen und mehr als die Hälfte aller komplexen Multimorbiditäten vermieden werden könnten, wenn alle Erwachsenen ein normales Körpergewicht hätten. Diese Zahlen beziehen sich auf die finnische Bevölkerung, wo 18,5 % der Erwachsenen adipös sind.

Ein Übergewicht (BMI 25-30) war ebenfalls mit einem erhöhten Risiko auf eine Multimorbidität verbunden. Die Hazard Ratio (2,67 auf eine komplexe Multimorbidität) war jedoch geringer. Die PAF betrug 13,3 %.

Insgesamt konnte Kivimäki ein erhöhtes Risiko auf 21 Krankheiten nachweisen. Die höchsten Hazard Ratios (HR) wurden für den Typ-2-Diabetes gefunden, der bei Adipösen 12,14-fach häufiger auftritt. Es folgten Schlafstörungen (HR 6,27), Schwangerschaftsdiabetes (HR 4,82), Gicht (HR 4,31), Herzinsuffizienz (HR 4,17), Bluthochdruck (HR 3,20), chronisches Nierenversagen (HR 2,95), Lungenembolie (HR 2,86), Arthrosen (HR 2,71), tiefe Venenthrombose (HR 2,43), bakterielle Infektionen (HR 2,16) und Hautinfektionen/Ekzeme (2,03), um nur die Krankheiten zu nennen, die mindestens doppelt so häufig bei adipösen Menschen auftraten wie bei Normalgewichtigen. Bei Krebserkrankungen wurde nur bei Nierenkrebs eine signifikante Hazard Ratio (1,57) gefunden.

Die Analyse der „UK Biobank“-Studie bestätigte die Ergebnisse, auch wenn die Hazard Ratios dort deutlich geringer waren – mit der Ausnahme von Krebserkrankungen. Kivimäki ermittelte auch hier für Darmkrebs (HR 1,26), Brustkrebs (HR 1,19) und Leukämien/Lymphome (HR 1,11) ein erhöhtes Risiko. © rme/aerzteblatt.de

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