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Medizin

Milchprodukte könnten Multiple-Skle­rose-Symptome verstärken

Freitag, 1. April 2022

Bei gesunden Mäusen schmiegt sich das isolierende Myelin (schwarz) als kompakte Schicht eng um die Nervenfasern, die Axone./AG Prof. Kürten, Uni Bonn

Bonn – Ein Protein der Kuhmilch kann Entzündungen auslösen, die sich gegen die Myelinscheide von Nervenzellen richten. Das berichtet ein Wissenschaftlerteam der Universitäten Bonn und Erlangen-Nürnberg nach Untersuchungen im Tiermodell. Die Forscher fanden auch Hinweise auf einen ähnlichen Mechanismus in Menschen. Bestimmte Gruppen von Betroffenen mit einer Multiplen Sklerose (MS) sollten daher Milchprodukte meiden, empfehlen die Wissenschaftler in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.2117034119).

Auslöser der Studie waren Berichte von MS-Patientinnen und -Patienten: „Wir hören immer wieder von Betroffenen, dass es ihnen schlechter geht, wenn sie Milch, Quark oder Joghurt zu sich nehmen“, erklärt Stefanie Kürten vom Anatomischen Institut des Universitätsklinikums Bonn.

Für ihre Untersuchung haben die Forscher Mäusen verschiedene Proteine aus der Kuhmilch injiziert. Wenn sie den Tieren den Kuhmilchinhaltsstoff Casein zusammen mit einem Wirkverstärker verab­reichten, entwickelten die Mäuse danach neurologische Störungen. Unter dem Elektronenmikroskop zeigte sich, dass bei ihnen das Myelin geschädigt war. „Als Grund vermuteten wir ähnlich wie in MS-Kranken eine fehlgeleitete Immunreaktion“, erklärt Rittika Chunder aus der Arbeitsgruppe.

Die Arbeitsgruppe hat daher das Casein mit verschiedenen Molekülen verglichen, die für die Produktion von Myelin wichtig sind. Die Wissenschaftler stießen auf ein Eiweiß namens „MAG“. In den Casein-behandelten Mäusen richtete sich die körpereigene Abwehr auch gegen MAG, wodurch das Myelin destabilisiert wurde.

Die Wissenschaftler gaben dann Casein-Antikörper von Mäusen zu menschlichem Hirngewebe. Sie reicherten sie sich dort an den Zellen an, die im Gehirn für die Myelin-Produktion verantwortlich sind. Die Forscher interpretieren dies als Hinweis darauf, dass ihre Ergebnisse auch für den Menschen relevant sind.

„Vermutlich haben die Betroffenen irgendwann durch den Konsum von Milch eine Allergie gegen Casein entwickelt. Sobald sie nun Frischmilchprodukten zu sich nehmen, stellt das Immunsystem daher massenhaft Casein-Antikörper her. Diese schädigen aufgrund der Kreuzreaktivität mit MAG auch die Myelinschicht um die Nervenfasern“, vermuten die Forscher.

Neben der Universität Bonn waren auch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Klinikum St. Marien Amberg und die Stanford University School of Medicine sn der Studie beteiligt. © hil/aerzteblatt.de

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