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Medizin

Strabismus: Augenfehlstellung fördert psychische Störungen bei Kindern

Montag, 28. März 2022

/motortion, stock.adobe.com

Los Angeles – Schielenden Kindern fällt es schwerer, Freunde zu finden, und wegen der begleitenden Sehschwäche auf einem Auge sind sie machmal in der Schule benachteiligt. Eine mögliche Folge sind mentale Erkrankungen, die in einer Querschnittstudie in JAMA Ophthalmology (2022; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2022.0137) bei Kindern mit Strabismus häufiger auftraten. Ähnliche Beobachtungen wurden auch im Rahmen der KiGGS-Studie in Deutschland gemacht.

Schielende Menschen können auch Erwachsene durch die abweichende Position eines Auges verwirren. Oft ist es schwer zu erkennen, ob das Gegenüber sie ansieht oder desinteressiert zur Seite blickt. Erwachsene können mit der Situation leichter umgehen, da sie die Hintergründe der Erkrankung kennen. Bei Kindern ist dieses Verständnis häufig nicht vorhanden. Dass das unmittelbare Folgen für das Sozialverhalten hat, zeigte sich bereits in der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) aus den Jahren 2003 bis 2006.

Kinder mit Strabismus gaben dort in einem Fragebogen seltener als andere an, dass sie oft mit anderen Kindern spielen und sich gut mit ihnen verstehen, was insgesamt zu einer schlechteren Bewertung der Lebensqualität führte. Die Effektstärken waren zwar mit 0,18 Standardabweichungen gering.

Den Eltern war jedoch häufiger aufgefallen, dass ihre Kinder überaktiv und unaufmerksam waren und häufiger Probleme mit Freunden hatten, wie Alexander Schuster und Heike Elflein von der Augenklinik der Universität Mainz in Health and Quality of Life Outcomes (2019; DOI: 10.1186/s12955-019-1144-7) berichteten.

Yoon Lee von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Mitarbeiter haben jetzt in einer weite­ren Querschnittstudie untersucht, ob Kinder mit Strabismus häufiger wegen mentaler Probleme in Behandlung sind. Sie werteten dazu die Versichertendaten von 12 Mio. Kindern im Alter und 19 Jahren aus 50 Bundesstaaten aus. Darunter waren 352.636 Kinder, bei denen die Ärzte einen Strabismus als Diagnose notiert hatten. Diese Kinder waren häufiger als Kinder ohne Strabismus wegen Angststö­rungen, Depressionen, bipolaren Störungen und überraschender Weise auch wegen einer Schizophrenie in medizinischer Behandlung gewesen.

Lee ermittelt adjustierte Odds Ratios von 2,01 (95-%-Konfidenzintervall 1,99-2,04) für Angststörungen, 1,83 (1,76-1,90) für Schizophrenie, 1,64 (1,59-1,70) für bipolare Störungen und 1,61 (1,59-1,63) für depressive Störungen. Substanzabhängigkeiten waren bei den Kindern mit Strabismus dagegen nicht häufiger (Odds Ratio 0,99 (0,97-1,02). Die Odds Ratios waren bei Kindern mit Exotropie (Auswärts­schielen) und Hypertropie (Aufwärtsschielen) höher als bei einer Esotropie (Einwärtsschielen).

Die epidemiologische Studie kann nicht beweisen, dass der Strabismus für die psychischen Störungen verantwortlich sind oder ob es andere gemeinsame Gründe, etwa eine genetische Disposition gibt. Überraschend ist die Assoziation mit der Schizophrenie, die nicht mehr als eine reaktive Psychose aufgefasst wird.

Da Angststörungen und Depressionen mit jeweils über 6 % in der Kontrollgruppe häufig sind, könnte der Anstieg eine spürbare Zahl von zusätzlichen Erkrankungen anzeigen. Lee rät den Augenärzten, bei Kindern mit Strabismus auf mögliche psychische Folgen zu achten, damit eine Erkrankung rechtzeitig behandelt werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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