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Medizin

Adjuvante Strahlentherapie reduziert Gesamtmortalität beim Lymphknoten-­positiven Prostatakarzinom

Montag, 4. April 2022

/SciePro, stock.adobe.com

Hamburg – Eine adjuvante Strahlentherapie kann bei Patienten mit einem nodalpositiven Prostata­karzinom das Gesamtmortalitätsrisiko postoperativ stärker senken als eine frühe Salvage-Strahlen­therapie. Das gilt vor allem für Betroffene mit vier oder mehr befallenen pelvinen Lymphknoten.

Diese Ergebnisse haben Wissenschaftler um Derya Tilki von der Martini-Klinik und der Abteilung für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Journal of Clinical Oncology (2022; DOI: 10.1200/JCO.21.02800) veröffentlicht.

Bislang gibt es keine eindeutigen Daten dazu, wann eine Strahlentherapie nach einer Prostatektomie bei Patienten mit Prostatakarzinom und einem pathologisch bestätigten Lymphknotenbefall (pN1) beginnen sollte.

In einer früheren Studie hatte ein Teil der Studienautoren bereits festgestellt, dass eine adjuvante Strahlentherapie im Vergleich zu einer frühen Salvage-Strahlentherapie die Gesamtmortalität reduzieren kann (Journal of Clinical Oncology, 2021; DOI: 10.1200/JCO.20.03714). Die Studienpopulation schloss prostatektomierte Patienten mit einem Prostatakarzinom und einem von 3 Risikofaktoren ein: pN1, pT3/4 und Gleason-Score 8–10.

Die aktuelle Analyse basierte auf den Daten von 17.913 Männern mit einem als pT2-4 N1 M0 klassi­fizierten Prostatakarzinom. Das mediane Alter betrug 64 Jahre. Bei allen Patienten wurden zwischen März 1995 und Oktober 2017 eine Prostatektomie durchgeführt und im Median 12 Lymphknoten entnommen, von denen im Median einer befallen war.

Bei 851 Patienten wurde eine adjuvante Strahlentherapie im Median 3,4 Monate und bei 3.040 eine frühe Salvage-Bestrahlung im Median 21,4 Monate nach der Operation durchgeführt. Im Vergleich zu den Patienten unter einer frühen Salvagetherapie wiesen deutlich mehr Patienten unter der adjuvanten Therapie eine Konzentration des prostataspezifischen Antigens > 20 ng/ml sowie einen positiven Resektionsrand auf. Zudem hatte ein größerer Anteil eine adjuvante Androgendeprivationstherapie (ADT) erhalten.

Nach einem medianen Follow-up von etwa 7 Jahren waren 986 Männer (5,5 %) verstorben, davon 223 aufgrund des Prostatakarzinoms. Das Risiko zu sterben sank im Zusammenhang mit der adjuvanten Strahlentherapie signifikant stärker als mit der frühen Salvage-Strahlentherapie. Das Risiko nahm jährlich um 8 % mit jedem befallenen Lymphknoten ab (adjustierte Hazard Ratio (AHR) 0,92; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,85–0,99; p=0,03).

Außerdem konnten die Forschenden einen signifikanten Unterschied hinsichtlich der geschätzten 7-Jahres-Gesamtmortalität zugunsten der adjuvanten versus der frühen Salvage-Strahlentherapie bei Patienten mit 4 oder mehr befallenen Lymphknoten feststellen: 7,74 versus 23,36 %. Das 95-%-KI für die Differenz von 15,62 % lag bei 5,90 bis 25,35 % und schloss 0,00 aus: Somit war der Unterschied signifikant.

Das galt nicht für Patienten mit einem bis 3 positiven Lymphknoten. In dieser Gruppe lag die geschätzte 7-Jahres-Gesamtmortilität bei 14,27 % unter einer adjuvanten Behandlung gegenüber 13,89 % unter einer frühen Salvagetherapie. Bei einem 95-%-KI von –7,02 bis 7,79 % für die Differenz von 0,38 % war der Unterschied nicht signifikant.

Demnach ist eine adjuvante Strahlentherapie bei prostatektomierten Patienten mit einem nodalpo­sitiven Prostatakarzinom mit einem sinkenden Gesamtmortalitätsrisiko verbunden, schlussfolgern die Autoren. Mit jedem zusätzlichen positiven Lymphknoten würde das Risiko weiter sinken.

Die Ergebnisse unterstützten die Überlegung, Patienten mit pN1-Prostatakarzinomen eine adjuvante Strahlentherapie anzubieten. Dabei könnte ein personalisierter Ansatz mit Berücksichtigung der Anzahl positiver pelviner Lymphknoten und der Komorbiditäten sinnvoll sein. © as/aerzteblatt.de

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