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Medizin

Lebenszeitexposition gegenüber Übergewicht bestimmt Darmkrebsrisiko

Freitag, 18. März 2022

/SciePro, stock.adobe.com

Heidelberg – Es ist bekannt, dass Übergewicht und Adipositas das Darmkrebsrisiko erhöhen. Bislang unterschätzt wurde aber offenbar die Rolle, die die kumulative Exposition gegenüber Übergewicht und Adipositas im Lauf der Lebenszeit spielt. Dies zeigt eine deutsche Fall-Kontrollstudie in JAMA Oncology (DOI: 10.1001/jamaoncol.2022.0064).

Die Analyse basiert auf Daten der DACHS-Studie, für die seit Januar 2003 Darmkrebspatienten und zufällig ausgewählte Vergleichspersonen ohne Darmkrebs aus dem Rhein-Neckar-Raum befragt werden. Ab dem 20. Lebensjahr machen die Teilnehmenden alle 10 Jahre Angaben zu ihrem Körpergewicht und ihrer Körpergröße.

In die Fall-Kontrollstudie wurden 5.635 Patienten mit Darmkrebs und 4.515 Vergleichspersonen einge­schlossen. Sie waren im Schnitt 68 Jahre alt, der Anteil an Männern war mit etwa 60 % etwas höher als der an Frauen.

BMI bei Darmkrebspatienten immer höher

Die Zahl an Jahren, die die Teilnehmenden gegenüber Übergewicht oder Adipositas exponiert waren, berechneten die Forschenden anhand des Body-Mass-Index (BMI) und den Kriterien der Weltgesund­heitsorganisation (WHO). Demnach besteht Übergewicht bei einem BMI von 25 bis < 30 und Adipositas bei einem BMI ≥30. Als Normalgewicht definiert die WHO einen BMI von 18,5 bis <25. Die BMI-Werte zwischen den 10-Jahresangaben der Teilnehmenden wurden interpoliert.

In beiden Gruppen nahm der BMI mit dem Alter zu. Doch die Darmkrebspatienten hatten in jedem Lebensjahrzehnt einen signifikant höheren BMI als die Vergleichspersonen ohne Darmkrebs – im Alter von 50 Jahren etwa von 26,6 versus 25,8.

In gleicher Weise waren die Prävalenzen an Übergewicht und Adipositas bei den Darmkrebspatienten in jedem Alter höher als bei den Vergleichspersonen. Im Alter von 50 Jahren zum Beispiel lag die Prävalenz von Übergewicht bei 45,7 vs. 43,3 % und die Prävalenz von Adipositas bei 17,1 vs. 11,4 %.

Dosis-Wirkungs-Beziehung zu beobachten

Es war eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Darmkrebsrisiko und der zeitlichen Exposition gegenüber Übergewicht und Adipositas zu beobachten: Teilnehmende, die sich mit ihrer Zahl an Jahren mit Übergewicht oder Adipositas, im 1. Quartil befanden, hatten ein um 25 % erhöhtes Darmkrebsrisiko (aOR 1,25 [95-%-KI 1,09-1,44]). Bei Teilnehmenden im 4. Quartil der exponierten Jahre war das Risiko dagegen um das 2,54-fache (aOR 2,54 [95-%-KI 2,24-2,89]) erhöht – jeweils im Vergleich zu Teilneh­menden, die innerhalb einer normalen Gewichtsspanne blieben.

Für jede Standardabweichung an zusätzlichen Jahren mit Übergewicht oder Adipositas stieg das Risiko für Darmkrebs um 55 % an (aOR 1,55 [95-%-KI 1,46-1,64]). Das war mehr als die Risikoerhöhungen, die zu einzelnen Zeitpunkten gemessen wurden. Diese OR war höher als die OR pro Standardabweichung Zunahme an überschüssigem BMI (über 25) zu irgendeinem einzelnen Zeitpunkt, die von 1,04 (95-%-KI 0,93-1,16) bis 1,27 (95-%-KI 1,16-1,39) reichte.

Potenzial einen Großteil der Darmkrebserkrankungen zu verhindern

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass überschüssiges Gewicht deutlich höhere mit dem Darmkrebs­risiko assoziierte ORs haben könnte als bisher in epidemiologischen Studien gezeigt wurde, da in diesen meist nur das Gewicht zu einem einzelnen Zeitpunkt berücksichtigt wird“, schlussfolgern die Autoren um Xiangwei Li von der Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

Maßnahmen, um die Zunahme der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas aufzuhalten oder gar umzukehren hätten das Potenzial, einen großen Teil der Darmkrebserkrankungen und möglicherweise auch anderer adipositasbedingter Krebserkrankungen zu verhindern, ergänzen sie. © nec/aerzteblatt.de

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