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Medizin

Studie: Auch medizinisches Cannabis kann abhängig machen

Montag, 21. März 2022

/felix_brönnimann, stock.adobe.com

Boston – Jeder 6. Patient, der in einer randomisierten Studie mit medizinischem Cannabis behandelt wurde, entwickelte innerhalb von 12 Wochen eine – wenn auch in der Regel milde – Cannabisab­hängig­keit. Am meisten gefährdet sind nach den in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.2106) veröffentlichten Ergebnissen Patienten mit Depressionen und Angstzuständen.

Medizinisches Cannabis wird in mindestens 12 Ländern (und in den USA in 36 Staaten) als Medikament für unterschiedliche Erkrankungen angeboten. Die MMNE-Studie („Effect of Medical Marijuana on Neuro­cognition and Escalation of Use“) hat untersucht, ob die medizinische Verordnung zu einer Cannabis­ab­hängigkeit führen kann.

Die 186 Teilnehmer, denen Cannabis wegen Ängsten oder Depressionen (44,6 %), Schmerzen (32,8 %) oder Schlafstörungen (22,6 %) verordnet worden war, wurden auf 2 Gruppen randomisiert. Die 1. Gruppe erhielt die notwendigen Rezepte sofort, die 2. Gruppe musste 12 Wochen warten.

Wie Jodi Gilman vom Center for Addiction Medicine am Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter berichten, entwickelten in der Gruppe mit sofortiger Cannabisverordnung 18 Patienten (17,1 %) Symptome einer Cannabisabhängigkeit gegenüber 7 Patienten (8,6 %) in der Gruppe mit späterem Therapiebeginn. Gilman ermittelt eine Odds Ratio von 2,88, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,17 bis 7,07 signifikant war.

Die Symptome waren sehr milde: Der CUD-Score („cannabis use disorder“), der von 0 bis 11 Punkten reicht, stieg lediglich von 0,08 auf 0,55 Punkte an. Die Differenz zur Vergleichsgruppe von 0,28 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,15 bis 0,40 Punkte jedoch signifikant, weshalb Gilman davon überzeugt ist, dass die Behandlung mit medizinischem Cannabis mit einem Abhängigkeits­potenzial verbunden ist.

Besonders gefährdet scheinen Patienten mit Depressionen und Angststörungen zu sein. Von 46 Patienten mit diesen Indikationen entwickelten 13 (28,3 %) in den ersten 12 Wochen der Behandlung Symptome einer Cannabisabhängigkeit gegenüber 4 von 37 Teilnehmern (10,8 %) in der Vergleichs­gruppe.

Das Ziel der Behandlung, die Schmerzen zu lindern oder Depressionen und Angstzustände zu bessern, hat die Studie in den ersten 12 Wochen übrigens nicht erreicht. Gilman konnte nur einen geringen Rückgang der Symptome nachweisen, der das Signifikanzniveau nicht erreichte.

Nur bei den Schlafstörungen erzielte Cannabis auf Rezept eine schnelle Wirkung: In der „Athens Insom­nia Scale“, die von 0 bis 24 Punkten reicht, kam es zu einer Verbesserung von 12,4 auf 7,6 Punkte, was eine Verbesserung gegenüber der Vergleichsgruppe um 2,90 Punkte (1,51 bis 4,31 Punkte) bedeutet.

Gilman rät, die Indikation für die Verordnung von medizinischem Cannabis strenger zu stellen, insbeson­dere bei Depressionen und Angststörungen.

© rme/aerzteblatt.de

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