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Medizin

SARS-CoV-2 verdoppelt Risiko von Schwangerschafts­komplikationen

Dienstag, 22. März 2022

/Sk Elena, stock.adobe.com

Oakland/Kalifornien – Eine Infektion mit SARS-CoV-2 erhöht bei ungeimpften Frauen das Risiko von schweren Schwangerschaftskomplikationen. In einer Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2022; DOI: 10.1001/jamainternmed.2022.0330) kam es neben COVID-19 auch häufiger zu Thromboembolien und Frühgeburten. Die Rate von neonatalen Komplikationen war dagegen nicht erhöht.

Es ist bekannt, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 für Schwangere besonders gefährlich ist. Von den 1.332 Versicherten von Kaiser Permanente in Kalifornien, bei denen im 1. Jahr der Pandemie eine Infek­tion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, mussten 76 (5,7 %) im Krankenhaus behandelt werden, 28 (2,1 %) entwickelten ein Atemnotsyndrom (ARDS) und 12 (0,9 %) eine Sepsis.

Wichtigster Risikofaktor für einen schweren Verlauf war mit einer Hazard Ratio (HR) von 7,03 (95-%-Konfidenzintervall 2,22-22,2) ein bereits vor der Schwangerschaft bestehender Diabetes. Für die übrigen bekannten COVID-19-Risikofaktoren wie Adipositas (HR 1,51; 0,81-1,17), Hypertonie (HR 1,44; 0,85-2,46) und ein höheres Alter (HR 1,77; 0,61-5,15 für ein Alter ab 40 Jahren) konnten Assiamira Ferrara von Kaiser Permanente Northern California in Oakland und Mitarbeiter keine signifikante Assoziation nachweisen.

Die Epidemiologin verglich die Daten der 1.322 infizierten Schwangeren mit 42.554 Schwangeren, bei denen kein positiver PCR-Test auf SARS-CoV-2 vorlag. Was nicht bedeuten muss, dass sie nicht infiziert waren. Zu Beginn konnte nur 1/3 der Schwangeren getestet werden. Trotz dieses Mankos, durch das die Auswirkungen der Infektion vermutlich unterschätzt werden, hatten die positiv getesteten Schwangeren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Ferrara ermittelt eine Hazard Ratio von 2,45 (1,91-3,13) für eine schwere mütterliche Morbidität.

Auffällig ist hier, dass die Schwangeren ein erhöhtes Risiko auf eine venöse Thromboembolie hatten. Ferrara ermittelt eine Hazard Ratio von 3,08 (1,09-8,74). Sie stieg auf 6,32 (1,36-29,3), wenn nur der Zeitraum analysiert wurde, in der alle Schwangeren getestet werden konnten.

Es musste befürchtet werden, dass die maternale Morbidität Folgen für die Gesundheit der Kinder hat. Die wichtigste Auswirkung war ein Anstieg der Frühgeburten, für die Ferrara ein signifikantes Risiko ermittelte (HR 2,06; 1,66-2,57 im Zeitraum, als alle Schwangeren getestet wurden).

Das Risiko war vor allem für medizinisch induzierte Frühgeburten erhöht (HR 2,56; 1,94-3,40), die etwa bei einer Präeklampsie notwendig werden können. Auch sehr frühe Geburten zwischen der 22. und 31. Woche traten mit einer Hazard Ratio von 2,24 (1,16-4,33) häufiger auf. Ursache könnte hier ebenfalls eine Störung der Plazentafunktion gewesen sein.

Erstaunlich ist, dass Störungen von Seiten des Kindes nicht auftraten. Für eine Tachypnoe des Neuge­borenen, die Anwendung von Surfactant, für Mangelgeburten (SGA), einen Apgar unter 7 und für Totgeburten lagen die Hazard Ratios bei 1 mit relativ engen 95-%-Konfidenzintervallen, die ein Risiko weitgehend ausschließen.

Die Studie bestätigt damit die bisherigen Erfahrungen, nach denen SARS-CoV-2 im Unterschied zum Röteln- und auch zum Zikavirus den Fetus nicht direkt schädigt. Die höhere Zahl von Frühgeburten könnte sich allerdings ungünstig auf die Entwicklung der Kinder in den ersten Lebensjahren auswirken. © rme/aerzteblatt.de

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