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Medizin

Häufig verwendete Antiemetika mit erhöhtem Schlaganfallrisiko assoziiert

Dienstag, 12. April 2022

/psdesign1, stock.adobe.com

Bordeaux – Antidopaminerge Antiemetika, die häufig eingesetzt werden, um bei Migräne, bei Chemo- oder Strahlentherapien oder nach operativen Eingriffen Übelkeit und Erbrechen zu lindern, sind einer im British Medical Journal publizierten Studie zufolge mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert (BMJ, 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-066192).

Am höchsten scheine das Risiko in den ersten Tagen der Antiemetikaeinnahme zu sein, berichten die Forschenden um Anne Bénard-Laribière vom französischen Gesundheitsforschungsinstitut INSERM und der Universität Bordeaux.

Alle 3 in der Studie untersuchten Antiemetika – Domperidon, Metopimazin und Metoclopramid – waren mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert. Die stärkste Risikoerhöhung war aber für Metopimazin und Metoclopramid zu beobachten.

Antiemetika hemmen die Aktivität von Dopamin im Gehirn

Antiemetika sind – ebenso wie Antipsychotika – Dopaminantagonisten. Sie wirken, indem sie die Akti­vität von Dopamin im Gehirn hemmen. Antipsychotika sind bereits mit einem erhöhten Risiko für ischä­mische Schlaganfälle in Zusammenhang gebracht worden. Unklar war aber, ob sich dieses Risiko auch auf andere antidopaminerge Medikamente wie Antiemetika erstreckt.

Die Forschenden identifizierten aus der nationalen Krankenversicherungsdatenbank in Frankreich 2.612 Patienten, die zwischen 2012 und 2016 erstmals einen ischämischen Schlaganfall hatten und denen in den 70 Tagen zuvor mindestens einmal Domperidon, Metopimazin oder Metoclopramid verschrieben worden war. Die Patienten waren im Schnitt 72 Jahre alt und 34 % von ihnen waren Männer.

Schlaganfallpatienten und gesunden Kontrollen wurden gematcht

Diese Schlaganfallpatienten wurden nach Alter, Geschlecht und Risikofaktoren mit einer Gruppe von 21.859 gesunden Menschen gematcht, die im gleichen Zeitraum Antiemetika verschrieben bekommen hatten.

Verglichen wurde die Häufigkeit von Antiemetikaverschreibungen in einer Risikophase (14 Tage vor dem Schlaganfall) und 3 gematchten Referenzphasen (70 bis 57 Tage vor dem Schlaganfall, 56 bis 43 Tage vor dem Schlaganfall und 42 bis 29 Tage vor dem Schlaganfall).

Von den Schlaganfallpatienten hatten 1.250 in der Risikophase mindestens einmal Antiemetika ver­schrie­ben bekommen, in den Referenzzeiträumen waren es 1.060. In der Kontrollgruppe hatten 5.128 im Risikozeitraum und 13.165 in den Referenzzeiträumen mindestens einmal Antiemetika verschrieben bekommen.

Das Risiko steigt um mehr als das 3-fache an

Nach Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren hatten die Patienten, die Antiemetika verschrieben bekommen hatten, kurz nach Behandlungsbeginn ein um mehr als das das 3-fache erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall (aOR 3,12 [95-%-KI 2,85-3,42]).

Nach Alter, Geschlecht und Demenzanamnese stratifizierte Analysen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Am höchsten war das Risiko für Männer, mit einer Erhöhung um das 3,59-fache.

Es gibt Unterschiede zwischen den Antiemetika

Das Risiko stieg bei allen Antiemetika an, doch am höchsten war der Anstieg bei Metopimazon (aOR 3,62 [95-%-KI 3,11-4,23]) und Metoclopramid (aOR 3,53 [95-%-KI 2,62-4,76]). Beide Medikamente überschreiten die Blut-Hirn-Schranke.

Für Domperidon war das Risiko um das 2,51-fache erhöht (aOR 2,51 [95-%-KI 2,18-2,88]). Sensitivitäts­analysen deuteten darauf hin, dass das Risiko in den ersten Tagen der Einnahme am höchsten anstieg.

Aus dem Studiendesign ergeben sich Einschränkungen

Die Forschenden um Bénard-Laribière weisen darauf hin, dass ihre Studie als Beobachtungsstudie keine Kausalität zeigen könne. Als Datenbankstudie habe sie außerdem charakteristische Einschränkungen wie das Fehlen von Informationen über die verschriebene Tagesdosis, die Dauer der Einnahme oder Untergruppen von ischämischen Schlaganfällen.

Dennoch zeigten ihre Ergebnisse, dass es offenbar eine Assoziation zwischen dem Risiko für einen ischämischen Schlaganfall und der Einnahme von Antiemetika gebe, ergänzen sie. Zwar seien weitere Untersuchungen nötig, um die Ursachen für diese Assoziation abzuklären, aber „das höhere Risiko bei Medikamenten, die die Blut-Hirn-Schranke überschreiten, deutet auf einen ptenziellen zentralen Effekt hin, möglicherweise durch eine Beeinflussung der Durchblutung“. © nec/aerzteblatt.de

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