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Medizin

Studie: Verkehrslärm in europäischen Städten für jährlich 3.600 Todesfälle verantwortlich

Dienstag, 29. März 2022

/monticellllo, stock.adobe.com

Barcelona – Insgesamt 60 Millionen Menschen sind in den Städten Europas einem Lärmpegel ausgesetzt, der ihre Gesundheit gefährdet. Public-Health-Forscher schätzen in Environment International (2022 DOI: 10.1016/j.envint.2022.107160), dass der mit dem Lärm verbundene Stress jedes Jahr zu 3.600 Todes­fällen führt.

Lärm entsteht in Städten vor allem durch den Straßenverkehr. Er wird von den Bewohnern nicht nur als subjektive Belästigung wahrgenommen. Verkehrslärm kann auch körperlich krank machen. Epidemiolo­gische Studien haben die chronische Lärmexposition mit Schlafstörungen, Herz-Kreislauf- und Stoff­wechselerkrankungen in Verbindung gebracht. Auch ungünstige Auswirkungen auf Schwangerschaften, kognitive Beeinträchtigungen und psychische Erkrankungen wurden in Studien nachgewiesen.

Der Pathomechanismus ist vor allem eine anhaltende Stressreaktion, die zur Ausschüttung von Stress­hormonen führt, was einen Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck zur Folge hat. Über die Förderung der Atherosklerose kann Lärm dann das Sterberisiko erhöhen.

Forscher am Institute for Global Health (ISGlobal) in Barcelona haben die Daten aus den epidemiolo­gischen Studien mit der Lärmexposition der Bevölkerung in 724 Städten und 25 Agglomerationen von 25 EU-Ländern in Beziehung gesetzt. Grundlage bildete die Richtlinie 2002/49/EG, die die Städte zur Erfassung der Geräuschbelastung verpflichtet. Zur Berechnung der vermeidbaren Todesfälle griffen die Forscher auf die Datenbank Eurostat zurück.

Die lauteste Stadt in Europa ist der Studie zufolge Sofia. Dort sind 99,8 % der Bevölkerung durchschnitt­lich einem Lärmpegel von 55 db ausgesetzt, der von der Weltgesundheitsorganisation als bedenklich für die Gesundheit eingestuft wird.

Am ruhigsten ist es in Kristiansand im Süden Norwegens, wo nur 8,1 % starkem Verkehrslärm ausgesetzt sind. In Deutschland ist es in Hagen (80,7 %) am lautesten. Berlin ist mit 29,8 % fast schon eine lärm­beruhigte Zone (die Datenerfassung ist allerdings qualitativ auf moderatem Niveau). In London (33,8 %), Paris (66,9 %) und Wien (86,5 %) ist die Bevölkerung deutlich stärker exponiert. Den niedrigsten Wert in Deutschland hat Kassel (16,2 %).

Insgesamt waren in den 724 Städten und 25 Agglomerationen 59,9 Mio. Erwachsene einem Straßenver­kehrs­lärmpegel von über 55 dB ausgesetzt. Das entspricht 42,1 % der erwachsenen Bevölkerung. Hoch­gradig störend ist der Lärm für 11 Mio. oder 7,6 % der Erwachsenen. Die Bewohner von Berlin sind mit 4,8 % unter den europäischen Hauptstädten am wenigsten durch starken Lärm beeinträchtigt. In Sofia liegt der Anteil bei 25,3 %.

Sasha Khomenko von ISGlobal und Mitarbeiter schätzen, dass Lärm jedes Jahr in europäischen Städten für etwa 3.600 Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich ist. Das sind in den einzelnen Städten zwischen 3 und 109 Todesfälle pro Jahr Bezogen auf 100.000 Einwohner sterben in Riga (20,2) deutlich mehr Menschen an Lärmfolgen als in Paris (1,3). Die frühzeitigen Todesfälle sum­mieren sich auf über 40.000 verlorene Lebensjahre. © rme/aerzteblatt.de

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