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Medizin

Forscher weisen erstmals Mikroplastik im Blut nach

Freitag, 25. März 2022

/Spectral-Design, stock.adobe.com

Amsterdam – Ein niederländisches Forscherteam hat eine Methode entwickelt, mit der sich Plastik­partikel im Blut nachweisen lassen. Bei ersten Messungen wurden nach einem Bericht in Environment International (2022; DOI: 10.1016/j.envint.2022.107199) bei 17 von 22 Blutspendern 4 verschiedene Polymere gefunden.

In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass kleinste Kunststoffpartikel, die in Verbrauchsgegen­ständen aber auch Kosmetika oder Zahnpasta enthalten sind oder beim Zerfall von Kunststoffprodukten entstehen, in die Nahrungskette gelangen. Sie wurden inzwischen in Stuhlproben, menschlichen Kolekto­miepräparaten und in einer Studie sogar in der Plazenta nachgewiesen.

In die Plazenta können sie nur über den Blutkreislauf gelangt sein. Einem Team um Marja Lamoree von der Vrije Universiteit Amsterdam ist es jetzt gelungen, 4 verschiedene Plastikpolymere im Blut aufzu­spüren.

In der Hälfte der Proben wurde Polyethylenterephthalat gefunden, besser bekannt unter der Abkürzung PET. Aus ihm bestehen viele Kunststoff- oder PET-Flaschen. Am zweithäufigsten waren Polystyrole, aus denen ebenfalls viele Verpackungen wie Jogurtbecher hergestellt werden. Polystyrole wurden bei 8 Blut­spendern nachgewiesen. Insgesamt 5 Probanden hatten Polyethylen im Blut. Der weltweit am meisten verbreitete Kunststoff wird für Plastikverpackungen und Folien verwendet. Bei 1 Proband wurde Poly­methylmethacrylat (PMMA) nachgewiesen. Zu ihm gehört beispielsweise Plexiglas aber auch in der Me­dizin verwendetet Produkte wie Intraokularlinsen oder Knochenzement, die als bioverträglich einge­stuft werden.

Die Forscher wiesen die Partikel nach doppelter Pyrolyse mit einer Gaschromatografie mit Massenspek­tro­metriekopplung nach. Die Partikel haben eine Größe von mehr als 700 Nanometer und die Konzentra­tion betrug durchschnittlich 1,6 µg/ml, was vergleichbar ist mit einem Teelöffel Plastik auf 1.000 Liter Wasser (10 große Badewannen).

Ob und wie die Plastikpartikel der Gesundheit schaden, ist unklar. Denkbar ist, dass sie Entzündungsreak­tionen stimulieren. Der Nachweis im Blut könnte jetzt Studien ermöglichen, die den Einfluss von Mikro- oder besser Nanoplastik auf die Gesundheit untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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