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Politik

Lauterbach dringt auf schnelles Eindämmen der Coronawelle

Freitag, 25. März 2022

/picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht Deutschland wieder in einer schweren Coronawelle und hat die Länder dringend zum Gegensteuern aufgefordert. „Von einem ‚Freedom Day‘ kann keine Rede sein – ganz im Gegenteil“, sagte der SPD-Politiker heute in Berlin.

Angesichts sehr hoher Infektionszahlen sei eine Situation entstanden, in der man nicht einfach abwarten könne, bis besseres Wetter die Lage entspanne. „Wir können es nicht lassen, wie es derzeit ist“, mahnte Lauterbach.

Der Minister appellierte an die Länder, jetzt Regelungen nach dem geänderten Infektionsschutzgesetz (IfSG) umzusetzen, die für sogenannte Hotspots in kritischer Lage regional möglich sind. Eine dafür festzustellende Überlastung des Gesundheitswesens könne an konkreten Kriterien bemessen werden. Dies gelte beispielsweise, wenn Pflegepersonaluntergrenzen nicht mehr eingehalten werden könnten, planbare Operationen verschoben oder Patienten verlegt werden müssten.

Lauterbach bekräftigte erneut, dass Hotspots auf diese Weise auch ein ganzes Bundesland umfassen können. Bei einer Gesundheitsministerkonferenz am kommenden Montag solle mit den Ländern gespro­chen werden, um diese Regelung gangbar zu machen.

Bisher Ungeimpfte sollten sich jetzt schnell zumindest eine erste, bereits schützende Impfung geben lassen, so Lauterbachs Appell. Bei den aktuell hohen Infektionszahlen müssten Ungeimpfte damit rech­nen, sich in den nächsten Tagen zu infizieren. Dies gelte auch für jene, die sagten, sie seien zwei Jahre gut durchgekommen. Insbesondere gebe es in Deutschland noch zahlreiche Ungeimpfte mit Risiko­faktoren für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.

Bezüglich der Einführung einer allgemeinen Coronaimpfpflicht gehe er davon aus, dass im Bundestag eine Mehrheit erreicht wird. Die Frage sei, ob die Union zum Schluss mitstimme und ob man die vorlie­genden Anträge zusammenbringe, sagte der SPD-Politiker.

In der Union gebe es auch viele Befürworter. „Daher glaube ich schon, dass wir zum Schluss, da bin ich optimistisch, eine allgemeine Impfpflicht hinbekommen werden.“ Gespräche fänden auf allen Ebenen statt. Über die Impflicht soll nach bisheriger Planung in der übernächsten Woche im Bundestag abge­stimmt werden.

„Die Impfquote, die wir jetzt haben, ist zu niedrig, um bei allen Varianten, die wir bisher kennen, im Herbst ohne einschneidende Maßnahmen durchzukommen.“ Es würden dann wieder nennenswerte Maßnahmen notwendig werden, so der Bundesgesundheitsminister. „Und so arbeiten wir unermüdlich an der Impfpflicht, die andere Länder in dieser Form nicht so dringend brauchen, weil sie eine viel höhere Impfquote erreicht haben.“

Als Erfolg wertete Lauterbach die bisherige Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Er dankte in diesem Zusammenhang sowohl den Bundesländern als auch den Pflegekräften.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warb angesichts der aktuellen hohen Infektionszahlen ebenfalls für eine Coronaimpfung sowie rücksichtsvolles Verhalten. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei, im Gegenteil“, sagte Wieler mit Blick auf das anziehende Infek­tionsgeschehen. „Jede Woche sterben aktuell mehr als 1.000 Menschen im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion in unserem Land.“

Innerhalb einer Woche seien zuletzt etwa drei Prozent der Bevölkerung positiv mit COVID-19 getestet worden, einige Landkreise wiesen Sieben-Tage-Inzidenzen von über 3.000 aus, führte Wieler aus. Mit Blick auf die Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen betonte er, nun gehe es darum „wie wir uns verhalten“.

Wieler erklärte, eine Impfung könne zwar nicht immer eine Infektion verhindern, in den meisten Fällen schütze sie aber davor, dass man schwer erkranke. Weltweite Daten zeigten demnach deutlich, dass Geimpfte generell viel seltener ins Krankenhaus müssten und viel seltener sterben würden. Besonders deutlich sehe man diesen Effekt bei älteren Menschen mit Auffrischimpfung. Entsprechend forderte er noch ungeimpfte Menschen auf, sich immunisieren zu lassen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, betonte heute ebenfalls, dass ältere oder vorerkrankte Menschen, die sich noch nicht haben impfen lassen, auch bei Omikron nicht sicher vor schwerem Verlauf oder Tod seien.

„Deshalb an dieser Stelle noch einmal der Appell an diese Gruppe, sich unbedingt impfen zu lassen“, sagte Gassen. Es sei aber wohl davon auszugehen, dass die zurzeit hohen Infektionszahlen nach einer Plateauphase in abseh­barer Zeit, nicht zuletzt durch die Saisonalität des Virus, deutlich zurückgehen würden.

Der KBV-Chef wies darauf hin, dass derzeit von mehreren Millionen Infektionen pro Woche auszugehen ist. Die derzeit geltenden Quarantäneregeln sollten seiner Meinung nach angesichts der insbesondere bei Geimpften überwiegend leichten, oft nahezu asymptomatischen Verläufe daher auch geändert wer­den. „Zumindest die asymptomatisch positiv Getesteten sollten nicht mehr automatisch in Quarantäne geschickt werden“, meint Gassen.

© aha/dpa/aerzteblatt.de
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