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Medizin

Subsahara-Afrika: Pathologen weisen bei jedem 3. Verstorbenen SARS-CoV-2 nach

Montag, 28. März 2022

/Miros, stock.adobe.com

Boston – In einer systematischen Untersuchung von Verstorbenen in einer Klinik in Sambia wurde bei jedem 3. Toten SARS-CoV-2 nachgewiesen. Auf dem Höhepunkt der Erkrankungswelle stieg der Anteil sogar auf 90 %.

Die in medRxiv (2022; DOI: 10.1101/2022.03.08.22272087) vorgestellten Ergebnisse widersprechen einer weit verbreiteten Hypothese eines Afrika-Paradoxons, nach der die Pandemie die Länder südlich der Sahara mit Ausnahme von Südafrika weitgehend verschont haben soll.

Die Universitätsklinik in Lusaka verfügt über das größte Leichenschauhaus der Stadt. Dort werden nicht nur die Patienten obduziert, die an der Klinik gestorben sind. Die Pathologen klären auch die Ursachen von Todesfällen aus dem städtischen Umfeld.

Ein Team um Christopher Gill von der Boston University School of Public Health untersucht seit einigen Jahren in einem Forschungsprojekt, wie häufig Infektionen mit dem respiratorischen Synzytial (RS)-Virus und dem Keuchhustenbakterium Bordetella pertussis, die in reicheren Ländern meist milde verlaufen, in Afrika zum Tod führen.

In der Pandemie wurde der Schwerpunkt der Studie auf COVID-19 verschoben. Bereits in der 1. Erkran­kungswelle vom Juni bis September 2020 zeigte sich, dass jeder 5. Verstorbene mit SARS-CoV-2 infiziert war. Im Unterschied zu westlichen Ländern gab es die meisten Todesfälle bei jüngeren Menschen: 80 % waren zwischen 20 und 59 Jahre alt, bei 10 % handelte es sich um Kinder und Jugendliche, wie die For­scher im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2021; DOI: 10.1136/bmj.n334) berichteten.

Auffällig war, dass bei den wenigsten Patienten die Infektion bekannt war: Von den 19 Patienten, die in der Klinik starben, waren nur 6 prämortal positiv getestet worden. Von den 51 Personen, die außerhalb der Klinik verstorben waren, war kein einziger getestet worden. Von den insgesamt 70 Toten mit einem positiven PCR-Test waren 44 nach Einschätzung der Forscher wahrscheinlich an COVID-19 gestorben, bei weiteren 7 Toten wurde ein Zusammenhang für möglich gehalten. Die meisten waren demnach an und nicht mit COVID-19 gestorben.

Inzwischen haben die Forscher die Ergebnisse von 1.118 Personen ausgewertet, die zwischen Januar und Juni 2021 gestorben sind. In diese Zeit fielen die nächsten beiden Krankheitswellen, die in Sambia von der Beta- und Delta-Variante ausgelöst wurden. Dieses Mal wurde bei 1/3 (32,0 %) der Toten eine Infek­tion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Auf dem Höhepunkt der Erkrankungswelle stieg der Anteil auf 90 % an. Nach Einschätzung von Gill war COVID-19 bei 73,9 % wahrscheinlich oder möglicherweise für den Tod verantwortlich.

Erneut traten die Todesfälle in allen Altersgruppen einschließlich Kindern und Jugendlichen auf. Der Anteil der Verstorbenen, die bereits vor dem Tod positiv getestet wurden, lag bei den Klinikpatienten bei 52,6 %, bei den Todesfällen außerhalb der Klinik war die Infektion nur bei 1,8 % bekannt. Im Einzugs­gebiet der Klinik befinden sich laut Gill ärmere Wohngebiete, in denen es kaum eine ärztliche Versor­gung gibt.

Das Afrika-Paradoxon beruht nach Ansicht des Forschers auf einer Fehleinschätzung. Der Eindruck, dass Afrika von der Pandemie verschont bleibe, sei entstanden, weil in weiten Teilen der Bevölkerung die Todesursachen nicht untersucht wurden. Auch die im Vergleich zu höher entwickelten Ländern niedrigere Lebenserwartung sei kein „Schutzfaktor“.

Aufgrund des schlechten gesundheitlichen Zustands vieler Menschen könnte die Zahl der Todesfälle bei jüngeren Menschen sogar weitaus höher sein als in reicheren Ländern.

© rme/aerzteblatt.de

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