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Medizin

Väterliche Einnahme von Metformin könnte Risiko für Fehlbildungen bei Kindern erhöhen

Mittwoch, 30. März 2022

/Sherry Young, stock.adobe.com

Odense/Kopenhagen – Nahmen Väter in den Monaten vor der Kinderzeugung Metformin ein, erhöhte sich das Risiko für Geburtsfehler. Dazu zählten vor allem Genitaldefekte bei Jungen. Diesen Zusammen­hang stellten Forschende anhand der Daten von mehr als 1,1 Millionen Neugeborenen aus landesweiten dänischen Registern fest. Die prospektive Kohortenstudie wurde in Annals of Internal Medicine ver­öffent­lichte (2022; DOI: 10.7326/M21-4389).

Die Wahrscheinlichkeit von genitalen Fehlbildungen bei Jungen war bei väterlicher Metformineinnnah­me etwa 3 Mal höher als ohne diese Exposition (adjustierte Odds Ratio (aOR): 3,39, Konfidenzintervall (KI): 1,82-6,30). Metformin-exponierte Mädchen hatten dagegen kein höheres Risiko für genitale Fehl­bildungen.

Insgesamt hatten 3,3 % der untersuchten Babys mindestens einen Geburtsfehler. Sowohl bei Verordnung von Metformin als auch bei Verordnung von Sulfonylharnstoffen war das Risiko für Geburtsfehler erhöht.

Da die Verordnung von Sulfonylharnstoffen jedoch weitaus seltener stattfand als von Metformin, war das Ergebnis hier nicht signifikant (Metformin: n=1.451, aOR 1,4, KI 1,08-1,82; Sulfonylharnstoffe: n=647, aOR 1,34, KI 0,94-1,92). Die Metformineinnahme vor und nach dem Zeitraum der Zeugung hatte dagegen keinen Einfluss auf die Fehlbildungsrate. Nicht exponierte Geschwister hatten ebenfalls kein erhöhtes Risiko (Exponiert versus nicht exponiert OR 1,54, KI 0,94-2,53).

Insulin erhöhte Fehlbildungsrate nicht

Neben den beiden genannten Antidiabetika untersuchte das Forschungsteam auch den Einfluss von Insulin auf die Fehlbildungsrate. Hier zeigte sich kein Zusammenhang (n=5.298, aOR 0,98, KI 0,85-1,14).

Babys galten als exponiert, wenn ihre Väter mindestens 1 Mal in den 3 Monaten vor ihrer Zeugung eines der 3 untersuchten Diabetesmedikamente verschrieben bekommen hatten. Das entspricht dem Zeitraum der Spermatogenese. Die Studie untersuchte lediglich den Einfluss der Antidiabetikaeinnahme bei den Vätern. Kinder, deren Mütter bereits einen Diabetes mellitus oder eine essentielle Hypertonie hatten, wurden nicht in die Studie eingeschlossen.

Einfluss auf die Spermatogenese

Tatsächlich kann Metformin Einfluss auf die Spermienentwicklung haben. In einer tierexperimentellen Studie zeigte sich, dass Metformin zu entarteten Stammzellen in den Hoden von Ratten führen kann (Andrologia, 2017; DOI: 10.1111/and.12846). Inwieweit sich diese Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen sei allerdings unklar, erläuterte Wolfgang Rathmann, Professor und Leiter der Arbeitsgruppe Epidemiologie, Deutsches Diabetes Zentrum der Leibniz Universität Düsseldorf.

Es ist eindeutig zu früh, anhand einer einzigen Studie eine Änderung der Therapieempfehlungen auszusprechen. Wolfgang Rathmann, Leibniz Universität Düsseldorf

Auch nach Ausgleich der Störfaktoren Alter, Ethnizität, Bildung, Einkommen, und Rauchverhalten der Mutter während der Schwangerschaft blieb der Einfluss der Metforminverordnung bestehen. Dennoch kann das Studiendesign nicht beweisen, dass die Metformineinnahme die direkte oder auch alleinige Ursache für die Geburtsfehler ist.

„Ein wesentlicher Schwachpunkt der Studie ist das Fehlen von Daten zur Qualität der Blutglukoseein­stell­ung sowie des Body-Mass-Index der Studienpopulation,“ sagte Rathmann. Väter mit einer Metformin­verordnung hätten zudem deutlich häufiger Lipidsenker und kardiovaskuläre Therapeutika erhalten.

„Daher lag sehr wahrscheinlich ein ungünstigeres kardiometabolisches Risikofaktorprofil vor und es ist zu vermuten, dass die Väter häufiger adipös waren.“ Zudem untersuchte die Studie keinen eventuellen Gestationsdiabetes der Mutter.

Insulin als Alternative

Welchen Einfluss die Daten auf die weitere Behandlung von Männern mit Diabetes und Kinderwunsch haben ist noch nicht absehbar. „Es ist eindeutig zu früh, anhand einer einzigen Studie eine Änderung der Therapieempfehlungen auszusprechen,“ so Rathmann. „Sollten sich die Ergebnisse in mehreren Studien bestätigen, wäre eine Insulinbehandlung eine Alternative.“

Auch Andreas Pfeiffer von der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité Univer­si­tätsmedizin Berlin stimmt zu: Eine Berücksichtigung bei der Familienplanung wäre durchaus zu über­legen, insbesondere wenn diese Daten in anderen Registern bestätigt würden. © mim/aerzteblatt.de

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