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Medizin

Individualisierte nichtinvasive Hirnstimulationen reduzieren sensomotorische Defizite nach Schlaganfall

Dienstag, 19. April 2022

/Matthieu, stock.adobe.com

Leipzig – Maßgeschneiderte Anwendungen der Nichtinvasiven Hirnstimulation (non-invasive brain stimulation, NIBS) reduzieren sonsomotorische Defizite nach Schlaganfall.

Anhaltende Lähmungen und Koordinationsstörungen, wie zum Beispiel am Arm sind häufige Folgeer­schei­­­­­­nungen von Schlaganfall-induzierten Hirnschädigungen. „Mithilfe der transkraniellen Gleichstrom­stimulation (tDCS) kann man diese Veränderungen im Gehirn beeinflussen. Die Ströme dringen in das Hirngewebe ein, wo sie eine lokal erregende oder hemmende Wirkung ausüben“, erläuterte Seniorstu­dien­autor Bernhard Sehm, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neuro­wissenschaften in Leipzig (MPI CBS) und Oberarzt der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurolo­gie der Universitätsmedizin Halle.

Aktuelle Ergebnisse zur Anwendung von tDCS-Techniken bei der Rehabilitation von Schlaganfall­patienten, hat seine Arbeitsgruppe in einer klinischen Studie untersucht und ihre Ergebnisse im Journal Brain Stimulation veröffentlicht (2022; DOI: 10.1016/j.brs.2022.02.013).

Dabei wurden 2 tDCS-Ansätze miteinander verglichen, die sogenannte bi-tDCS (engl. für bilateral-dual transcranial direct current stimulation) mit der ua-tDCS (unilateral-anodal transcranial direct current stimulation). In dieser doppelt-verblindeten klinischen Studie wurden Probanden (n=24, 66 % männl., mittleres Alter: 60,2 ±12,4 Jahre) mit leichter bis mittelschwerer Hemiparese (13 davon rechts betroffen) der oberen Extremität mindestens 6 Monate nach einem Schlaganfall eingeschlossen.

„An unserer Studie haben 24 Patienten teilgenommen, die in ihrer Mobilität durch den Schlaganfall sehr eingeschränkt waren. In unserem Labor haben wir ein speziell auf die Patienten anpassbares Roboter­system, eine Art Exoskelett, mit dem es ihnen möglich ist, den gelähmten Arm zu bewegen und Aufgaben in einer virtuellen Umgebung auszuführen“, erklärte Erstautor Toni Muffel, Gastwissenschaftler am MPI CBS in Leipzig.

Während die Patienten mit den virtuellen Objekten interagiert haben, wurde über Elektroden auf der Kopfhaut ihr Gehirn stimuliert (20 min., 1 mA). „Parallel haben wir die Effekte gemessen – also wie gut oder schlecht die Hirnstimulation den TeilnehmerInnen bei der Aufgabenbewältigung geholfen hat.“

Es wurden vier sensomotorischen Aufgabenbereiche (z.B. Propriozeption, kooperative und unabhängige bimanuelle Koordination) gemessen und bewertet. „Unsere Messmethode mit dem Robotersystem erlaubt es, unterschiedliche motorische Funktionen gleichzeitig zu messen und so ein umfassendes Bild der Stimulationseffekte zu gewinnen. Die Daten zeigen, dass sensomotorische Funktionen des gelähmten Arms deutlich durch tDCS beeinflusst werden“, schilderte Sehm.

Die Ergebnisse zeigten tiefgreifende Effekte von tDCS auf sensomotorische Funktionen nach einem Schlaganfall bereits nach einer Anwendung. Insgesamt zeigte der bilateral-dual (bi-)tDCS-Ansatz ein besseres Ansprechen als im Vergleich zum unilateral-anodal (ua-)tDCS-Ansatz.

Im Durchschnitt waren die Effektstärken und kinematischen Leistungen unter bi-tDCS über alle Verglei­che hinweg besser. Es wurden mehr Parameter unabhängig von der Richtungsänderung signifikant unter bi-tDCS verändert (ua-tDCS: 60 % vs. bi-tDCS: 70 %). Die erzielten Veränderungen unter bi-tDCS waren mit mehr Leistungssteigerungen (20 % vs. 36,7 %) und weniger Leistungsabnahmen (40 % vs. 33,3 %) verbunden. Beide Setups führten somit nicht nur zu Leistungsverbesserungen, sondern auch zu einem Rückgang bestimmter Parameter, geben die Studienautoren zu bedenken.

Die Studienautoren betonen außerdem, dass kein einheitlich vorteilhaftes Muster einer tDCS für alle Schlaganfallpatienten identifiziert wurde. Daher sollten Patienten im Vorfeld genau untersucht werden müssen, um jeweils individuell angepasstes tDCS-Strategien anzusetzen. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, hat die tDCS das Potenzial die Versorgung von Schlaganfallpatienten in der Rehabilitation zu verbessern, schlussfolgern die Studienautoren. © cw/aerzteblatt.de

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