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Politik

Erst vier Prozent der Ärzte haben DiGA verordnet

Mittwoch, 30. März 2022

/kazoka303030, stock.adobe.com

Hamburg – Lediglich vier Prozent aller Ärztinnen und Ärzte haben bislang Rezepte für Digitale Gesund­heitsanwendungen (DiGA) ausgestellt. Dies geht aus dem heute veröffentlichten DiGA-Report der Techniker Krankenkasse (TK) und der Universität Bielefeld hervor.

Laut Report gingen bis Ende Dezember 2021 bei der TK 19.025 Verordnungen für DiGA ein. Am häufigsten verschrieben wurden Apps gegen Rückenschmerzen (3.947), Tinnitus (3.450) und Migräne (2.524). Mit 66,5 Prozent liegt der Anteil der Frauen bei den DiGA-Nutzerinnen und -Nutzern deutlich höher als der der Männer. Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass es auffallend weniger Verschrei­bungen bei den unter 30-Jährigen und den über 60-Jährigen gibt. Das Durchschnittsalter der DiGA- Nutzerinnen und -Nutzer liegt bei 45,5 Jahren.

„Bei der Frage, wer die Apps verschrieben bekommt, spielt nicht das Alter eine Rolle, sondern die Erkrankungen“, erläuterte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. „Jüngeren werden die Apps seltener verschrieben, weil weniger von ihnen an den Krankheiten leiden, die die Apps therapieren.“

Wir brauchen faire Preise

Kritik übte Baas an den Preisbildungsmechanismen. „Wir sehen, dass die Apps in der GKV-Erstattung plötzlich deutlich mehr kosten als vorher. Es ist ein Unding, dass die Preise im ersten Jahr quasi frei festgesetzt und sogar erhöht werden können“, so der TK-Chef. „Damit DiGA sich erfolgreich dauerhaft im Gesundheitssystem etablieren können, brauchen wir faire Preise. Es muss eine Verhältnismäßigkeit geben zwischen den Kosten für DiGA und den Kosten für analoge Arztbehandlungen.“ Im Moment kosteten DiGA teilweise mehr als analoge Therapien, obwohl der Nutzennachweis für das erste Jahr noch ausstehe. Der DiGA-Report zeige, dass die geplante Höchstpreisbremse für das erste Jahr kaum greife. Laut TK reduziere die Bremse den Preis einer DiGA durchschnittlich lediglich um 6,6 Prozent.

Ab dem zweiten Jahr werden die Preise zwischen DiGA-Herstellern und Kassen verhandelt – bislang wurde erst eine solche Preisverhandlung abgeschlossen. Da es keine Einigung zwischen den Parteien gab, wurde der Preis von der Schiedsstelle festgelegt. Er liegt mit 225 Euro 52 Prozent unter dem Preis aus dem ersten Jahr.

„Fraglich ist, ob ein vom Hersteller gesetzter Preis im ersten Jahr rückblickend als angemessen gelten kann, wenn er mehr als doppelt so hoch war wie der spätere Vergütungsbetrag, der sich insbesondere am nachgewiesenen Nutzen einer Anwendung zu orientieren hat“, so Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld. Sollten sich derartige Differenzen zwischen freien und verhandelten Preisen auch in den weiteren Verhandlungsergebnissen widerspiegeln, müsse der Preisbildungsmechanismus im ersten Jahr kritisch hinterfragt werden. Das gelte insbesondere auch dann, wenn vorläufig gelistete DiGA ihren Nutzen überwiegend nicht oder nur teilweise belegen können.

„Es besteht die Gefahr, dass viele Apps den Vertrauensvorschuss nicht einhalten können, den sie im Erprobungsjahr bekommen“, sagte Baas. Bereits für die Listung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) müsse es eine aussagekräftige Datengrundlage geben. Die bisherigen Anforderungen reichten nicht, um den Nutzen einer App abzuschätzen.

Der Nachweis der Wirksamkeit einer DiGA müsse zudem klarer auf das primäre Behandlungsziel ausgerichtet sein. Das sei derzeit nicht gegeben. Um positive Versorgungseffekte von DiGA eindeutig beurteilen und die methodischen Aspekte des Fast-Track-Verfahrens besser nachvollziehen zu können, brauche es klare Nutzenkriterien und eine größere Transparenz der Entscheidungsgründe des BfArM. © aha/aerzteblatt.de

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