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Medizin

Studie: Mobiltelefonbenutzer erkranken nicht häufiger an Hirntumoren

Dienstag, 5. April 2022

/fotoak80, stock.adobe.com

Oxford – Teilnehmerinnen einer großen prospektiven Beobachtungsstudie, die im Jahr 2001 ein Mobil­telefon besaßen, erkrankten in den folgenden Jahren nicht häufiger an Hirntumoren als andere Frauen, selbst wenn sie täglich telefonierten oder bereits seit 10 Jahren ein Mobiltelefon benutzten.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the National Cancer Institute (JNCI, 2022; DOI: 10.1093/jnci/djac042) publiziert.

Die möglichen gesundheitlichen Risiken, die von Mobiltelefonen ausgehen, beschäftigen die Forschung schon seit längerem. Tatsache ist, dass die hochfrequenten elektromagnetischen Felder, die bei der Benutzung entstehen, das menschliche Gewebe erwärmen. Es gibt deshalb Grenzwerte, die thermische Schäden beim Nutzer verhindern sollen. Ob es darüber hinaus noch weitere schädliche Wirkungen gibt, ist umstritten.

Eine Reihe von epidemiologischen Studien hat in der Vergangenheit auf ein mögliches Risiko von Hirn­tumoren hingewiesen. Hinzu kamen Laborergebnisse und tierexperimentelle Studien. Beides bewog die International Agency for Research on Cancer (IARC) im Jahr 2011, hochfrequente elektromagnetische Felder als möglicherweise krebserregend für den Menschen (Gruppe 2B) einzustufen. Bedenken bestan­den vor allem hinsichtlich von Gliomen, besonders bösartigen Hirntumoren, deren Prävalenz in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist.

Die meisten epidemiologischen Studien, darunter die INTERPHONE-Studie, waren jedoch retrospektiv. Sie verglichen die Mobiltelefonnutzung von Krebspatienten und Gesunden, was aus verschiedenen Grün­den leicht zu falschen Ergebnissen führen kann. So könnten Krebspatienten, die nach einem Grund für ihre Erkrankung suchen, sich intensiver an ihre frühere Nutzung erinnern als Gesunde, vor allem, wenn die Geräte in der Öffentlichkeit als Auslöser in der Diskussion sind.

Eine bessere Einschätzung ermöglichen prospektive Beobachtungsstudien, die Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt nach ihren Mobiltelefongewohnheiten befragen und mit der Häufigkeit von Krebserkrankungen in den folgenden Jahren vergleichen.

Eine solche Studie ist die britische Million Women-Study. Die Studie hatte zwischen 1996 und 2001 mehr als eine Million Frauen im Alter von 50 und 64 Jahren rekrutiert, 53 % aller Frauen dieser Altersgruppe, um die Auswirkungen der damals verbreiteten Hormonersatztherapie auf die Gesundheit zu untersuchen. Die Studie wird jedoch auch für andere Fragestellungen genutzt. Im Jahr 2001 (und erneut 2011) wurden die Frauen auch nach ihrer Nutzung von Mobiltelefonen befragt. Von den 776.156 Teilnehmerinnen, die den Fragebogen ausfüllten, gaben 63,1 % eine Handynutzung an.

Kirstin Pirie von der Population Health’s Cancer Epidemiology Unit der Universität Oxford und Mitarbei­ter haben durch einen Abgleich mit den Daten des staatlichen Gesundheitsdienstes recherchiert, dass 3.268 Teilnehmerinnen in den folgenden 14 Jahren an einem Hirntumor erkrankt sind. Eine Häufung bei Frauen, die eine Handynutzung angegeben hatten, war nicht erkennbar. Das relative Risiko lag für alle Hirntumore bei 0,97, wobei ein enges 95-%-Konfidenzintervall von 0,90 bis 1,04 weitgehend ausschließt, dass ein erhöhtes Risiko übersehen wurde.

Für die besonders bösartigen Gliome lag das relative Risiko mit 0,89 (0,80 bis 0,99) sogar unter 1, was auf eine protektive Wirkung hindeutet, wofür es allerdings keine plausible biologische Erklärung gibt. Auch für die anderen Tumore wie Meningiome, Hypophysentumore, Akustikusneurinome oder Augen­tumore fanden die Forscher kein erhöhtes Risiko. Auch Frauen, die eine tägliche Nutzung angegeben hatten, erkrankten nicht häufiger, ebenso wenig Frauen, die bereits seit mehr als 10 Jahren ein Mobiltele­fon besaßen.

Auch für eine Häufung der Tumore auf einer Hirnhälfte, die wegen der überwiegenden Zahl von Rechts­händern in der Gesellschaft zu erwarten wäre, fanden die Forscher keine Hinweise. Auch eine bevorzugte Lokalisierung im Temporal- oder Parietallappen, wo die Exposition durch die elektromagnetische Feld­stärke am höchsten ist, war nicht erkennbar.

Die Studie liefert damit keine Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch die Nutzung von Mobiltele­fonen. Pirie gibt allerdings zu bedenken, dass Handys damals seltener als heute benutzt wurden. Nur 18 % der Teilnehmerinnen hatten angegeben, 30 Minuten oder länger pro Woche zu telefonieren. Außerdem war die Feldstärke der damaligen Geräte deutlich geringer als bei den heutigen Netzen. Das Thema dürf­te die Epidemiologen deshalb auch in Zukunft weiter beschäftigen. © rme/aerzteblatt.de

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