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Medizin

USA: Lungenkrebs­screening hat zu früheren Diagnosen und längeren Überlebenszeiten geführt

Mittwoch, 6. April 2022

/Gorodenkoff, stock.adobe.com

Boston – In den USA nimmt die Zahl der im Frühstadium diagnostizierten Lungenkrebserkrankungen seit einigen Jahren stärker zu. Auch die Überlebenszeiten haben sich verlängert. Eine Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-069008) führt dies auf eine Empfehlung der United States Preventive Services Task Force (USPSTF) zurück, die Risikopersonen bereits seit Ende 2013 zu einer Früh­erkennung mit der Niedrigdosiscomputer­tomografie rät.

Die USPSTF erarbeitet im Auftrag des Gesundheitsministeriums Empfehlungen zur Prävention und Früherkennung von Krankheiten. Seit Dezember 2013 wird allen Rauchern ab dem Alter von 55 Jahren, die auf mindestens 30 Packungsjahre zurückblicken, zu einer Niedrigdosiscomputer­tomografie geraten. Das Gremium begründete dies damals mit den 2 Jahre zuvor veröffentlichten Ergebnissen des „National Lung Screening Trial“, in dem das Screening die Sterblichkeit am Lungenkrebs um 20 % gesenkt hatte. Im letzten Jahr hat die USPSTF die Altersgrenze auf 50 Jahre und die Zahl der Packungsjahre auf 20 gesenkt.

Ein Team um Chi-Fu Jeffrey Yang von Massachusetts General Hospital in Boston hat jetzt untersucht, ob die Empfehlung die Zahl der Frühdiagnosen erhöht und die Überlebenszeiten verlängert hat. Die For­scher haben dazu in der „National Cancer Database“, die 65 % aller im Krankenhaus behandelten Krebs­erkrankungen erfasst, und das Krebsregister SEER („Surveillance, Epidemiology, and End Results“) aus­gewertet, das Informationen zu den Überlebenszeiten von Krebskranken bei 28 % der US-Bevölkerung sammelt.

Ihre jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die USPSTF-Empfehlungen die Diagnose und Therapie des Lungenkrebs verändert haben. So ist es ab 2014 zu einem spürbaren Anstieg der Tumore gekommen, die im Stadium I diagnostiziert wurden, in dem der Lungenkrebs in der Regel noch keine Symptome macht und das deshalb nur mit einer Früherkennung entdeckt wird (oder als Zufallsbefund bei einem CT aus anderer Ursache).

In der Altersgruppe von 55 bis 80 Jahren, für die das Screening zunächst empfohlen wurde, war es bereits von 2010 bis 2013 zu einem leichten Anstieg der Frühkarzinome um nicht signifikante 1,9 % pro Jahr gekommen. Der Anteil an allen Lungenkrebsdiagnosen stieg von 27,8 % auf 29,4 %. Nach den USPSTF-Empfehlungen beschleunigte sich die Zunahme auf signifikante 3,9 % pro Jahr. Der Anteil an allen Dia­gnosen stieg in den Jahren 2014 bis 2018 von 30,2 % auf 35,5 %. Eine solche Zunahme war in der jünge­ren Altersgruppe, die die USPSTF nicht zum Screening aufgerufen hatte, nicht zu erkennen.

Auch die Überlebenszeiten sind nach der USPSTF-Empfehlung stärker gestiegen als davor. In der Alters­gruppe von 55 bis 80 Jahren war es von 2010 bis 2013 nur zu einer Verlängerung von 15,8 Monaten auf 18,1 Monate gekommen, was einer nicht signifikanten Zunahme um 4,1 % pro Jahr entsprach. In den Jahren von 2014 bis 2018 beschleunigte sich die jährliche Zunahme auf 11,9 % pro Jahr. Die Überlebens­zeiten stiegen seit 2014 auf 28,2 Monate. Yang schätzt, dass die Früherkennung in den USA zwischen 2014 und 2018 schätzungsweise 10.100 vorzeitige Todesfälle verhindert hat.

So auffällig der zeitliche Zusammenhang auch ist, beweisen kann die Studie nicht, dass die USPSTF-Empfehlungen für die günstige Entwicklung verantwortlich sind. Die Forscher können allerdings eine Reihe von anderen Erklärungen ausschließen. Zu einer Zunahme der Überdiagnosen von Lungenkrebs und zu einer Verbesserung in der Genauigkeit des klinischen Stagings ist es danach nicht gekommen. Auch die Zunahme von Zufallsdiagnosen aus anderen Gründen könne ausgeschlossen werden, schreiben sie. Ebenso komme das In-Kraft-Treten des Affordable Care Act („Obama-Care“) im Januar 2014, das die medizinische Versorgung vieler Menschen verbessert hat, als Erklärung nicht infrage.

Die Ergebnisse sind erstaunlich, da Beobachter bisher davon ausgegangen waren, dass die USPSTF-Empfehlungen nur in geringem Ausmaß umgesetzt wurden und die Zahl der CT-Untersuchungen gering war. Sollte dies zutreffen, dann könnte das Potenzial der Früherkennung noch größer sein als die Zahlen vermuten lassen. © rme/aerzteblatt.de

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