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Politik

Weltklimarat: Um die Gesundheit der Menschen zu schützen, ist sofortiges Handeln notwendig

Dienstag, 5. April 2022

/Miha Creative, stock.adobe.com

München – Im dritten Teil seines 6. Sachstandsberichts, der gestern am späten Nachmittag veröffent­licht wurde, spricht der Weltklimarat angesichts der seit Jahren steigenden Treibhausgasemissionen eine deut­liche Warnung aus: Um das im Pariser Klimaabkommen von 2015 avisierte 1,5-°C-Ziel noch zu erreichen, seien sehr schnell einschneidende Maßnahmen notwendig.

Denn das der Menschheit noch verbleibende Zeitfenster, um katastrophale Klimarisiken zu vermeiden, schließe sich zusehends. Werde es nicht genutzt, drohe eine Erwärmung der Erde um deutlich über 2 °C – mit verheerenden Auswirkungen für die Gesundheit und die Lebensgrundlagen der Menschheit.

Im zweiten Teil des 6. Sachstandsberichts, der Ende Februar vom Weltklimarat veröffentlicht worden ist, werden unter anderem die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesundheit der Menschen thema­tisiert.

„Der Klimawandel bedroht direkt und indirekt die Lebensgrundlagen auf der Erde. Er hat negative Ge­sundheitsauswirkungen, die sich in Zukunft verstärken und begünstigt Hunger, Armut, Ungleichheit und Migration“, sagte Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz Zentrum München dem Deutschen Ärzte­blatt. „In dem Bericht wird betont, dass die Städte zunehmend zu Hotspots für Klimarisiken und Klima­auswirkungen werden.“

Für Europa beziehungsweise für Deutschland stehe besonders die Hitze im Fokus, die vor allem für älte­re und vorerkrankte Menschen ein Gesundheitsrisiko darstelle und die zu hitzebedingten Todesfällen durch Hitzschlag und die Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen könne.

„Anders als in den vorherigen Berichten betont der zweite Teil des 6. IPCC-Berichts unmissverständlich die Risiken für das menschliche Wohlergehen und die Gesundheit des Planeten gleichermaßen und stellt die Verknüp­fungen zwischen Klima, Biodiversität und dem Menschen in den Vordergrund“, sagte Matthies-Wiesler.

Anhaltende Hitzewellen

„Prognosen deuten darauf hin, dass der Klimawandel zu mehr heißen Tagen und anhaltenderen Hitze­wellen führen wird, die durch eine höhere Frequenz und Intensität, eine längere Dauer und einen frühe­ren Zeitpunkt innerhalb des Jahres gekennzeichnet sind“, sagt die Biologin. „Zusätzlich altert die Bevölke­rung in Deutschland und immer mehr Menschen wohnen in Städten, wodurch die Vulnerabilität gegen­über Hitze weiter zunimmt.“

Deutschlandweite Temperaturmodelle zeigten über die Jahre hinweg eine Zunahme der Anzahl von Hitzetagen pro Jahr mit Temperaturen über 30 °C, die sich aber regional unterschiedlich verteilten.

„Besonders wichtig ist auch die Zunahme von sogenannten tropischen Nächten, in denen die für den Schlaf und die Gesundheit wichtige nächtliche Abkühlung fehlt“, so Matthies-Wiesler. „Zusammen mit heißen Tagen und Hitzewellen wirken sie auf kardiovaskuläre, metabolische, respiratorische und kogni­tive Funktionen sowie auf die psychische Gesundheit ein.“

Schnelle Reduktion der Emissionen

„Der 6. Sachstandsbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass die gesellschaftlichen Entscheidungen und Handlungen in den kommenden zehn Jahren darüber entscheiden werden, welchen Grad der Klimare­silienz wir mittel- und langfristig erreichen können“, betonte Matthies-Wiesler.

„Der Bericht stellt fest, dass beschleunigte Anpassung ebenso notwendig ist wie eine schnelle und weit­reichende Reduktion der Emissionen. Demnach ist politisches Commitment und sofortiges, abgestimmtes globales Handeln zum Schutz des Klimas, von Biodiversität und Ökosystemen geboten, bevor sich das Fenster für eine globale klimaresiliente Entwicklung und lebenswerte Zukunft auf der Erde schließt.“

Wer ist jetzt in der Pflicht, um den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre zu reduzieren? „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen ist so groß, dass sich alle an der Bewältigung der Krise beteili­gen müssen: politische Entscheidungsträger, Akteure verschiedener Sektoren – so auch des Gesundheits­sektors – und private Unternehmen ebenso wie jeder einzelne Bürger“, sagte Matthies-Wiesler.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Ihre Kollegin Alexandra Schneider betont die Co-Benefits, die ein klimafreundliches Leben für die Gesund­heit hat. „Eine gesunde Ernährung mit wenig oder keinem Fleisch und viel Obst und Gemüse fördert die Gesundheit und hilft, eine Vielzahl von Erkrankungen zu vermeiden, ist aber gleichzeitig gut für das Klima und die Umwelt“, sagte Schneider.

Auch eine aktive Mobilität, also Radfahren und Zu-Fuß-Gehen – zum Beispiel zum Arbeitsplatz oder zur Schule –, trage zur Förderung der Gesundheit bei, während sie gleichzeitig die Luftverschmutzung und die Emissionen von Treibhausgasen verringere.

„Der Nutzen von Lebensstiländerungen, die gleichzeitig die Gesundheit und das Klima schützen, sollte viel häufiger und deutlicher in den Vordergrund gestellt werden“, meint Schneider. Hier könne auch die Ärzteschaft einen großen Beitrag leisten.

„Ärztinnen und Ärzte können sowohl aktiv zum Klimaschutz als auch zur Klimaanpassung beitragen, das Bewusstsein ihrer Patienten schärfen, als Multiplikatoren fungieren, mit gutem Beispiel vorangehen, sich in der Thematik fortbilden und in Netzwerken engagieren“, betonte sie.

Ärzte spielen eine wichtige Rolle

„Da der CO2-Fußabdruck des Gesundheitssektors in Deutschland beträchtlich ist, ist dessen Reduktion ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz“, erklärte Matthies-Wiesler. „Ärztinnen und Ärzte haben in Kliniken und Praxen vielfältige Hebel, um dort zum Klimaschutz beizutragen.“

Die Möglichkeiten reichten von einer Umstellung der Verpflegung des Personals und der Patienten in stationären Einrichtungen bis hin zum Vermeiden bestimmter Narkosegase und dem Gebrauch klima­freundlicher Inhalatoren für Asthmasprays bis hin zu energetischen und baulichen Maßnahmen an den Gebäuden.

Auch bei der Klimaanpassung spielten Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Rolle, so zum Beispiel im Hinblick auf die Umsetzung von Hitzeaktionsplänen für den Schutz der Gesundheit, so Matthies-Wiesler.

Hier sei es unter anderem wichtig, dass sie ihre Patienten vor und während des Som­mers entsprechend beraten bezüglich der Vorsorge, dem Verhalten an heißen Tagen und gegebenenfalls der Medikamenten­einnahme. Während Hitzewellen sei dabei der direkte Kontakt zu besonders vulnerab­len Patienten wich­tig, um das Wohlergehen und die Hitzebelastung zu Hause zu überprüfen. © fos/aerzteblatt.de

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