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Medizin

Studie: Tödliche Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen können schon im Kindes- und Jugendalter beginnen

Donnerstag, 14. April 2022

/stock.adobe.com

Cincinnati/Ohio – Immer mehr Kinder und Jugendliche haben kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Rau­chen, Übergewicht, einen hohen Blutdruck und erhöhte Blutwerte von Cholesterin und Triglyzeriden. Die Konsequenzen machten sich in 7 Langzeitkohorten im Alter von Mitte 40 durch eine signifikant erhöhte Rate von kardiovaskulären Todesfällen bemerkbar.

Die Ergebnisse wurden auf einer Tagung des American College of Cardiology vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2022: DOI: 10.1056/NEJMoa2109191) publiziert.

Kinder und Jugendliche erkranken und sterben nur sehr selten an Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Herz-Kreislauf-Ereignissen und wenn, dann ist die Ursache nicht in einer Atherosklerose zu suchen. Die Gefäßverkalkung, die neben Krebs die wichtigste Erkrankungs- und Todesursache im Erwachsenenalter ist, kann jedoch bereits im Jugendalter beginnen. Dies haben in der Vergangenheit immer wieder Obduktionen gezeigt, die aus anderen Gründen durchgeführt wurden.

Pathologen berichten, dass viele Jugendliche und sogar Kinder mit Übergewicht, Bluthochdruck oder einem Typ-2-Diabetes bereits atherosklerotische Läsionen an den größeren Gefäßen haben. Dass diese Erkrankungen immer häufiger im Jugendalter und manchmal sogar bei Kindern diagnostiziert werden, ist deshalb ein schlechtes Omen. Experten befürchten, dass es in Zukunft zu einer deutlichen Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen könnte.

Das „International Childhood Cardiovascular Cohorts Consortium“ (I3C) beobachtet derzeit die Entwickl­ung in 7 Kohorten aus den USA, Australien und Finnland. Die Teilnehmer wurden das 1. Mal im Alter von 3 bis 19 Jahren auf die 5 wichtigsten kardiovaskulären Risikofaktoren hin untersucht. Das mittlere Alter bei der Erstuntersuchung war 12 Jahre. Mittlerweile sind im Mittel 35 Jahre vergangen. Die Teilnehmer sind durchschnittlich 47 Jahre alt und der Abgleich mit den Sterberegistern ergab, dass 319 der 38.589 Teilnehmer inzwischen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben sind.

Die Sterberate ist zwar noch gering, doch das Team um Jessica Woo vom Cincinnati Children's Hospital Medical Center konnte für jeden der 5 Risikofaktoren ein signifikant erhöhtes Sterberisiko ermitteln. Kinder und Jugendliche, die bei den Untersuchungen angegeben hatten, dass sie Zigaretten rauchen, hatten ein um 61 % erhöhtes Risiko bis zum mittleren Lebensalter an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Die Hazard Ratio von 1,61 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,21 bis 2,13 signifikant. Rauchen kann damit bereits in jungen Jahren den Boden für eine atherosklerotische Erkrankung legen, die im mittleren Lebensalter zum Tod führt.

Für die anderen 4 Risikofaktoren waren die Assoziationen ebenfalls eindeutig. Da die Normalwerte für Gewicht, Blutdruck, Cholesterin und Triglyzeride sich im Verlauf des Kindes- und Jugendalters noch ver­än­dern, bezieht Woo die Hazard Ratios auf den Z-Score: 1 Einheit entspricht dabei einer Standardabwei­chung. Die Hazard Ratios betrugen pro 1 Einheit 1,30 (1,14-1,47) für das Gesamtcholesterin, 1,44 (1,33-1,57) für den Body-Mass-Index, 1,34 (1,19-1,50) für den systolischen Blutdruck und 1,50 (1,33–1,70) für die Triglyceride. Für einen Z-Score, der alle 5 Risiken kombiniert, betrug die Hazard Ratio pro Einheit auf dem Z-Score 2,71 (2,23-3,29).

Da die meisten Kinder und Jugendlichen ihre Risikofaktoren auch im Erwachsenenalter behalten haben dürften, kann die Studie streng genommen nicht beweisen, dass die Schäden bereits im Kindes- und Jugendalter auftraten. Einige Teilnehmer wurden jedoch im Erwachsenenalter erneut untersucht. Woo ermittelt hier eine Hazard Ratio von 2,88 (2,06-4,05) für die Auswirkungen der Risiken im Erwachsenen­alter.

Es bleibt jedoch noch eine Hazard Ratio von 1,23 für das Kindesalter, die allerdings mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall von 0,83 bis 1,82 nicht mehr signifikant war. In einer Analyse, die auch die nicht-tödlichen Herz-Kreislaufereignisse hinzunimmt, war die Hazard Ratio von 1,25 (1,03-1,52) wieder signifikant. Hier ist zu bedenken, dass die nicht-tödlichen Ereignisse nur bei 46 % der Teilnehmer erfragt wurden (die anderen konnten die Forscher nicht kontaktieren). Dies ist in epidemiologischen Studien immer eine mögliche Fehlerquelle. Dass sich die Hazard Ratio jedoch nicht veränderte, spricht gegen eine Verzerrung der Ergebnisse.

Im Zusammenhang mit den Beobachtungen der Pathologen sind die Berechnungen plausibel, findet die Editorialistin Julie Ingelfinger vom Massachusetts General Hospital for Children in Boston. Die Studie zeige trotz aller Einschränkungen, dass kardiovaskuläre Risikofaktoren bereits im Kindes- und Jugend­alter die spätere Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen fördere. Für die Ärzte bedeute dies, dass diese Gesundheitsprobleme frühzeitig angegangen werden müssten. © rme/aerzteblatt.de

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