NewsMedizinCOVID-19: Thromboserisiko bleibt nach der Genesung über Monate erhöht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Thromboserisiko bleibt nach der Genesung über Monate erhöht

Donnerstag, 7. April 2022

/7activestudio, stock.adobe.com

Umeå/Schweden – Eine Erkrankung an COVID-19 geht mit einem erhöhten Risiko von tiefen Venen­throm­­­­bosen und Lungenembolien aber auch von Blutungen einher.

Das Risiko bleibt einer epidemio­logischen Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-069590) zufolge über die Dauer der akuten Infektion hinaus noch einige Zeit bestehen. Die Kompli­kationen traten während der 1. Erkrankungswelle häufiger auf, was auf eine gewisse Schutzwirkung durch die Impfung hindeutet.

Thrombosen sind eine bekannte Komplikation von COVID-19. Bei schweren Verläufen sind sie häufig für den Tod des Patienten verantwortlich, aber auch bei milden Erkrankungen kann es zu tiefen Venen­thrombosen kommen, die zum Ausgangspunkt einer Lungenembolie werden. Viele Patienten werden deshalb mit Antikoagulanzien behandelt, die wiederum mit einem gewissen Blutungsrisiko verbunden sind.

Ein Team um Anne-Marie Fors Connolly von der Universität Umeå hat jetzt untersucht, ob es bei Perso­nen, die in Schweden positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, im Anschluss zu einer Zunahme von Dia­gnosen der 3 Komplikationen gekommen ist. Die Infektiologin verglich zum einen die Daten von 1 Mio. Schweden, bei denen bis zum 25. Mai 2021 eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, mit der 4-fachen Anzahl von Kontrollen gleichen Alters und Geschlechts, die auch hinsichtlich anderer Thrombo­serisiken wie Operationen oder die Einnahme von Antikoagulanzien übereinstimmten.

In einer 2. Analyse wurden die ersten Monate nach der Infektion mit anderen Zeiträumen im Leben derselben COVID-19-Patienten verglichen. Dies vermeidet Verzerrungen, die sich in Fall-Kontrollstudien aus unterschiedlichen Patienteneigenschaften von Fällen und Kontrollen ergeben können. In einer „Self-Controlled-Case-Serie“ (SCCS) sind Fälle und Kontrollen ja ein und dieselbe Person.

Beide Analysen kommen zu gleichen Ergebnissen. In der SCCS ermittelte Fors für die ersten 30 Tage nach der Infektion eine adjustierte relative Inzidenzrate (IRR) von 5,90 (95-%-Konfidenzintervall 5,12 bis 6,80) für eine tiefe Venenthrombose. Das Risiko auf eine Lungenembolie war fast 32-fach erhöht (IRR 31,59; 27,99-35,63), und Blutungen traten in den ersten 30 Tagen mehr als doppelt so häufig auf (IRR 2,48; 2,30-2,68) wie in anderen Lebenszeiträumen der Patienten.

Ein erhöhtes Risiko auf eine tiefe Venenthrombose war bis zu 3 Monate nach dem positiven SARS-CoV-2-Test nachweisbar. Lungenembolien traten über einen Zeitraum von 6 Monaten häufiger auf. Das Blu­tungsrisiko blieb 2 Monate lang erhöht.

Da die Studie alle positiv getesteten Personen des Landes umfasste, also auch solche ohne oder nur mit milden Symptomen, waren die absoluten Risiken überschaubar. Von den 1 Mio. Infizierten erkrankten nur 401 an einer tiefen Venenthrombose (absolutes Risiko 0,039 %) gegenüber 267 Kontrollpersonen (abso­lutes Risiko 0,007 %), wobei nur Ersterkrankungen gewertet wurden.

Ein 1. Lungenembolieereignis trat bei 1.761 Patienten mit COVID-19 (absolutes Risiko 0,17 %) und 171 Kontrollpersonen (absolutes Risiko 0,004 %) auf. Ein 1. Blutungsereignis erlitten 1.002 Patienten mit COVID-19 (absolutes Risiko 0,10 %) und 1.292 Kontrollpersonen (absolutes Risiko 0,04 %).

Am meisten gefährdet waren Patienten mit schweren Erkrankungen, die auf Intensivstation behandelt werden mussten. Aber auch für milde Erkrankungen war ein leicht aber signifikant erhöhtes Risiko nachweisbar.

Die meisten Erkrankungen traten während der 1. Welle im Frühjahr 2020 auf. Fors führt den Rückgang in den folgenden Wellen auf Verbesserungen bei der Behandlung und einen Anstieg der Impfquote vor allem bei älteren Patienten zurück, was sich in der Studie jedoch nicht beweisen lässt. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER