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Vermischtes

Grippewelle bisher ausgeblieben

Donnerstag, 7. April 2022

/nito, stock.adobe.com

Berlin – Die Grippeverbreitung in Deutschland bleibt in der zweiten Saison in Folge stark unterdurch­schnittlich. Seit Anfang Oktober 2021 sind weniger als 5.000 im Labor bestätigte Fälle gemeldet worden, wie aus dem Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert-Koch-Institut (RKI) von gestern Nachmittag hervorgeht.

„Im Vergleich mit den letzten fünf vorpandemischen Saisons sind diese Werte weiterhin sehr niedrig.“ Vor einem Jahr seien allerdings sogar nur knapp 500 Fälle erfasst worden. Hinweise auf eine erneut ausblei­bende Grippewelle hatten zuvor bereits Krankenkassen geäußert.

Es gibt allerdings mit Luxemburg, Dänemark und Bulgarien andere europäische Länder, die laut EU-Ge­sund­heitsbehörde ECDC derzeit – neueste Angaben sind von Ende März – von einer hohen beziehungs­wei­se sehr hohen Intensität der Grippeverbreitung berichten.

Auch in Deutschland hätten die Fallzahlen in den vergangenen vier Wochen stark zugenommen, heißt es im AGI-Bericht. Angesichts einer unbekannten Zahl an Tests können die Autoren aber nicht sicher ein­schätzen, ob der Anstieg eine tatsächliche Zunahme zirkulierender Grippeviren bedeutet oder nicht.

„Ob sich doch noch eine richtige Grippewelle entwickeln kann, können wir nicht sagen. Die Wahrschein­lichkeit einer deutlich steigenden Influenzaaktivität in den kommenden Wochen verringert sich, je weiter das Frühjahr voranschreitet“, teilte eine RKI-Sprecherin auf Anfrage mit.

Eine weiter dämpfende Rolle spielten voraussichtlich auch die baldigen Osterferien – bei Influenza seien Kinder sonst immer besonders früh betroffen. Als Hauptgründe für die stark gebremste Influenza-Verbrei­tung gelten Coronamaßnahmen und Reisebeschränkungen seit Beginn der Pandemie.

Dies ist nicht nur in Deutschland beobachtet worden. Eine Folge: Die Vielfalt an nachgewiesenen Grippe­viren hat sich in der Zeit stark verringert, wie Forscher um Vijaykrishna Dhanasekaran von der University of Hongkong vor einigen Tagen im Fachblatt Nature Communications berichteten. Die sogenannte Influ­enza B/Yamagata-Linie scheine sogar seit Mitte 2020 ausgestorben zu sein.

Die Autoren äußern eine Reihe von Sorgen: Sie erwarten wegen der ausgebliebenen Grippewellen eine verringerte Immunität in der Bevölkerung und sehen ein Risiko schwererer künftiger Epidemien. Be­­son­­ders problematisch könnte dies demnach für Kinder sein, die nun ihre ersten prägenden Grippe­infektio­nen verpassten.

Herausforderungen sieht die Gruppe auch bei der jedes Jahr nötigen Anpassung der Grippeimpfstoffe: Die Vorhersage, welche Viren im Winter zirkulieren werden und daher berücksichtigt sein sollten, wird längere Zeit vor der Grippesaison getroffen. Dabei stützen sich Experten normalerweise auf Erfahrungen aus dem Winter auf der Südhalbkugel.

Weil sich Influenzaviren zwischenzeitlich aber noch einmal stark verändern können, fällt der Impfschutz nicht jedes Jahr sehr gut aus. Durch die nun ausgebliebenen Wellen drohen passgenaue Impfstoffe ein noch schwierigeres Unterfangen zu werden.

Die Ungewissheit bei dem Thema biete einen weiteren Anreiz, rasch sogenannte Universalimpfstoffe weiterzuentwickeln, die im Vergleich zu den bisherigen Vakzinen einen breiteren Schutz vermitteln könnten, schreibt das Team. Für denkbar hält es dabei den Einsatz der mRNA-Technologie, die die Firmen Pfizer/Biontech und Moderna für COVID-19-Impfstoffe nutzten. © dpa/aerzteblatt.de

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