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Medizin

Hüftarthrose: Steroidinjektionen lindern Schmerzen über mehrere Monate

Mittwoch, 27. April 2022

/NICOLAS LARENTO, stock.adobe.com

Stoke-on-Trent/England – Eine ultraschallgeführte Injektion von Kortikosteroiden und Lokalanästhetika in den Gelenkraum hat in einer randomisierten Studie bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Hüftarthrose die Beschwerden über bis zu 6 Monate gelindert sowie die Alltagsfunktionen und die Zufriedenheit der Patienten verbessert. Die Ergebnisse wurden jetzt im britischen Ärzteblatt (BMJ, 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-068446) publiziert.

Intraartikuläre Injektionen von Kortikosteroiden haben sich in der Behandlung von Gonarthrosen bewährt. Die Wirksamkeit gilt dort als ausreichend durch Studien belegt. Bei der Koxarthrose ist die Evidenz wesentlich schwächer.

Eine systematische Analyse in Osteoarthritis and Cartilage (2016; DOI: 10.1016/j.joca.2016.04.018) konnte nur 5 Studien mit einer kleinen Teilnehmerzahl ermitteln, von denen nur 2 eine Wirksamkeit fanden, die zudem nur über 8 Wochen Bestand hatte.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sieht in ihrer aktuellen Leitlinie nur eine „indirekte Evidenz“ mit Verweis auf die guten Erfahrungen bei der Gonarthrose.

Britische Mediziner legen jetzt erstmals die Ergebnisse einer größeren randomisierten Studie vor, die die Patienten nach der Behandlung über 6 Monate nachbeobachtet hat. Dies ist nach den Erfahrungen bei der Gonarthrose der Zeitraum, über den eine Wirkung zu erwarten ist.

Die 199 Teilnehmer waren im Durchschnitt 62,8 Jahre alt und litten zu 2/3 seit mehr als 1 Jahr unter Hüftschmerzen, die bei den meisten den Schlaf beeinträchtigten. In diesem Fall besteht eine Indikation zu einer Behandlung, die bei 67 Patienten aus der Fortsetzung konservativer Maßnahmen wie Physio­therapie, der Verschreibung von Schmerzmitteln und dem Rat zu Sport und Gewichtsreduktion bestand.

In den beiden anderen Gruppen erhielten die Patienten zusätzlich eine intraartikuläre Injektion. Bei 66 Patienten wurde eine Mischung aus 40 mg Triamcinolonacetonid und 4 ml 1 % Lidocainhydrochlorid injiziert, bei 66 Patienten wurden nur 5 ml 1 % Lidocain gespritzt.

Der primäre Endpunkt war der Rückgang der Schmerzintensität auf einer numerischen Bewertungsskala von 0 bis 10 Punkten, der von den Patienten nach 2 Wochen und nach 2, 4 und 6 Monaten abgefragt wurde. Sekundäre Endpunkte umfassten die körperliche Funktionsfähigkeit und die Selbstwirksamkeits­erwartung. Gemeint ist damit die Fähigkeit der Patienten, die Hüfte im Alltag in gewohnter Weise zu benutzen.

Wie Zoe Paskins von der Keele Universität in Stoke-on-Trent/England und Mitarbeiter berichten, setzte die Wirksamkeit der Injektion wie erwartet rasch ein: 2 Wochen nach der Injektion von Steroid plus Lokal­anästhetikum war die Schmerzintensität um 3,17 Punkte niedriger als in der Vergleichsgruppe. Die alleinige Lidocaininjektion erzielte einen Rückgang um 1,21 Punkte.

Nach 2 Monaten hatte die Wirkung leicht nachgelassen. Die Differenz von 1,81 Punkten in der Triam­cinolon/Lidocain-Gruppe und von 0,69 Punkten in der Lidocaingruppe waren jedoch noch signifikant.

Nach 4 und 6 Monaten war die Wirkung verflogen. Die Patienten der beiden Injektionsgruppen gaben eine vergleichbare Schmerzintensität wie in der Vergleichsgruppe an. Über den gesamten Zeitraum war die Schmerzintensität um 1,43 Punkte (Triamcinolon/Lidocain) beziehungsweise 0,55 Punkte (Lidocain) zurückgegangen.

In den sekundären Endpunkten hielten die Vorteile bei den körperlichen Funktionen und in der Selbst­wirksamkeitserwartung auch nach 4 Monaten noch an. Bei der Abschlussuntersuchung nach 6 Monaten waren in der Triamcinolon/Lidocain-Gruppe 58 % der Patienten mit dem Behandlungsergebnis zufrieden gegenüber 34 % unter alleiniger konservativer Behandlung. Ingesamt 66,7 % versus 44,6 % der Patienten fühlten sich nach 2 Monaten nicht in ihrem Alltag eingeschränkt.

Bei 7 Patienten kam es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen. Darunter war 1 Patient mit einer biopro­thetischen Aortenklappe, der 4 Monate nach der Steroidinjektion an einer subakuten bakteriellen Endo­karditis starb.

Die Studienleitung kam nach einer eingehenden Prüfung mit dem behandelnden Kardiologen zu dem Schluss, dass ein kausaler Zusammenhang mit der Steroidinjektion nicht ausge­schlos­sen werden kann. Der Fall zeigt, dass eine lokale Injektion von Steroiden eine Fernwirkung erzielen kann, was bei der Auswahl der Patienten zu berücksichtigen ist.

Trotz der Risiken kommt eine Steroidinjektion bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Koxarthrose als eine Behandlung infrage, die kurzfristig eine Schmerzlinderung verspricht, die den Patienten in den folgenden Monaten das Leben erleichtern kann. © rme/aerzteblatt.de

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