NewsMedizinUkraine: ECDC rät zu gezieltem Tuberkulosescreening bei Geflüchteten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ukraine: ECDC rät zu gezieltem Tuberkulosescreening bei Geflüchteten

Donnerstag, 7. April 2022

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Stockholm – Obwohl die Geflüchteten aus einem Land mit einer der höchsten Tuberkuloseinzidenzen in Europa kommen und ein Drittel der Erkrankungen in der Ukraine durch resistente Bakterien verursacht wird, raten das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) und die WHO Region Europa vorerst von einem systematischen Screening aller Geflüchteten ab.

Bestimmte Gruppen wie Haushaltskontakte von bakteriologisch bestätigten Lungenerkrankungen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten jedoch auf eine Infektion getestet werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hatte bereits im letzten Monat auf die Problematik aufmerksam gemacht. Während in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist, bildet die Ukraine (neben anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion) einen Hotspot der Erkrankung.

Die geschätzte TB-Inzidenz beträgt in der Ukraine 73 pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu 9,5 pro 100.000 in Westeuropa (EU/EWR) und zuletzt 5,0 pro 100.000 in Deutschland.

Im Jahr 2020 waren in der Ukraine 32,6 % aller bakteriologisch bestätigten Fälle von Lungentuberkulose Rifampicin-resistent oder multiresistent (RR/MDR-TB). In der Ukraine wurden insgesamt 4.117 RR/MDR-TB-Fälle gemeldet gegenüber 595 in EU/EWR. Allerdings traten Erkrankungen bei Männern 2,4-fach häu­figer auf als bei Frauen. Außerdem wurde nur ein kleiner Teil der RR/MDR-TB bei Kindern diagnostiziert. Da die meisten Geflüchteten Frauen und Kinder sind, könnte die Zahl der Geflüchteten mit einer latenten oder sogar offenen TB geringer sein als im Landesdurchschnitt der Ukraine.

Dennoch raten ECDC und WHO-Europa zur Vorsicht bei Risikogruppen. Ein Test auf eine Tuberkulose­infektion könnte beispielsweise bei Haushaltskontakten von Patienten mit bakteriologisch bestätigter TB sinnvoll sein oder auch bei Personen mit geschwächtem Immunsystem, etwa dialysepflichtige Personen.

Zu einem Screening auf eine TB-Erkrankung wird bei Menschen mit HIV oder bei Kontaktpersonen von TB-Patienten geraten. HIV-Infizierten sollte bei einer latenten Infektion eine präventive Behandlung angeboten werden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER