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Drastischer Einbruch bei Organspende

Freitag, 8. April 2022

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Frankfurt am Main – Die Zahl der Organspender ist im ersten Quartal des Jahres massiv ein­gebrochen. Das hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) heute bekannt gegeben. Demnach gab es von Januar bis März 176 Spender (2021: 249). Das ist ein Rückgang um 29 Prozent. Gleichzeitig sank die An­zahl der in Deutschland postmortal entnommenen Organe um 28 Prozent auf 562 Organe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Insgesamt konnten in deutschen Transplantati­ons­zentren im ersten Quartal 600 Organe übertragen werden, die über Eurotransplant an die Patienten auf den Wartelisten vermittelt wurden. Das sind 194 Transplantationen weniger gegenüber dem Vorjah­reszeitraum, was einem Rückgang von 24 Prozent entspricht.

Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, zeigte sich zutiefst besorgt über die aktuell vorliegenden Organspendezahlen. „Vor dem Hintergrund, dass jedes einzelne Organ zählt und Leben retten kann, ste­hen wir vor einer dramatischen Entwicklung für die rund 8.500 Patienten auf den Wartelisten.“

Für die DSO kam der Einbruch nach eigenen Aussagen „völlig unerwartet“. Vor allem, weil Deutschland bisher im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ohne größere Einbußen durch die Pandemie ge­kommen sei.

Nach Ansicht der DSO ist der Rückgang unter anderem auf die zunehmende Arbeitsüberlastung in den Kliniken in der Pandemie zurückzuführen. Grund dafür sei, ein erhöhter Personalausfall auf den Intensiv­stationen. „Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass hierdurch weniger Organspenden realisiert werden konnten, als unter normalen Umständen möglich gewesen wären“, so Rahmel.

Insgesamt sind laut DSO die Ablehnungen gegenüber einer Organspende in der Akutsituation auf den Intensivstationen um elf Prozent gestiegen. Auch in den Angehörigengesprächen wird eine Organspende demnach derzeit häufiger abgelehnt als noch im vergangenen Jahr. Lediglich in rund 15 Prozent der Fälle liegt den Statistiken der DSO zufolge eine schriftliche Willensbekundung des potenziellen Spenders vor.

Ein Problem sind auch die medizinische Kontraindikationen durch SARS-CoV-2. Diese haben laut DSO um elf Prozent zugenommen. Die Zunahme steht der DSO zufolge „in direkter Relation zu der gestiegenen SARS-CoV-2-Infektionsrate“. Im Falle eines positiven Befundes sind demnach mögliche Spender noch bis vor kurzem von einer Organentnahme ausgeschlossen worden, weil diese in der Regel als Folge einer schweren COVID-19-Erkrankung verstorben waren.

Die Organspendeorganisation weist aber auch darauf hin, dass die Zahl potenzieller Organspender, bei denen das SARS-CoV-2-Virus nur als Zufallsbefund nachgewiesen worden ist, ohne dass die möglichen Spender diesbezüglich symptomatisch gewesen wären, deutlich zugenommen hat. Die Folge sei, dass sich die Zahl der Fälle, bei denen der Organspendeprozess wegen dieser Infektion abgebrochen worden ist, im ersten Quartal 2022 gegenüber dem letzten Quartal 2021 nahezu verdoppelt habe.

„Internationale Erfahrungen zeigen, dass gerade in diesen Situationen auch bei positivem SARS-CoV-2-Befund eine Organspende unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist“, schreibt die DSO. Entspre­chend würden seit März im Einzelfall auch Organe von solchen Spendern im Eurotransplant-Verbund angeboten. Die Entscheidung über die Transplantation erfolge im Transplantationszentrum wie immer unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko für die entsprechend aufgeklärten Empfänger.

Vorzeitiges Herz-Kreislaufversagen verhindert Organspende

Laut statistischer Auswertung der DSO gibt es noch einen weiteren „wesentlicher Grund“ für den Rück­gang der Organspenden in diesem Quartal.

Die Analye habe eine Häufung von organspendebezogenen Kontakten ergeben, bei denen es vor einer möglichen Feststellung des Todes durch Nachweis des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls („Hirntod“) zu einem Zusammenbruch der Herz-Kreislauf-Funktion bei den Patienten gekommen sei (+ 44 Prozent).

Die Organe der verstorbenen Spender müssen laut DSO bis zur Entnahmeoperation künstlich durch in­tensivmedizinische Maßnahmen funktionsfähig gehalten werden. Versagt das Herz-Kreislaufsystem des Spenders vorzeitig, ist keine Organspende mehr möglich.

Auch nahm die Zahl der Fälle um 20 Prozent zu, bei denen es nach einer Kontaktaufnahme des Kranken­hauses zur DSO als Koordinierungsstelle zu keiner Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls kam.

Angesichts dieser schwierigen Situation ruft der Medizinische DSO-Vorstand alle Partner im Prozess der Organspende dazu auf, die Patienten auf den Wartelisten nicht aus dem Blick zu verlieren und sich ge­meinsam weiter engagiert dafür einzusetzen, die Organspendezahlen in Deutschland trotz widriger Umstände wieder auf einen besseren Weg zu bringen.

„Jeder von uns trägt hier eine große Verantwortung gegenüber den schwer kranken Menschen auf den Wartelisten“, sagte Rahmel. Aber auch ohne den Rückhalt, das Vertrauen und die aktive Zustimmung aus der Bevölkerung seien keine Organspenden möglich. „Die Gemeinschaftsaufgabe Organspende gelingt nur, wenn alle mitmachen.“ © may/EB/aerzteblatt.de

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