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Medizin

Erektile Dysfunktion: Sildenafil und andere PDE-5-Hemmer mit 3 verschiedenen Augenstörungen assoziiert

Freitag, 8. April 2022

/Ana de Sousa, stock.adobe.com

Vancouver – Die Fachinformationen zu Medikamenten mit den Phosphodiesterase (PDE)-5-Hemmern Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil oder Avanafil warnen bereits vor der Gefahr von Durchblutungsstörungen im Sehnerv.

Eine Auswertung von Versichertendaten von mehr als 200.000 Männern in JAMA Ophthalmology (2022; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2022.0663) findet jetzt zusätzlich eine Assoziation zu Netzhautab­lösungen und Gefäßverschlüssen in der Netzhaut. Die Komplikationen scheinen jedoch insgesamt sehr selten zu sein.

PDE-5-Hemmer sind ein effektives Mittel zur Erzielung einer Erektion. Sie werden von einer steigenden Zahl von Männern genutzt, die im Alter häufig als Folge von Typ-2-Diabetes oder anderen Grunderkran­kungen unter einer erektilen Dysfunktion leiden. Die Wirkstoffe sind in der Regel gut verträglich. In vielen Ländern sind PDE-5-Hemmer inzwischen rezeptfrei erhältlich (nicht aber in Deutschland).

Zu den möglichen Komplikationen gehören Sehstörungen. Die Fachinformationen verweisen auf eine nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION). Es handelt sich um eine akute Durchblutungsstörung der Sehnervenpapille, die zu einer dauerhaften Sehverschlechterung auf dem betroffenen Auge führen kann.

Ein Zusammenhang mit der Einnahme von PDE-5-Hemmern ist nicht restlos gesichert. Die FDA verweist auf eine Beobachtungsstudie, in der es nach der Anwendung von PDE-5-Hemmern (innerhalb von 5 Halbwertzeiten der Wirkstoffe) zu einer etwa 2-fachen Erhöhung des NAION-Risikos gekommen ist.

Die „Collaboration for Epidemiology of Ocular Diseases“ (CEPOD) an der Universität von British Columbia in Vancouver hat zu dieser Frage jetzt die US-Versichertendaten (IQVIA PharMetrics Plus) von 213.033 Männern ausgewertet, denen in den Jahren 2006 bis 2020 regelmäßig einer der 4 genannten PDE-5-Hemmer verordnet wurde.

Jedem Patienten wurden 4 Kontrollen gleichen Alters gegenübergestellt. Bei der Berechnung der relati­ven Häufigkeit einer ischämischen Optikusneuropathie (entspricht der NAION) wurden die konkurrie­renden Risikofaktoren Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Rauchen, Diabetes und (nur in der Analyse zur ischämischen Optikusneuropathie) eine Schlafapnoe berücksichtigt. Diese Erkrankungen könnten statt der Einnahme der PDE-5-Hemmer für die ischämische Optikusneuropathie verantwortlich sein.

Trotzdem waren die regelmäßigen Anwender der PDE-5-Hemmer doppelt so häufig wie die Kontrollen an einer ischämischen Optikusneuropathie erkrankt. Mahyar Etminan und Mitarbeiter ermitteln eine relative Inzidenzrate (IRR) von 2,02, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,14 bis 3,58 statistisch signifikant war. Da die Erkrankung sehr selten ist, kam es nur zu 3,2 Fällen auf 10.000 Personenjahre.

Neu ist, dass 2 weitere Augenerkrankungen mit der regelmäßigen Verordnung von PDE-5-Hemmern assoziiert waren. Dies war einmal ein retinaler Gefäßverschluss, also die Blockade von Arterien oder Venen in der Netzhaut. Dies führt zu dauerhaften Sehstörungen (die beim Verschluss der Arterien sofort auftreten und sich beim Verschluss der Venen über Wochen und Monate allmählich entwickeln).

Die Epidemiologen ermitteln eine IRR von 1,44, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,98 bis 2,12 das Signifikanzniveau verpasst. Da retinale Gefäßverschlüsse nicht ganz so selten sind, könnte es zu 8,5 Fällen pro 10.000 Personenjahre kommen.

Die andere Augenerkrankung, die zum 1. Mal mit der regelmäßigen Anwendung von PDE-5-Hemmern in Verbindung gebracht wird, ist eine seröse Netzhautablösung. Gemeint ist eine Ansammlung von Flüssig­keit hinter der Netzhaut ohne Risse oder Brüche in der Netzhaut. Die Folge sind Verzerrungen des Sehens. Langfristig drohen dauerhafte Einschränkungen der Sehfähigkeit.

Etminan ermittelt eine IRR von 2,58 (95-%-Konfidenzintervall 1,55-4,30). Die Inzidenz betrug 3,8 Fälle pro 10.000 Personenjahre.

Insgesamt handelt es sich demnach um seltene Komplikationen einer regelmäßigen Einnahme von PDE-5-Hemmern. Die Kausalität ist nach wie vor nicht bewiesen. Es ist weiterhin nicht ausgeschlossen, dass die epidemiologischen Studien andere konkurrierende Risiken übersehen haben.

Der Rat an die verordnenden Ärzte ist, die Patienten auf jeden Fall auf mögliche Sehstörungen hinzu­weisen und zu bitten, die Medikamente in diesem Fall zunächst nicht mehr zu verwenden, bis der Verdacht durch eine augenärztliche Untersuchung geklärt wurde. © rme/aerzteblatt.de

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