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Psychotherapeuten fordern leichteren Therapie-Zugang für Geflüchtete

Montag, 11. April 2022

/picture alliance, Robin Utrecht

Berlin – Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) fordert einen einfacheren Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung für Geflüchtete aus der Ukraine. Insbesondere für Kinder und Jugendliche brauche es eine frühzeitige psychosoziale und psychotherapeutische Betreuung, um ihren Behandlungsbedarf festzustellen.

„Viele Geflüchtete aus der Ukraine sind psychisch schwer belastet und kommen mit dem Erlebten nicht zurecht. Sie benötigen psychotherapeutische Hilfe“, sagte der DPtV-Bundesvorsitzende Gebhard Hentschel. Die Zahl der geflüchteten Kinder im Kindergarten- und Schulkindalter sei sehr hoch, darunter seien auch unbegleitete Kinder unter 14 Jahren, die auf der Flucht von ihren Bezugspersonen getrennt oder von verzweifelten Eltern auf die Flucht geschickt wurden. „Gerade für sie müssen unbürokratische Wege in die Versorgung geschaffen werden.“

Dazu gehöre auch, durch eine frühzeitige psychosoziale und psychotherapeutische Betreuung den Behandlungsbedarf festzustellen. „Den Geflüchteten sollte sofort eine Versichertenkarte ausgestellt werden“, forderte Hentschel. Die Kassenärztlichen Vereinigungen könnten gleichzeitig zusätzliche Psychotherapeuten ermächtigen und die Krankenkassen die Kostenerstattung für Privatpraxen erleichtern.

Hentschel kritisiert, dass Ukrainer zwar nach Beschluss des EU-Rats überall in der EU medizinische und psychotherapeutische Versorgung in Anspruch nehmen können, ohne dass Einzelanträgen geprüft werden – die Versorgung in den Bundesländern aber unterschiedlich geregelt wird. Teilweise erfolgt sie mit Behandlungsscheinen, teilweise gelten spezielle Verträge zwischen den KVen und den Ländern.

So haben beispielsweise die KV Berlin und die KV Nordrhein bereits solche Verträge mit ihren jeweiligen Bundesländern abgeschlossen. „In einigen Bundesländern werden statt der Behandlungsscheine elektronische Gesundheitskarten ausgestellt. Das ist nicht nur einfacher, sondern verschiedenen Studien zufolge sogar kostengünstiger“, sagt Hentschel.

Die Ukrainer hätten das Recht auf vollumfängliche psychotherapeutische Behandlung gemäß der Psychotherapie-Richtline des deutschen Sozialgesetzbuches. „Die DPtV appelliert an alle Beteiligten, ihnen dieses Recht unkompliziert zu gewähren“, erklärt Hentschel. Es sei davon auszugehen, dass die Rückkehr in die Heimat so schnell nicht möglich sein wird. „Die Kinder befinden sich in einer wichtigen und prägenden Phase ihres Lebens. Sie haben ein Recht auf Bildung, soziale Integration und psychische Gesundheit!“

Allerdings sei ein psychotherapeutisches Angebot nur sinnvoll, wenn gleichzeitig die Kosten für Übersetzer und Kulturmittler übernommen werden. „Das haben wir aus der Flüchtlingskrise von 2015 gelernt.“

Doch es fehle einerseits an Dolmetschern, andererseits sei das Genehmigungsverfahren für die Übersetzungskosten langwierig und aufwendig. Das müsse geändert werden. Die Unterstützung von Sprachmittlung in der Psychotherapie sei zwar als ein Ziel im Koalitionsvertrag gesetzt, geschehen sei bislang jedoch nicht viel. Auch müssten Betroffene über die Zuverlässigkeit der Schweigepflicht aufgeklärt werden. © EB/lau/aerzteblatt.de

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