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Medizin

Umweltchemikalien PFAS könnten Diabetesrisiko erhöhen

Montag, 2. Mai 2022

/Proxima Studio, stock.adobe.com

Ann Arbor/Michigan – Eine erhöhte Blutkonzentration von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), die sich aufgrund ihrer Fettlöslichkeit und Langlebigkeit in der Nahrungskette angereichert haben, war in einer prospektiven Beobachtungsstudie bei Frauen im mittleren Lebensalter mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko am Typ-2-Diabetes verbunden.

Sollte die in Diabetologia (2022; DOI: 10.1007/s00125-022-05695-5) vorgestellte Assoziation kausal sein, könnte die PFAS-Exposition in den USA für 1/4 aller Neuerkrankungen verantwortlich sein.

Bei den PFAS handelt es sich um eine Gruppe von etwa 4.700 verschiedenen Chemikalien, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Alltagsgegenständen enthalten sind. Dazu gehören etwa „Coffee-to-go“-Becher oder wasserabweisende Outdoortextilien. Auch in Feuerlösch­schäumen sind PFAS enthalten.

Chemisch sind PFAS im weiteren Sinn organische Verbindungen verschiedener Kettenlängen, bei denen die Wasserstoffatome durch Fluoratome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) ersetzt sind. Dies macht die Chemikalien extrem langlebig. PFAS haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit Wind und Wasser über den ganzen Globus verteilt. Über die Nahrungskette gelangen sie letztlich auch in den mensch­lichen Körper.

Viele PFAS haben eine ähnliche molekulare Struktur wie die natürlichen Fettsäuren. Sie werden deshalb vom Körper als solche verwendet und beispielsweise im Fettgewebe gespeichert. Ähnlich wie Fettsäuren inter­agie­ren sie in den Zellkernen mit Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptoren (PPARs), die im Kör­per als Fett- und Insulinsensoren fungieren. Damit könnten PFAS in die Pathogenese eines Typ-2-Diabe­tes eingreifen.

Laborexperimente haben gezeigt, dass PFAS in Konzentrationen, wie sie beim Menschen im Serum ge­messen wurden, in Zellkulturen die PPAR-Funktion beeinträchtigen.

Sung Kyun Park von der School of Public Health der Universität von Michigan in Ann Arbor und Mitarbei­ter haben jetzt den Einfluss von PFAS auf Neuerkrankung am Typ-2-Diabetes an Teilnehmerinnen der „Study of Women’s Health Across the Nation“ (SWAN) untersucht.

Gegenstand der Studie sind eigentlich die Auswirkungen der Menopause auf die Gesundheit. Die Teilstudie „Women’s Health Across the Nation Multi-Pollutant Study“ (SWAN-MPS) beschäftigt sich aber auch mit Umweltaspekten.

Von 1.237 Teilnehmerinnen im Alter von durchschnittlich 49,4 Jahren sind in den folgenden 17 Jahren 102 an einem Typ-2-Diabetes erkrankt, was einer Inzidenz von 6 Neuerkrankungen auf 1.000 Personen­jahre ent­spricht.

Für 7 der 11 untersuchten PFAS fanden die Forscher ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Frauen mit Serum­werten im obersten 1/3. Für die Summe der 7 PFAS betrug die Hazard Ratio (HR) 2,62 – allerdings mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,12 bis 6,20. Die Hazard Ratio war vergleich­bar mit dem Einfluss von Übergewicht (HR 2,89) und sie übertraf das Risiko durch Tabakrauchen (HR 2,30).

Sollte der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegen, könnte – unter der Voraussetzung, dass die Ergeb­nisse auf Männer übertragbar sind – nach den Berechnungen von Park in den USA jedes Jahr etwa 370.000 Neuerkrankungen am Typ-2-Diabetes auf die Exposition mit PFAS zurückzuführen sein. Das wäre etwa 1/4 der jährlichen Neuerkrankungen.

Zweifel an der Kausalität sind möglich. Die Forscher konnten zwar eine Reihe von möglichen anderen Diabe­tesrisikofaktoren wie ethnische Herkunft, Wohnort, Bildung, Raucherstatus, Alkoholkonsum, Ge­samt­energie­aufnahme, körperliche Aktivität, Menopausenstatus und BMI berücksichtigen.

Es bleibt aber denkbar, dass andere „Confounder“ übersehen wurden: Frauen, die häufiger Kaffee aus mit PFAS versie­gelten Einmalbechern trinken, könnten sich (auch) in anderen Lebensbereichen ungesund verhalten, ohne dass dies aus den Antworten in den Fragebögen erkennbar ist, die sie im Rahmen der SWAN-Studie ausgefüllt haben. © rme/aerzteblatt.de

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