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Ärzteschaft

Nierentrans­plantationen: Wenig Aussicht auf Verbesserung der Lage

Mittwoch, 13. April 2022

/picture alliance, Waltraud Grubitzsch

Berlin – Deutschland hat durch eine falsche Politik seinen Spitzenplatz in der Nierentrans­plantationsmedizin eingebüßt und ist selbstverschuldet auf dem Weg zu einer der schlechtesten Nationen in diesem Bereich. Das kritisiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in ihrem jüngst veröffentlichten Jahresbericht. Allzu viel Hoffnung auf eine baldige Besserung der Situation verbreitet sie nicht.

1.992 Nierentransplantationen wurden 2021 in Deutschland durchgeführt, 1.517 postmortale und 475 Lebendnierentransplantationen. „Eine Zahl von 1.992 Nierentransplantationen auf circa 100.000 Dialysepatienten hat zur Folge, dass aktuell in Deutschland geschätzt fünfmal so viele Patienten chronisch dialysiert werden wie nierentransplantiert sind“, erklärt Bernard Banas, Leiter der Abteilung für Nephrologie und des Universitären Transplantationszentrums des Universitätsklinikums Regensburg sowie Vizepräsident der Deutschen Akademie für Transplantationsmedizin.

„Dass das nicht so sein müsste, machen unsere Nachbarn vor.“ Denn in immer mehr Ländern würden mehr Nierentransplantierte leben als es Dialysepatienten gibt.

Für zehntausende von Patienten mache das einen entscheidenden Unterschied, schließlich würden Daten des Europäischen Dialyse- und Transplantationsregisters die unterschiedlichen Lebenserwartungen von Dialysepatienten und Nierentransplantierten klar aufzeigen. „Die niedrige Rate an Transplantationen führt dazu, dass Patienten mittleren Lebensalters in Deutschland so lange auf eine Transplantatniere warten, dass sie rein statistisch ihre Transplantation gar nicht mehr erleben können“, schreibt Banas.

Die Folge: Aufgrund dieses Drucks auf Patienten und Angehörige würden sich viele für eine Lebenstransplantation entscheiden. „Dabei würde man diese ärztlich am besten gar nicht vornehmen wollen“, wendet Banas ein. Denn nicht nur sollten an gesunden Menschen eigentlich keine Operationen erfolgen, auch die rechtlichen Rahmenbedingungen machten es die rechtlichen Rahmenbedingungen Patienten, Angehörigen und Ärzten nicht leicht, Lebendnierentransplantationen durchzuführen.

Banas zeigt wenig Hoffnung, dass sich daran bald etwas ändert: „Lösungen scheinen derzeit nicht in Sicht.“ Zwar bekenne sich die Gesellschaft klar zu Organspende und Transplantation, eine politische, juristische und ethische Diskussion über dringend notwendige Änderungen gebe es aber nicht.

Die Diskussion um die Widerspruchsregelung 2019 und 2020 habe das Dilemma beispielhaft aufgezeigt: „Wir sehen uns nicht in der Lage, Bürgerinnen und Bürgern vorzugeben, zu Lebzeiten eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen. Wir lassen jedoch ein Transplantationsgesetz in Kraft, das Angehörigen zumutet, postmortal über die Organspende entscheiden zu müssen.“

Noch bemerkenswerter sei aber, dass in Deutschland jeden Tag Organe aus den anderen sieben Ländern des Eurotransplant-Verbundes transplantiert werden – Organe also, die ohne explizite Zustimmung der Verstorbenen oder deren Angehörigen entnommen wurden, was in Deutschland eindeutig illegal wäre.

Es sei mehr denn je an der Zeit, über Auswege und Alternativen zur klassischen Organtransplantation nachzudenken, mahnt Banas. Das müsse schon bei der Prävention beginnen und auch neue Ansätze wie die Xenotransplantation umfassen, also die Übertragung eines Tierorgans in einen lebenden Patienten. Zwar gebe es da erstaunliche wissenschaftliche Fortschritte, aber für Deutschland gelte auch dabei: „In der Forschung top, eine Anwendung am Patienten noch in weiter Ferne.“ © lau/aerzteblatt.de

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